MANTAR: The Modern Art Of Setting Ablaze

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Krach machen, Krawall machen, kaputt machen: Das können MANTAR! Das Duo hat sich in den knapp fünf Jahren seit dem Debüt „Death By Burning“ konstant gesteigert und was 2014 von MANTAR selbst noch als Schnittmenge aus DARKTHRONE, MOTÖRHEAD und den MELVINS bezeichnet wurde, ist inzwischen etwas ganz und gar Eigenständiges. Da steckt viel dreckiger Punk drin, rasender Black Metal, wuchtigster Sludge – zusammengeschmolzen zu einem Klumpen, der hier und da noch grobe Einschlüsse seiner Einzelelemente zeigt, im Ganzen aber unter seinen rauhen, unpolierten Oberfläche eine merkwürdig faszinierende Schönheit hat.

Schönheit im Chaos

Denn da, wo MANTAR sind, ist Zerstörung – mit erstaunlichen Folgen: Da hat alles, was zusammengehauen wurde, eine ganz eigene Form von Schönheit: wie zerborstenes Glas im Sonnenlicht oder – mal in der Tradition der MANTAR-Albumtitel gesprochen – ein loderndes, alles verzehrendes Feuer. Man glotzt wie hypnotisiert hin – und bei MANTAR hört man wie hypnotisiert hin. Nebenbei hören kann man „The Modern Art Of Setting Ablaze“ nicht. Die unfassbare Mischung aus mega-eingängigen Riffs und brutalster Wucht frisst sich wie eine Feuerwalze durch das Bewusstsein. Übrig bleibt Asche, eine der reinsten Substanzen der Welt. So sieht Katharsis aus!

„The Modern Art Of Setting Ablaze“ ist extrem und eingängig

Auf „The Modern Art Of Setting Ablaze“ ist kein Ton zu viel, die Songs sind reduziert auf das Maximum am Wut, Lärm, Schwärze und haben gleichzeitig eine erstaunliche Eingängigkeit – ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie MANTAR es schaffen, extremen Sound so zugänglich und wiedererkennbar zu machen. Vermutlich steckt in diesen Songs, die so rauh, spontan und improvisiert klingen, ein Arsch voll Arbeit und das Songwriting ist eher Qual als Fluss.

MANTAR prügeln, ohne primitiv zu sein

Erwähnenswert ist übrigens auch ihr absolut lesenswertes Statement zum Cover von „The Modern Art Of Settting Ablaze“ bei facebook. Das Cover zeigt das Kunstwerk „Der Lichtbringer“ in der Böttcherstraße in Bremen. Das Bronzerelief aus dem Jahr 1936 stammt vom Künstler Bernhard Hoetger, der aus seiner Verehrung für Adolf Hitler keinen Hehl machte. Auf die Geschichte und die Hintergründe des Reliefs wird in Bremen allerdings an keiner Stelle hingewiesen. MANTAR erklären unter anderem so, warum sie sich für dieses Artwork entschieden haben: „… Aber die Dummheit der Menschen scheint heutzutage unerschöpflich zu sein, also sind unsere Lyrics, genau wie das Artwork, sicher von unserer Zeit und dem politischen Klima beeinflusst. Das ist nicht nur ein deutsches Problem. Tatsache ist, dass überall in Europa, ziemlich überall auf der Welt, die Leute wieder anfangen, auf falsche Propheten hereinzufallen. Auf „starke“ Anführer mit „starken“ Meinungen…“

Und so bekommt einer der ganz heißen Anwärter auf das Album des Jahres gleich noch eine zusätzliche Dimension: „The Modern Art Of Setting Ablaze“ ist von vorne bis hinten ein sehr, sehr kluges Album.

Veröffentlichungstermin: 24. August 2018

Label: Nuclear Blast

Besetzung:
Hanno Klaenhardt – Vocals, Gitarre
Erinç Sakarya – Schlagzeug, Vocals

MANTAR „The Modern Art Of Setting Ablaze“ Tracklist

The Knowing
Age of the Absurd (Video bei YouTube)
Seek + Forget (Video bei YouTube)
Taurus (Audio bei YouTube)
Midgard Serpent (Seasons of Failure)
Dynasty of Nails
Eternal Return
Obey the Obscene
Anti Eternia
The Formation of Night
Teeth of the Sea
The Funeral

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...