PINK FLOYD: More [Vinyl-LP][Re-Release]

PINK FLOYD: More [Vinyl-LP][Re-Release]

Kenne ich nicht! Nöö, weder den (Anti-)Drogen-Film More – mehr – immer mehr noch den Soundtrack dazu, Music from The Film More oder einfach More. Auch hier kann man froh sein, dass das dritte Album von PINK FLOYD nun nochmal die verdiente Aufmerksamkeit bekommt durch die Re-Release-Reihe der kompletten Studioalben remastered und stilecht auf Vinyl. Dass PINK FLOYD das Angebot bekamen, die Musik zum Film von 1969 zu übernehmen, gefiel der Band absolut. Sie bekamen hier auch vom Label absolute Freiheit, wohin die Reise geht. Sicher auch angenehm, sich so von den Spuren vom im Vergleich zum Debüt The Piper At The Gates Of Dawn weniger erfolgreichen zweiten Album A Saucerful Of Secrets zu lösen. Oder auch einfach das Kapitel Syd Barrett abzuschließen und sich hier als neue PINK FLOYD zu präsentieren. Dabei griff man auch auf bereits fertige neue Songs zurück, die für den Soundtrack überarbeitet wurden, sodass man in gerade mal acht Tagen in Abbey Road Studio fertig war. Dass es sich hier um die Filmmusik handelt zu einem vom Thema Drogen durchzogenen Film hört man schnell heraus, auch dass es nicht um Blümchenpflückende Flowerpower-Romantik geht. Vieles ist instrumental, um die Szenen des Films zu untermalen.

Das eröffnende Cirrus Minor kommt anfangs schön, verträumt, mit reichlich Vogelgezwitscher, wird aber dann recht schnell dunkel und introventiert. Der kurze Gesangspart und die sich aufbäumenden Orgeln malen ein klares Bild, wohin es geht. Dann ist es Zeit, die PINK FLOYD-Fans zu erschrecken, der Nile Song, ohne Keyboarder Wright eingespielt, kommt mächtig hart und heavy aus den Boxen. So laut und energisch sollte man die Band nie wieder hören, live wurde der Song konsequent gestrichen, weil er halt eher zu den ersten Richtung Heavy Metal deutende Bands gepasst hätte als zu dieser Psychedelic-Band.  Immerhin hatten später VOIVOD den Song für sich entdeckt und ihn 1993 auf The Outer Limits für die Metalwelt neu aufbereitet. Crying Song ist fast zu schön, melancholisch, bluesig, alle aufkeimenden Glücksgefühle fegt aber das wilde, jazzige Instrumental Up The Khyber wieder beiseite. Hier wird es anstrengend, nervenzerrend, spinnig wirr, sicher kein Thema zu einer Kuschelszene im Film. Das sicher aber, zumindest abseits der Filmleinwand, das wunderschöne Green Is The Colour, folkig, akustisch, zarte Flötenklänge – echtes Hippieflair macht sich breit, man kann hier durchaus schon mal an Wish You Were Here denken, das uns sechs Jahre später erst beglücken sollte.

Cymbaline präsentiert sich als schöner einschmeichelnder Song, der so sicher auch den DAVID BOWIE-Fans gefallen hat. Orientalische Töne beim kurzen Instrumental Party Sequence, das schräge, bedrückende Main Theme ist ein düsterer Abflug, verworren, ein schlechter Trip in Töne gepackt. Ibiza Bar ist wieder kraftvoll und groß, deutet in Richtung musikalischer Zukunft der Band. Es wird kurz bluesy, um mit Quicksilver wieder einem längeren kranken Instrumentaltrip Raum zu geben. DAVID GILMOUR lässt es kurz spanisch erklingen, das beendende Dramatic Theme bringt dann alles nochmal instrumental zusammen, was die Band zukünftig auszeichnen sollte, psychedelisch, verdrogt, verspielt, viel GILMOUR-Gitarre, mit einem wohligen Gefühl von Unwohlsein durchzogen. Gerade bei diesem Schlusstrack denkt man schnell an das bereits vier Monate später erscheinende Doppelalbum Ummagumma.

Was für ein spannendes, interessantes Album! Die Band tobt sich frei von Vorgaben aus und bietet den wohl perfekten Soundtrack zu diesem wie gesagt mir unbekannten Film (muss ich nun doch mal ändern). Hier auf Platte sind es natürlich eher die richtigen Songs, die herausragen und schon viel von dem präsentieren, wofür PINK FLOYD durch die folgenden Alben standen. Zudem gelang es der Band, mit More den Sinn eines Soundtracks auf Platte zu bringen. Auch wenn man den Film nicht kennt, hat man Bilder vor Augen, die eine Geschichte erzählen. Schade, dass man bei den Wiederveröffentlichungen mit der Ausstattung nicht sehr großzügig war, hier geht es nur um die Musik selbst. Ein Inlay mit ein paar Bildern, Zusatzinfos, vielleicht auch zum Film, hätten den Wert der Re-Releases für die Fans doch deutlich erhöht. Aber ähnlich war es ja auch bei den 2011er Re-Releases auf CD, die auch ohne Goodies auskommen mussten. Da haben viele andere Rockdinos mit den aktuell aus allen Seiten kommenden Re-Releases deutlich die Nase vorn, allen voran immer noch JETHRO TULL mit ihren überaus geschmackvollen Buch-Editionen.

Nun denn, freuen wir uns darüber, eben diese Musik neu genießen und entdecken zu dürfen. Keine Ahnung, warum dies Album bisher an mir vorbei ging. Wem es ebenso geht, der sollte dies umgehend ändern. Das gelungene Remaster und das wohlige Gefühl, eine weitere PINK FLOYD Platte in den Händen zu halten, da sollte man bei More ganz klar zugreifen.

Veröffentlichungstermin: 03.06.2016

Spielzeit: 44:56 Min.

Line-Up:
David Gilmour – Gitarre, Gesang
Roger Waters – Bass, Gesang
Richard Wright – Orgel, Piano, Gesang
Nick Mason – Schlagzeug, Percussion

Label: Pink Floyd Records / Warner Music

Homepage: http://www.pinkfloyd.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/pinkfloyd

Tracklist:
1. Cirrus Minor
2. The Nile Song
3. Crying Song
4. Up The Khyber
5. Green Is The Colour
6. Cymbaline
7. Party Sequence
8. Main Theme
9. Ibiza Bar
10. More Blues
11. Quicksilver
12. A Spanish Piece
13. Dramatic Theme

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!