MATHAN: Demo [Eigenproduktion]

MATHAN: Demo [Eigenproduktion]

Es gibt sie zum Glück, diese Bands, die einen gleichweg schmunzeln und leiden lassen, bei denen man nicht glaubt, dass sie es ernst meinen, und doch weiß man genau, dass es so ist. Und wenn man dann noch in einem Genre unterwegs ist, wo sich die Bands gern selber schrecklich ernst nehmen – nun ja, ich find es schön, wenn da Bands kommen, die irgendwie anders sind. Und da sind wir nun bei den Österreichern MATHAN, unterwegs seit 2014, nun also trudelt das erste Demo ein, mit dem sich die Wiener der Epic Doom-Gemeinde vorstellen möchten. Dieses wurde mal eben schnell – geht im Doom mal gar nicht – mit analogen Mitteln aufgenommen, allerdings bereits im Sommer 2016, das ist dann durchaus wieder Doom-kompatibles Tempo. Hier klingt wirklich alles nach Demo, aber als mehr verkaufen sie die auf 250 Stück limitierte Scheibe ja auch nicht. Die Verpackung ist simpel und sinnvoll, der Bandname Programm, schließlich hat man sich nach der Gälischen Bezeichnung für den Bären benannt – und relativiert dies wieder mit einem fast knuffigen Coverartwork. Kriegerisch (sinnbildlich der Bär bei den alten Schotten) oder gar bedrohlich ist irgendwie anders, außer man hat sogar Angst vor Phuddle, dem lustigen Pan aus Mia And Me!

Zurück zu MATHAN: Sänger Stranger ist gar nicht so fremd, er bearbeitete das Mikro bereits bei der Doom-Band VORTIGAN (Griaß di Slayer!). Dass Gitarrist Christian Kulovics nebenbei auch in einer Death Metal-Band spielt, das hört man hier nicht heraus. Ute Hantsch, äh… Anacrute bedient die Drums ohne viel Schnickschnack und macht gerade deshalb eigentlich alles richtig. Und auch der Bass von DMR kommt sehr solide, darf sich auch mal im Sinne alter BLACK SABBATH nach vorne schieben und muss nicht schlicht der Gitarre folgen. Gitarrist Glau hat es dabei gar nicht so mit IOMMI-Sounds. Er ist unüberhörbar eher Freund von Gitarrenhelden der folgenden Doom-Generation. Sicher kennt er SOLITUDE AETURNUS, mag die ganz frühen CANDLEMASS, aber auch diverse US-Metal-Bands. Objektive Kritikfähigkeit verliert man dann ganz als Schreiberling, wenn man sich mit einem Schmunzeln an die eigenen Anfänge als Doomer erinnert fühlt. Echte Göttergitarren wie bei den Vorbildern gibt es natürlich nicht, aber wer das braucht, der greift eh zu den Originalen.

Ein echtes Original ist hingegen auch Sänger Stranger, je nach Geschmack einzig- oder eigenartig. Sein Gesang, der mir schon den Kontakt mit VORTIGAN schwer gemacht hat, wirkt hier noch extremer. Er leidet, ja, sehr sogar, man glaubt es ihm – und leidet durchaus selbst, wenn man dies alles zu ernst nimmt. Die hohen Kickser, das langgezogene hohe Gejaule, wer bei Kauz-Metal an so manchen Sonderling am Mikro denkt, der findet hier seinen Meister. Schön ist hier nichts, dafür ist es sehr eigen – sehr sehr sogar. Der schwarze Rabe auf der Schulter der bösen Hexe in gruseligen Animationsfilmen, vielleicht trifft das die Stimme, ist ja auch fast wieder doomig. Aber ganz ohne Scherz wird die Offenheit des Zuhörers über das Verständnis für diesen zentralen Punkt im Bandsound entscheiden.

Die Songs hingegen laden durchaus ein, in Erinnerungen zu schwelgen. Erst dezent zappelig, dann doomig leidend schleppend mit viel Gitarren der eher US-Metaligen Art wie beim Opener „Beorn“, womit wir wieder beim Bären wären. Dann dauert es doch nicht lange bis zur Erkenntnis, woran das Gesamtbild der Songs erinnert. Eine Portion ganz frühe SAINT VITUS bei „Father“ und „Monks“ macht sich breit, gezielt deren schleppenden Momente, ohne deren Dunkelheit zu erreichen. Die sonderbaren Kickser hingegen erreichen bei „Monks“ das Höchstmaß an Spaßigkeit, da hilft auch der erneute Ausflug der Gitarre Richtung US Metal nicht. Immerhin schaffen es MATHAN ungewollt, dass nun für später bereits LIEGE LORD und LEATHERWOLF vor dem Plattenspieler stehen. „Midnight“ (mit kurzer Verbeugung vor „Iron Man“) und „King Mountain“ hingegen klingen durchaus nach anderen regelmäßigen Besuchern auf dem heimischen Plattenspieler, an allen Ecken klingen CANDLEMASS mit „Epicus Doomicus Metallicus“ durch oder noch mehr der Vorgänger NEMESIS. Immer wieder wandern die Gedanken zu echten Doom-Klassikern wie „Demons Gate“ oder „Crystal Ball“. Natürlich treffen sie da die für mich richtigen Töne, ihre beiden Songs auseinander zu halten ist aber nicht so leicht. Trotzdem dürften MATHAN mit diesem Sound eher den Geschmack traditioneller Epic Doomer treffen, die ersten Songs wirken etwas ziellos oder uneinig. Aber vielleicht wollen sie sich gar nicht einig werden und machen einfach, worauf sie Bock haben. Und dass der Gesang ein entscheidender Knackpunkt ist, das wissen sie garantiert selbst. Mit passend episch erhabenem Gesang würden sich der Band sicher ganz andere Türen öffnen, so können sie sich zumindest selbst den Stempel „extremst kauzig“ aufdrücken.

MATHAN werden sicher nicht vorne mitmischen können im Epic Doom/Metal, dass dürfte jedem klar sein, der gern mal die Scheiben der unüberhörbaren Vorbilder hört oder auch neuere Bands wie BELOW und Co. Ein anderer Sänger? Dann wären es nicht mehr MATHAN, und so schlecht ist so eine Band nun auch nicht, die einen wenigstens mal – gewollt oder nicht – zum Schmunzeln bringt.

VÖ: Februar 2017

Spielzeit: 30:18

Lineup:
Vocals: Stranger
Guitars: Glau
Bass: DMR
Drums: Anacrute

Label: Eigenproduktion

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/mathan.doom

Tracklist:
1. Beorn
2. Father
3. Monks
4. Midnight
5. King Mountain

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!