NECROS CHRISTOS: Doom Of The Occult

NECROS CHRISTOS: Doom Of The Occult

Die schwarzen Geister der verschiedensten Kulturkreise sammeln sich und beschwören das Böse herauf… Auch wenn du jetzt ob des tiefen Griffs in die Klischeekiste gähnst, solltest du lieber weiter lesen. NECROS CHRISTOS aus Berlin haben ganze dreiundzwanzig Zaubersprüche parat, die dir locker die nächste Heuschreckenplage ins Haus holt. Doom-Death der allerbösesten Sorte gibt es in diesen knapp fünfundsiebzig Minuten zu hören, das sich wie ein schwarzes Leichentuch schwer über deine arme kleine Welt legt. Als wären ganz frühe DARKTHRONE, der Urschleim von MY DYING BRIDE, BOLT THROWER und ATROCITYs Todessehnsucht zu einer unförmigen Masse verschmolzen, poltern NECROS CHRISTOS auf Doom Of The Occult mit der Durchschlagskraft der frühen Neunziger durch ihre Songs und geben sich mal etwas epischer und ausladender und mal deutlich wilder und brutaler, morbide bleibt es dabei aber durchgehend.

So gesehen ist es nicht schwierig, NECROS CHRISTOS zu folgen. Die Songs haben massive Riffs mit genügend Wiedererkennungswert, das Drumming drückt und presst dich gegen die Wand, das Gebrüll ist kehlig, finster und beschwörend. Was daraus entsteht ist zwar bisweilen kompaktes Songmaterial, teilweise erschaffen die Berliner mit Doom Of Kali Maa – Pyramid Of Shakti Love – Flame Of Master Shiva, Visceras Of The Embalmed Deceased und Descending Into The Kinly Tomba aber auch monolithische, pechschwarze Epen. Jetzt klingt das alles wie ein buntes Sammelsurium der wildesten Klischees, die du dir vorstellen kannst, aber NECROS CHRISTOS erschaffen eine wirklich undurchdringlich finstere Atmosphäre, haben ein gutes Händchen dafür, die Essenz der Songs einzufangen und daraus ungeheuerlich packende, intensive Stücke zu schreiben.

Nun, was haben die bösen Geister der verschiedensten Kulturkreise damit zu tun? Finsterer Doom-Death Metal mit einer leichten Black Metal-Schlagseite ist nur die eine Seite der Medaille von NECROS CHRISTOS. Dazu kommen außerdem meist kurze Interludes, betitelt mit Temple und Gate – ersteres sind sakral klingende Kirchenorgeln, horrorfilmartige, atmosphärische Zwischenstücke, nicht wirklich originell, aber passend. Anders wird es bei den Gate-Stücken, die orientalisch, sehr authentisch klingende Kompositionen aus der Feder von Gitarrist und Sänger Mors Dalos Ra, die nicht selten über vier Minuten lang dauern und dich in eine unheilvolle Welt eintauchen lassen. Dass hier von vielen sofort Parallelen zu NILE und KARL SANDERS gezogen werden, ist nicht überraschend, aber angesichts der vielen guten, verarbeiteten Ideen auch ungerechtfertigt, denn das ist mehr als ein plumpes Plagiat.

Doom Of The Occult ist ein monströses, bösartiges Album, das anfangs durch die drei verschiedenen Eckpunkte konfus wirkt, sich aber nach und nach erschließt. NECROS CHRISTOS bieten einen unheimlichen, finsteren, gnadenlosen Episodenfilm zum Hören, der in den verschiedensten Regionen der Welt spielt und überall – hier sind wir wieder bei der Einleitung – das Böse herausfordert und beschwört. Wer im Death Metal Atmosphäre und Morbidität für essentiell erachtet und überdurchschnittliche technische Fähigkeiten nicht braucht, aber stattdessen einen guten, komplexen Song genießen will, der muss hier zugreifen. NECROS CHRISTOS haben mit ihrem rau und heavy produziertem Album einen echten Geheimtipp für Fans des Genres parat. Die NECROS und ich, ich glaube wir zwei werden noch viele Stunden nach Mitternacht miteinander verbringen.

Veröffentlichungstermin: 11. März 2011

Spielzeit: 72:57 Min.

Line-Up:

Mors Dalos Ra – Vocals, Guitars
The Evil N. – Guitars
Black Shepherd Ov Doom – Bass
Mister Raelin – Drums

Label: Ván Records

Homepage: http://www.darknessdamnationdeath.com/

Tracklist:

1. Temple I
2. Baal Of Ekron
3. Temple II
4. Hathor Of Dendera
5. Gate 1
6. Temple III
7. Necromatique Nun
8. Temple IV
9. Invoked From Carrion Slumber
10. Gate 2
11. Temple IX.99
12. Doom Of Kali Maa – Pyramid Of Shakti Love – Flame Of Master Shiva
13. Gate 3
14. Temple V
15. Succumbed To Sarkum Phagum
16. Temple VI
17. Visceras Of The Embalmed Deceased
18. Gate 4
19. Temple VII
20. The Pharaonic Dead
21. Temple VIII
22. Descending Into The Kinly Tomba
23. Gate 5