MUTANT REAVERS: Secrets of the Cyborg Crypt

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Warum aus dem freundlichen Subgenre HorrorPunk nie so recht etwas geworden ist, darüber würde ich gerne mal einen Abend lang in launiger Runde am Kaminfeuer bei Rotwein und einem Eimer heißer Hähnchenschenkel (deren abgenagte Knochen wir dann genüsslich ins Feuer schmeißen) diskutieren, nerden und klugscheißen. Die Idee, die unter anderem Paddy von Fiendforce Records kurz nach der Jahrtausendwende hatte, nämlich unter dem Erbe der mächtigen MISFITS einen Hybriden aus Punk, Metal und Gothic als eigenes Subgenre heranzuziehen, hat leider nicht funktioniert. Eine schicke Idee, die an der Engstirnigkeit der einzelnen Szenen gescheitert ist. Oder wasweißich an wem oder was.

HorrorPunk: mausetot?

Heute ist der HorrorPunk bei Lichte betrachtet mausetot, was ihm wahrscheinlich ganz entgegenkommt. Von Zeit zu Zeit schält sich jedoch immer mal wieder ein Kadaver aus einem feuchten Grab und zuckt schmatzend Richtung Innenstadt – ein einsamer Walker, der nicht weiter kommen wird als bis zur nächsten Ecke, der uns aber daran erinnert, dass da mal was war, was ganz interessant hätte werden können.

MUTANT REAVERS halten die HorrorPunk-Fahne hoch

Oli Wonka (Gesang), Doom van Dan (Gitarre), Necrola (Bass) und Dr. Mo (Schlagzeug) halten die HorrorPunk-Fahne im schönen Kiel hoch, und allein dafür fliegen ihnen meine gesammelten Sympathien zu. Ihre Kapelle heißt MUTANT REAVERS und existiert seit 2015. „Secrets Of The Cyborg Crypt“ ist das dritte Lebenszeichen auf Tonträger. Auf dem findet sich grundguter, sehr fan-iger HorrorPunk, in dem es – Überraschung – um den einschlägigen Horror- und Science Fiction-Krempel, um B-Movies, die Popkultur der 80er und 90er Jahre („Firefly“ anyone?), intergalaktische Banditen und Zombies from Outer Space geht. Gefühlt haben die Musiker in ihrer Jugend mehr SLAYER und METALLICA als BLACK FLAG und die DEAD KENNEDYS oder auch die SISTERS OF MERCY gehört, was ja okay ist – bekanntlich führen alle Wege nach Downtown-Babylon.

Die Band legt all ihr Herzblut in Ton und Optik

Viel wichtiger ist, dass sich die vier Ghouls um musikalische Vielseitigkeit bemühen und all ihr Herzblut in Ton und Optik legen, dass es einem alten Cryptkeeper wie mir die längst zu Stein gewordene Pumpe rührt. Stilistische Vergleiche mit den THE CRIMSON GHOSTS liegen auf der Hand, tatsächlich wurde „Secrets Of The Cyborg Crypt“ im hauseigenen Casket Garden Studio der Kölner Wölfe eingespielt.

Aber auch sonst lassen die Nordlicher nix anbrennen. Kiels Trashfilm-Prophet Peter Ahlers („Skatecop“) hat einen launigen Videoclip zu der Nummer „Give Me Back My Holotape“ gedreht, es gibt auch ein begleitendes Hörspiel zu der Platte – womit die MUTANT REAVERS in meiner Welt endgültig gewonnen haben. Würden die Typen live in meiner Stadt spielen, ich tät sie mir sofort angucken und dazu schön ein paar Spacebräu („Plutonium free!“) trinken. Und ich bin mir sicher: Es würde ein feiner Abend werden.

Veröffentlichung: 2018

Label: Eigenproduktion

Mehr im Netz:

mutantreavers.com

facebook.com/mutantreavers

MUTANT REAVERS: Secrets of the Cyborg Crypt Tracklist

Intro 0:36
Mother Of The Morlocks 2:24
Terror In Tentacle Bay 2:56
Give Me Back My Holotpae 3:15
Ballad Of Bethany 4:13
History Of The Hatchet 2:41
Trap City 1:55
Vengeance On Wheels 2:15

Besetzung

Oli Wonka (Gesang)
Doom van Dan (Gitarre)
Necrola (Bass)
Dr. Mo (Schlagzeug)

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