PARADISE LOST: Paradise Lost

PARADISE LOST: Paradise Lost

Alchemie – die Suche nach dem Stein der Weisen, der Versuch, mit teilweise äußerst spektakulären wie fragwürdigen Methoden aus minderwertigeren Stoffen Gold herzustellen. Von vielen wurde sie als Humbug und Hokuspokus verspottet, oft zurecht. Doch PARADISE LOST beweisen es auch dem letzten verkopften Naturwissenschaftler: Es gibt sie und sie funktioniert. Nachzuhören war dies bereits auf Gothic, das die für unverträglich gehaltenen Zutaten Metalriffs und Deathgrowls einerseits sowie klassische Elemente und Frauengesang andererseits dermaßen haltbar miteinander verschweißte, dass ein komplettes Genre daraus entstand, das heute in verschiedensten Varianten große Erfolge feiert. Gothic versprühte eine derart magische Atmosphäre, dass der Verdacht nahe lag, hier ginge es nicht mit rechten Mitteln zu, so ergreifend war die allumfassende Trauerstimmung des Albums.

Eine solche Leistung ist der riesigen Menge der durchschnittlichen Epigonen auf ewig verwehrt, und jede Band, der ein solcher Meilenstein gelingt, könnte sich fortan auf den Lorbeeren ausruhen. Doch PARADISE LOST gaben keine Ruhe und feilten auf den folgenden Alben weiter an vorderster Front an der Ausdefinierung der aufgetanen Klangwelten, um dann, als sie das Gefühl hatten, alles gesagt zu haben, was es zum Gothic Metal zu sagen gab, erfanden sie sich mit Host schlicht und einfach nochmals neu, wenngleich hier bei aller persönlicher Begeisterung für das beste DEPECHE MODE-Album, das DEPECHE MODE nie geschrieben haben, der wegweisende Schritt in unbekannte Gefilde fehlte.

Nach zwei eher mittelprächtigen Versuchen, an alte Glanzleistungen anzuknüpfen, stimmt auf dem treffend nach der Band aus Bradford benannten neuen Album die (Al)Chemie wieder. Welch eine Leistung, alle Elemente, die bislang die Herrren Mackintosh, Aedy, Edmondson und Holmes ein Stück des Weges begleitet hatten, nun auf einem ungemein homogenen, emotional ergreifenden Werk zusammenzuführen! Genau dies gelingt PARADISE LOST nämlich. Alle sind sie gekommen: die unzähligen leidenschaftlichen Melodien von Gregor Mackintosh, der diesmal sogar die sonst so totgenudelte Pentatonik streckenweise hinter sich lässt für exotische und doch typisch finstere Parts à la Sun Fading, die souveränen, charismatischen Hooklines, die Nick Holmes stets mit einem Hauch britischem Understatement von der Leine lässt, die spartanisch, aber zielsicher eingesetzten Synthies, die den Tracks zusätzliche Tiefe verleihen, die treibenden, simplen Riffs von Aaron Aedy, die zusammen mit Bass und Drums für ein metallisches Fundament der Extraklasse sorgen und erst gar keine Weinerlichkeit aufkommen lassen. Hier heulen keine kleinen Jungs und Mädels, hier leiden echte Männer, hier verzweifeln sie an der menschlichen Existenz, hier besingen sie illusionslos die wahren Tiefpunkte im Leben. Dramatik und Melancholie, grenzenlose Enttäuschung und verbissen daraus geschöpfte Energie, sie alle kommen auf Paradise Lost zum Ausdruck, und zwar dermaßen mitreißend, dass 90 Prozent der Konkurrenz dagegen wie die letzten Heulsusen wirken. Das Faszinierendste an den zwölf durch die Bank grandiosen Songs ist vielleicht, dass man zugleich das Gefühl hat, alte Bekannte zu treffen, und doch zu keinem Zeitpunkt der Eindruck aufkommt, dass hier lediglich bewährte Zutaten neu aufgewärmt werden. PARADISE LOST ist es gelungen: Sie haben mit weltlichen Zutaten einen überirdischen Prozess in Gang gesetzt und pures musikalisches Gold fabriziert!

Veröffentlichungstermin: 28.02.2005

Spielzeit: 47:04 Min.

Line-Up:
Nick Holmes – Gesang

Greg Mackintosh – Gitarre

Aaron Aedy – Gitarre

Steve Edmondson – Bass

Produziert von Rhys Fulber
Label: GUN/BMG

Homepage: http://www.paradiselost.co.uk

Tracklist:
Don´t Belong

Close Your Eyes

Grey

Redshift

Forever after

Sun Fading

Laws of Cause

All You Leave behind

Accept the Pain

Shine

Spirit

Over the Madness

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