PINK FLOYD: Meddle [Vinyl][Re-Release]

PINK FLOYD: Meddle [Vinyl][Re-Release]

Als Fan kann man nur dankbar sein, dass es nach so langer Zeit die frühen Scheiben von PINK FLOYD endlich wieder auf Vinyl gibt. Ist man alt genug, selbst viele der Originale im Plattenschrank zu haben und hat man nie aufgehört, lieber bewusst zu diesen zu greifen statt eben mal nebenbei zur CD, dann können die alten Platten endlich mal in Würde ruhen. Mit dem wirklich guten Remaster der 2011er Re-Releases auf Basis der Originalbänder und dem unvergleichlichen Feeling, Musik beim Auspacken und Auflegen der Platte spüren zu können, sind es gerade Alben wie Meddle, die einen sowohl in alte Zeiten zurückbeamt als auch zeigt, dass gute Musik ewig jung bleibt. Für PINK FLOYD war Meddle ein Schritt nach vorn in ihre zukünftige Richtung, das sagt die Band selbst. Und vergleicht man den Fortschritt als Musiker und Songwriter nach nur einem Jahr nach Atom Head Mother, dann haben die Herren definitiv Recht.

One Of These Days, den sich stetig weiter aufbauende instrumentale Opener, kennt wohl jeder, egal ob von Zusammenstellungen oder Live-CDs. Gitarrist Gilmour greift zusätzlich zum Bass, was noch mehr Fülle gibt und einen Sog aufbaut, der einen in beste Zuhörstimmung versetzt. Das nimmt man gerne an, A Pillow Of Winds kommt sehr ruhig, folkig und sentimental, bringt ganz andere Vibes als bisher von PINK FLOYD gewohnt. Fearless kommt ebenso ruhig daher, wird aufgemischt vom Fangesang des FC Liverpool. Das beswingt jazzende San Tropez bietet eine neue Klangfarbe, welche Laune die Band dazu gebracht hat, einen Blues dem Hund Seamus des befreundeten Musikers Steve Marriott (HUMPLE PIE, SMALL FACES) zu widmen und mit dem Jaulen eben eines Hundes, vielleicht sogar Seamus selbst, zu unterlegen, die Herren waren also längst nicht mehr so verkopft und hatten Lust, Humor zu zeigen. Der Mittelpunkt des Albums ist aber Echoes, welcher mit über 23 Minuten die zweite Seite füllt. Anders als beim Titelsong von Atom Head Mother hat man hier nicht das Gefühl, viele zusammengeschobene Teile zu hören. Der Song baut sich stimmig immer weiter auf, der pumpende Bass baut einen hypnotischen Groove, die spinnigen Passagen, durch oft unlogische und daher erfolgreich krasse Spielereien mit Effekten und Geräten erzeugt, wirken als Teil des Gesamtwerks. Wenn der Song zum Ende hin noch mal Energie aufbaut, dann hört und weiß man, dass die Vergangenheit mit Bandgründer Syd Barrett endgültig abgeschlossen ist und die Band mit dem immer präsenter werdenden David Gilmour ihren Kurs Richtung Zukunft gefunden hat. Für mich persönlich ist Echoes das erste große Meisterwerk der Band, egal wie gut und Wegweisend sie vorher waren. Fantastische Gitarren mit tollem Sound, toller Gesang, hypnotische Musik, das Psychedelische der Anfangstage auf ein stimmiges Maß angepasst, jeder Zuhörer baut seine ganz eigenen Bilder vor dem inneren Auge auf. Echoes ist ein Werk für den Kopfhörer, und wenn schon über die Anlage, dann bitte richtig laut, auch die Nachbarn wollen abheben! Da hilft der neue, im Vergleich zum ´94er Remaster nochmals differenziertere Sound, der hier nicht so aufgeblasen wirkt wie auf der genannten Neuauflage. Die hat allerdings ein Booklet mit den Texten, der neue Vinyl-Release verzichtet darauf.

Allein wegen Echoes muss man Meddle haben, keine Frage! Für mich das bisher in sich stimmigste Album von PINK FLOYD, das zudem aufzeigt, dass die Band uns noch viel mehr bieten wird. Mag man offen lassen, ob die ersten Alben von PINK FLOYD abseits von Fans und Psychedelic-Freaks in jeder Rocksammlung stehen müssen, Meddle ist Pflicht, für jeden Rockfan, für FLOYDianer auch endlich wieder in dieser Form als LP mit richtig gutem Sound.

Veröffentlichungstermin: 23.09.2016

Spielzeit: 46:33 Min.

Line-Up:
David Gilmour – Gitarre, Gesang
Roger Waters – Bass, Gesang
Richard Wright – Orgel, Piano, Melotron, Gesang
Nick Mason – Schlagzeug, Percussion

Label: Pink Floyd Records / Warner Music

Homepage: http://www.pinkfloyd.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/pinkfloyd

Tracklist:
1. One of These Days
2. A Pillow Of Winds
3. Fearless
4. San Tropez
5. Seamus
6. Echoes

Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!