ONEIROGEN: Kiasma

ONEIROGEN: Kiasma

Da wagen sich DENOVALI wieder auf die gemeine, finstere Seite. ONEIROGEN konnten schon live mit einer dunklen Melange aus Drone und Ambient überzeugen, die pulsierenden, finsteren und doch irgendwie beruhigenden Gitarrenexperimente des New Yorkers Mario Diaz de Leon gleichen einem Spaziergang durch eine surreale nächtliche Welt – egal ob live oder in der heimischen Anlage. Sein neues Album Kiasma ist allerdings nicht permanent in unbeschreiblichen Lautstärkegefilden beheimatet, sondern hat schöne Dynamiksprünge parat. Die Musik von ONEIROGEN baut sich auf, bricht zusammen, schwebt, pirscht sich heran, überwältigt, lockert den Griff, hat hier und da ein paar Längen, erlebt schließlich aber immer wieder kleine Höhepunkte. Kiasma ist durchaus von SUNN o))) beeinflusst, stilistisch bewegen sich ONEIROGEN oft in der Nähe von Black 1, allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Kalte, bizarre Elemente aus Black Metal und Doom Death schleichen sich ein, Industrial ist zu spüren, dann wird es wieder sehr ruhig und lässt an STEVE MOOREs Soloarbeiten denken.

Kiasma ist nicht unbedingt extrem spannend, nicht wahnsinnig intensiv, aber ONEIROGEN wissen, wann sie ihre Trümpfe ausspielen müssen. Numina wird zu Beginn gleich sehr episch und wuchtig, immer wieder erheben sich tief gestimmte, herbe Gitarren, die von Sci-Fi-Synthesizern untermalt werden. Das kann natürlich zur Geduldsprobe werden, ONEIROGEN haben aber ein recht sicheres Händchen dafür, die Musik wirken zu lassen. Kiasma wirkt bitter und brutal, wenn sich der derbe Extrem Metal-Gesang im Hintergrund dazu gesellt, wie in Gauze und Mortisomnia. Gleichzeitig kann diese surreale Drone-Welt auch tröstlich und poetisch wirken, das zeigt Katabasis in seinen knapp fünfzehn Minuten sehr eindringlich. Die hervorragend gewählten Sounds, das große Gesamtbild von tiefschwarz dröhnend über dissonant lärmend bis hin zu melancholisch und hell – übrigens oftmals übereinander geschichtet – sorgt für eine komplexe Soundwand, die man mit Freude zerpflückt, und die auch öfter als nur einmal Freude bereitet. Der Name ONEIROGEN, was so viel wie traumerzeugend bedeutet, kommt nicht von ungefähr: Kiasma hat das Potenzial Drone-Puristen, Ambient-Hörern und einem gewissen Teil des Doom- und Black Metal-Publikums gleichermaßen in eine unheimliche Traumwelt zu entführen.

Veröffentlichungstermin: 22. Februar 2013

Spielzeit: 50:03 Min.

Line-Up:
Mario Diaz de Leon – Guitar, Synths, Electronics, Voice

Produziert von ONEIROGEN
Label: Denovali Records

Homepage: http://www.oneirogen.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/pages/ONEIROGEN/456676464346234

Tracklist:
1. Numina
2. Pathogen
3. Mutilation
4. Imminence
5. Katabasis
6. Gauze
7. Mortisomina

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