MEMORIAM: For The Fallen

MEMORIAM: For The Fallen

Der 14. September 2015 war ein trauriger Tag für die BOLT THROWER, die Death Metal-Szene als Ganzes und natürlich vor allem für die Familie und Freunde von Martin “Kiddie” Kearns. Mit nur 38 Jahren starb der Schlagzeuger an diesem Tag völlig unerwartet. Exakt ein Jahr später gaben BOLT THROWER bekannt, dass der Drumhocker nicht neu besetzt wird, die Band sich also auflösen wird. Schade, aber letztendlich genauso konsequent wie es BOLT THROWER immer waren.

Nicht lange darauf wurde bekannt, dass Sänger Karl Willets sich mit dem ehemaligen BOLT THROWER-Drummer Andy Whale, der bis 1994 in Diensten der britischen Legende stand, sowie dem BENEDICTION-Bassisten Frank Healy und deren aktuellem Live-Gitarristen Scott Fairfax zusammen getan hatte. MEMORIAM wurde das Projekt getauft und sollte explizit als Ventil für die Trauerbewältigung dienen. Healy verlor kurz nach Kearns´ Tod seinen Vater.

Natürlich kommen vor allem durch Karl Willets´ Gesang Parallelen zu BOLT THROWER auf. Aber auch Andy Whale´s Drumming erinnert sofort an seinen Ex-Arbeitgeber. Auch Frank Healys Hauptband BENEDICTION hört man raus. Der Titelsong und Opener ist ein kurzes, schleppendes Stück mit Harmonien, die klar an BOLT THROWER erinnern. Textlich ist „Memoriam“ ein sehr schöner Nachruf auf die Toten.

With hearts and eyes that fill
How constantly we think of you
The love in life we had for you
In death grows stronger still
Let the winds of time blow softly
Bells toll for all to hear
Gone but not forgotten
Throughout the passing years.

„War Rages On“ beginnt mit einem gesprochen Intro, in welchem ein Teil der Rede von Premierminister Arthur Neville Chamberlain zum Eintritt Großbritanniens in den 2. Weltkrieg verwendet wird.  …a state of war would exist between us. I have to tell you now that no such undertaking has been received, and that consequently this country is at war..

“Reduced To Zero“ beginnt wieder mit einem schleppenden, deutlich BOLT THROWER inspirierten Part, bevor dann das irgendwie maschinell, stur klingende Hauptriff einsetzt. “Corrupted System” ist ein rotziger Death Metal/Punk-Bastard, der im BENEDICTION-Kosmos wildert. Sowohl das über sieben Minuten lange, langsam aber unaufhaltsam walzende „Flatline“ als auch „Surrounded By Death“ erinnern wiederum an BOLT THROWER. Letzterer Song hätte größtenteils so auch auf „Mercenary“ stehen können und gehört zusammen mit „War Rages On“ und dem Groove-Monster „Resistance“ zu meinen Favoriten auf „For The Fallen“.

Immer wieder mal werden Samples oder Soundeffekte benutzt, sei es die Chamberlain-Rede, das Rauschen am Ende von „Corrupted System“ oder eben Kriegsgeräusche, wie  Schüsse, Explosionen und so weiter. Aber diese Effekte werden mit Bedacht eingesetzt, um die Songs nicht zu überladen klingen zu lassen. Einige der Songs hätten ein wenig Straffung vertragen können, ansonsten leisten sich MEMORIAM auf ihrem Debütalbum keine Schwächen und liefern sehr gute Arbeit ab.

Bei aller Vorfreude und allen Vorschusslorbeeren, muss ich allerdings auch sagen, dass „For The Fallen“ in meinen Augen eben „nur“ ein gutes, kein herausragendes Album ist. Das Album hat absolut herausragende Momente, aber eben auch ein paar Längen. An die Großtaten von BOLT THROWER oder auch den letzten Killer aus dem Hause BENEDICTION kommen die Herren hier nicht ran. Das Cover von Altmeister Dan Seagrave ist allerdings fantastisch und meiner Meinung nach eine seiner besten Arbeiten. Alles in allem bleibt ein starkes Death Metal-Album, welches man als Genre-Fan und vor allem als Anhänger der involvierten Musiker gehört haben sollte.

VÖ: 24.03.2017

Spielzeit: 43:40

Line Up:
Karl Willets – vocals
Scott Fairfax – guitars
Frank Healy – bass
Andy Whale – drums

Produziert von: Ajeet Gill @Hellfore Studios

Label: Nuclear Blast

Bandhomepage: http://www.memoriam.uk.com
Mehr im Netz: https://www.facebook.com/Memoriam2016

Tracklist:
01. Memoriam
02. War Rages On
03. Reduced To Zero
04. Corrupted System
05. Flatline
06. Surrounded By Death
07. Resistance
08. Last Words