MAIDAVALE: Tales Of The Wicked West

MAIDAVALE: Tales Of The Wicked West

Retro-Rock, klar: Schweden! Mit Sängerin, auch klar, denkt man auch schnell an die BLUES PILLS. Na und, kann MAIDAVALE egal sein! Als reine Frauen-Band heben sie sich schon Mal deutlich ab vom riesigen Pool der KollegInnen. 2012 im Norden der schönen Insel Gotland gegründet, will die Band nun von Stockholm aus die Welt erobern. Und das sollte wohl unvermeidbar sein, wenn die Ladies so eine coole Scheibe präsentieren. Dass es sich um 60er/70er Rock handeln muss, da lässt schon der Bandname keinen Zweifel aufkommen. in den legendären Maida Vale Studios in London wurden schließlich die zahllosen BBC Sessions aufgenommen, die uns fantastische Live-Mitschnitte all der Bands verewigten, ohne die es diese Musik gar nicht geben würde. Auch die Mädels von MAIDAVALE haben erst reichlich Liveerfahrung gesammelt, bevor sie im Studio Underjord in Norrköping ihr Debütalbum einspielten. Dort weiß man, wie eine Band echt klingt, das wissen wir nicht nur von Bands wie GRIFTEGARD, YEAR OF THE GOAT, OCEAN CHIEF, TOMBSTONES, NIGHT und vielen mehr. Aber die Musik machen immer noch die Mädels, und die nehmen einen sofort bei der Hand.

Mag man beim Auftakt vom Opener (If You Want The Smoke) Be The Fire noch kurz an UFO und ihr fantastisches Debüt denken, aber dann packen MAIDAVALE mit einem Killergroove zu, dem man sich sofort hingibt, gewürzt mit tollem Gitarrenspiel von Sofia und der hippiesk-bluesigen Stimme von Frontfrau Matilda. Wenn schon psychedelisch angehauchten bluesigen Retro-Rock, dann sehr gerne genau so! Witzig auch der Hasenmann im Video zum Song, da denkt man doch schnell an die tolle schwedische Krimiserie DIE BRÜCKE, die haben die Mädels wohl auch gesehen! Egal ob man nun ganz frühe THIN LIZZY gemixt mit LED ZEPPELIN mag wie bei Colour Blind, HENDRIX mit dem CLAWFINGER gut verrührt (Dirty War) – äh ja, immer wieder schimmert auch durch, dass sich MAIDAVALE nicht nur auf die Helden der 70er fixieren, sondern gepflegt auch mal  über diese Schublade hinaus schauen. FREE kommen in den Sinn bei Wish I´d Been Born At Sea, nichts ist neu, alles vertraut, aber so elegant gemischt und von den Mädels präsentiert, dass man schnell in andere Sphären abdriftet. Und gerade die bluesig-psychedelischen Songs wie The Greatest Story Ever Told oder das smooth dahinschwebende Standby Swing bringen eine Ehrlichkeit und Leichtigkeit mit, die z.B. die großen BLUES PILLS mit wachsender Professionalität irgendwie verloren haben. Einzig das gut 11 Minuten lange Psychedelicgewabbere Find What You Love And Let It Kill You ist dann doch zu lang und verliert sich in sich selber, zieht bei passender Stimmung wie genau jetzt mit Lavalampe und entzückendem Bier aus einer Göteborger Privatbrauerei den geneigten Zuhörer aber so in den nur aus Gitarrenspielereien bestehenden Song, egal, schön klingt es ja!

Geprägt wird die Scheibe vor allem durch den starken, abwechslungsreichen Gesang von Matilda, der mal herrlich bluesig, mal soulig, mal mädchenhaft, dabei immer echt klingt. Immer wieder mal muss ich auch an Bands denken wie die tollen Dänen FUZZ MANTA oder die doch um einiges rockigeren RISE AND SHINE oder den Anfang meiner Lieblinge SIENA ROOT, als die Jungs noch mit Sängerin unterwegs waren. Eben an Bands, die diesen Sound gespielt haben, als Retro noch kein Erfolgversprechender Hype war. Auch Sofia an der Gitarre trägt ihren Teil dazu bei, ihr zuzuhören und zuzuschauen macht einfach Spaß, sie rockt nicht betont kraftvoll, um mit den Herren der Zunft mitzuhalten, sondern spielt abwechslungsreich und mit einer beswingenden Lockerheit, die einfach Spaß macht. Die Rhythmsection Linn und Johanna steht dem in nichts nach, nicht ganz so auffällig legen sie ein grundsolides Fundament für ihre Kolleginnen. Ok ok, man merkt vielleicht, dass mich die Mädels ohne große Gegenwehr erfolgreich eingewickelt haben, aber in die mittlerweile doch recht überraschungsfreie Retro Rock-Szene setzen MAIDAVALE einen herrlichen Farbtupfer, Flower-Power kann ja soooo schön sein!

Wer Bands mag wie RUBY THE HATCHET, unsere WUCAN, die anderen genannten Bands oder Retro-Rock im Allgemeinen, der sollte unbedingt zugreifen! Tales Of The Wicked West kommt mit so viel Charme und mit tollen Liedern, die den gefeierten 60/70er Zeitgeist greifbar rüberbringen, ohne gewollt alt zu klingen. Abgerundet wird die Scheibe von einem die Lyrics widerspiegelnden Cover, das passend vom Niederländer Maarten Donders stammt, der bereits für Bands wie BLUES PILLS, GRAVEYARD, BRUTUS, UNCLE ACID oder das ROADBURN FESTIVAL gearbeitet hat. Keine Frage, dass Tales Of The Wicked West passend auch als Vinyl erscheint.

Veröffentlichungstermin: 05.08.2016

Spielzeit: 44:53 Min.

Line-Up:
Matilda Roth – Vocals
Sofia Ström – Guitar
Linn Johannesson – Bass
Johanna Hansson – Drums

Label: The Sign Records / Cargo

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/maidavaleswe

Tracklist:
1. (If You Want The Smoke) Be The Fire
2. Colour Blind
3. The Greatest Story Ever Told
4. Truth/Lies
5. Dirty War
6. Restless Wanderer
7. Standby Swing
8. Wish I´d Been Born At Sea
9. Find What You Love And Let It Kill You

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!