NAP: Villa

NAP: Villa

Oldenburg, bisher hab ich da immer an ein unvergessliches Wochenende 2015 gedacht in einem netten Studio dort in einem imposanten Musikschulhaus voll mit edlen Instrumenten und einer tollen Atmosphäre. Aber wir eingepfercht dort am heißesten Wochenende des Jahres, die Luft zum Schneiden dick wie eine undurchdringliche Wand, 37Grad, feucht wie die Nase eines Bergtroll, durchdrehende Mitmusiker, matschiges Futter bei einem gar nicht so leckeren Mexikaner, Kaltgetränke, die nach fünf Minuten schmeckten wie lauwarmer Tee. Einzelschicksale in Doom! Aber dieses Trauma weiß das dort ansässige Trio NAP endlich beiseitezuschieben, die ansonsten recht knuffige Universitätsstadt steht nun bei mir auch für eben diese Band und nicht mehr nur für den bisherigen Summertime Blues. Dabei ist das Debütalbum „Villa“ gar nicht sooo frisch,wurde es doch bereits im letzten Sommer schon mal als kleine Eigenauflage verteilt. Wie es das Schicksal so will landete dies in den richtigen Händen, mit überarbeitetem Sound legen Noisolution das Album nochmals nach und beweisen damit ein gutes Händchen. Denn was wir hier geboten kriegen, das macht unfassbar viel Spaß!

Dass die Band die Songs selbst im Proberaum aufgenommen hat, das merkt man an der unverkrampften Frische, die da aus den Boxen rollt, aber kaum am Sound. Der ist knarzig und ehrlich, klingt nach Band und nicht wie so oft nach im Studio nachgebautem Retrosound. Und in Zeiten, wo Heavy Psych Rock schon eine ausgetretene Schublade ist, zeigen die drei Jungs ganz entspannt, wie sowas zu klingen hat. „Donnerwetter“ als Auftakt wabbert anfangs etwas spacig auf uns zu, um dann, nun ja, mit einem fetten Unwetter über uns her zu rollen. Das Trio baut eine Wand auf, wie – na ja, siehe oben – und malt instrumental Bilder von schwarze Wolken, beängstigenden Blitzen und dem garstigen Grollen eines monströsen Gewitters. Gitarre und Bass kommen furztrocken durch den Fuzz gejagt, das Schlagzeug Punktgenau und angenehm verspielt, die Verehrung für die ganz frühen BLACK SABBATH kommt immer wieder durch. Deutlich energischer „Sabacia“, das immer wieder doomig einbricht, ansonsten aber ordentlich Popo tritt. Auch hier kommen vor allem bei der durchs Wahwah gejagten Gitarre Erinnerungen durch an „Black Sabbath„, die große Mutter des Doom. Etwas neuzeitiger gedacht ist auch alles da, was man als Stoner-Freak braucht oder als Post Rock-Fan. Psychedelisch wird es an allen Ecken, progressiv im ursprünglichen Sinne, wenn man die stimmigen Drehungen und Wendungen sieht. Wo aber viele namhafte Kollegen aus dem immer größer werdenden Club der Instrumentalbands gern mal kopflastig rüber kommen, finden hier die Ideen ganz selbstverständlich zueinander, sind klar durchdacht, wirken aber immer auch angenehm naiv im positiven Sinne und jeder bekommt ausreichend Raum, sich aus der Soundwand nach vorn zu drücken. Dabei klauen NAP auch nur bei den üblichen Helden, das aber so locker und mit spürbarer Spielfreude, dass es ein Fest ist. Wenn „Duna“ mal nach typischen Maryland-Doom-Bands klingt, „Larva“ sowieso, Doomer zwingt der Song geradezu, das lahme Tanzbein zu schwingen. Die kurzen Vocals erinnern wie bei den wenigen anderen an den irren Bobby Liebling (PENTAGRAM) und setzen perfekte Akzente. „Xurf“ mit seinem herrlichen 60ties-Drive, haltet mich für bekloppt, ich muss da immer an das tolle PC-Spiel „No One Lives Forever“ um Agentin Cate Archer denken… „Shitzo“ kommt herrlich krank, eine Prise DOORS trifft auf „Black Sabbath“.  Wieder deutlich treibener das „Ungeheuer“ mit funky fluffigem HENDRIX-Part und ganz viel … ihr wisst schon. Der kranke Gesangsteil, wieder irrer Bobby Liebling, Doom pur wie ihn heute kaum noch Doombands spielen. Was für ein Kontrast das abschließende „Autobahn“, wie ein Trip nachts über viel befahrene Autobahnen am Bremer Kreuz, nur der Film läuft doppelt so schnell, eine irre Reise!

Man merkt es vielleicht, ich bin absolut begeistert! „Villa“ macht so viel Spaß, wird auch nach zahllosen Durchgängen niemals langweilig, obwohl es absolut nichts neues zu hören gibt, ich bin entzückt! Dazu der ehrliche Sound – genau so dürfte die Band auch live klingen – und die transportierte Spielfreude, besser kann man Heavy Psych Rock nicht machen! Beängstigend, wie hoch sich die Band die Messlatte für neues selbst gesetzt hat, und da steht ja bereits eine Split-Scheibe an. Bis dahin wird sich das Debüt sicher im Player festsetzen wie bei manchen Leuten die Erinnerung an heiße Tage in Oldenburg. Wer irgendwo im Pool aus Doom, Stoner, Retro, Psychedelic/Kraut, Instrumental-sonstwas unterwegs ist sollte sich „Villa“ sichern. Der frühe Vogel… denn NAP werden, wenn sie alles richtig machen und nicht verheizt werden,  die entsprechende Szene ordentlich aufmischen!

Bestellen kann man „Villa“ am besten direkt beim Label.

VÖ: 03.03.2017
Spielzeit: 43:06

Lineup:
Ruphus – Guitar, Vocals
Hemme – Drums
Daniel Pi – Bass

Produziert: NAP
Label: Noisolution

Website: https://napofficial.bandcamp.com/album/villa

Tracklist:
1. Donnerwetter
2. Sabacia
3. Duna
4. Larva
5. Xurf
6. Shitzo
7. Ungeheuer
8. Autobahn

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Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!