PATRICK RONDAT: Amphibia

PATRICK RONDAT: Amphibia

Musik zu hören, ohne ihren Namen zu kennen, kann manchmal ein großes Glück sein. So fiel mir, als ich die ersten Takte dieser bemerkenswerten Kompositionen hörte, gar nicht auf, dass es sich bei Amphibia um das Soloalbum von Patrick Rondat handelt. Nun habe ich wahrlich keine Vorurteile gegenüber Soloalben, aber ob ich mir das Soloalbum des ELEGY-Gitarristen willentlich zum Hören ausgesucht hätte, ist doch fraglich. So geschah es jedoch, dass ich mir weiter auch nicht bewusst war, dass ich es hier mit einem Gitarristen-Solowerk zu tun habe. Das ist ein ausgesprochenes Lob für ein Album dieser Gattung.

Sicher, bei akademischer Betrachtung ist natürlich zu erkennen, dass die Gitarre in Amphibia im Vordergrund steht. Spätestens natürlich beim Vivaldi Tribute ist diese Tatsache nicht mehr zu leugnen. Das ändert aber auch nichts daran, dass solche Klassik Umsetzungen besonderen Respekt verdienen. Gerade die Dynamik und das Spiel mit den Schwellen zeichnet diese Musik aus und Patrick Rondat zeigt durchaus Ansätze, diese Feinheiten neben den puren Noten auf ein anderes Instrument zu übertragen. Im Gegensatz dazu kann bei dem sechsteiligen Amphibia keine Rede von Gitarrendominanz sein. Part 1 eröffnet mit atmosphärischen Klängen und einigen an die Westerngitarre angelehnte Strings. Das sind ganz eindeutig die Einflüsse von Jean-Michel Jarre, dem französischen Soundmagier, mit dem Patrick Rondat nicht nur bereits auf einer Bühne stand, sondern der dieses Album sogar produziert. Mit Part 2 folgen dann sechseinhalb sehr kurzweilige Minuten. Rockige Riffs läuten den Track ein, der sich langsam mit einigen Leads steigert und sich dann erstmal wieder beruhigt. Kurz vor der ruhigen Passage folgt dann das Hauptthema des Songs, ein schönes Riff, das alleine aufgrund seiner Ohrhaftung diesen Status erhält. Danach steigert sich der Song wieder mit einem Solo und klingt dann atmosphärisch aus, um den ambient gestalteten dritten Part einzuläuten. Die lauten Klänge von Part 4 setzen dann die stetige Gegenbewegung von stürmischen und entspannten Abschnitten fort. Als weiterer Höhepunkt erklingt dann mit Part 5 ein Piano/Gitarren-Duett, das durchaus stellenweise an …An Evening With John Petrucci And Jordan Rudess erinnert, aber niemals deren ausladenden Ausmaße erreicht. Part 6 ist das Grand-Finale, in dem sich schöne Themen die Klinke in die Hand geben. Dieser Sechsteiler darf durchaus als der Album definierende Teil angesehen werden. Daneben können allerdings auch das gelöste, rockige Dreamstreet sowie das sehr deutlich 80er beeinflusste Shattered Chains überzeugen. Mit Equinoxe IV interpretiert Rondat sogar noch einen Jarre-Klassiker.

Jetzt ist berechtigterweise die Frage zu stellen, was ein Patrick Rondat anders macht, als viele andere Gitarristen, die mit ihren Soloalben für den kasualen Hörer doch weit über das Ziel hinausschießen. Die Intension, ein spannendes Album zu veröffentlichen, sollte man niemandem absprechen, aber Patrick Rondat befolgt tatsächlich einige einfache Grundsätze, die ihn gegenüber Anderen in dieser Hinsicht zumindest zu einem Teilerfolg führen. Zum einen sind da die Synthies zu nennen, die wie Leim zwischen den einzelnen Arrangements kleben. Außerdem bewegt sich fast das gesamte Album in einem sehr angenehmen, mittleren Tempo, welches aber durch die vorhandene Dynamik nicht in Monotonie verfällt. Nur selten werden die Arrangements schnell, hektisch oder gar chaotisch. Damit ist auch ausgeschlossen, dass eine Informationsüberflutung entsteht. Wenn diese überhaupt entsteht, dann durch einige anspruchsvolle Arrangements, die sich natürlich – wie die ganze Platte – doch an die progressive Hörerschaft richtet. Am Ende lässt sich feststellen, dass Amphibia ein sphärisches Instrumentalalbum geworden ist, in dem Rondat seine eigene musikalische Identität zwischen ELEGY und Jean-Michel Jarre darstellt.

Veröffentlichungstermin: 20.04.1998

Spielzeit: 55:46 Min.

Line-Up:
Patrick Rondat – Guitars

Tommy Aldridge – Drums

Produziert von Jean-Michel Jarre
Label: InsideOut Music

Homepage: http://www.rondat.com/

Tracklist:
01 Amphibia Part 1

02 Amphibia Part 2

03 Amphibia Part 3

04 Amphibia Part 4

05 Amphibia Part 5

06 Amphibia Part 6

08 Vivaldi Tribute

09 Dreamstreet

10 Backhand

11 Shattered Chains

12 Equinoxe IV

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