LIZZY BORDEN: Master of disguise (Metal Blade 25th Anniversary Edition)

LIZZY BORDEN: Master of disguise (Metal Blade 25th Anniversary Edition)

Wenn ich an LIZZY BORDEN denke, ärgere ich mich als Erstes immer noch über die kurzfristig abgesagte Tour in den 80igern. Da musste man sich schon wieder SAXON ansehen, obwohl man doch eigentlich nur wegen der Vorband gekommen war. Na ja, man muss auch verzeihen können, ihre Sex & Crime-Show konnte ich dann ´89 bestaunen (mit MOTÖRHEAD und wieder SAXON), und diese bereits etwas entschärfte schmutzige Show vergisst man nicht wieder, die war echt stark. Nachdem Metal Blade 2002 bereits Love you to pieces, Menace to society und Visual Lies re-released haben, schieben sie nun das remasterte 89iger Album Master of disguise nach.

Die Scheibe ist sehr theatral gehalten und versucht, Geschichten und Bilder auf CD zu bringen, wie man es von Künstlern wie ALICE COOPER oder MEAT LOAF kennt. Das geht leider etwas auf Kosten der Energie – hinter dem immer noch unschlagbaren Debüt Love you to pieces blieb man einige Axtlängen zurück, wie auch hinter der Eingängigkeit der 87iger Visual lies. Die Band war nach dem Release dieses kommerziellen und textlich sehr entschärften Albums auseinander gebrochen. Mit reichlich Gastmusikern wie David Phillips (KING KOBRA), Brian Perry und Basser Joey Vera (ARMORED SAINT, FATES WARNING, SEVEN WITCHES), sowie einem kompletten Orchester wurde Master of disguise eingespielt. Es finden sich ein Haufen toller Songs, die zwar weniger Bandfeeling aufkommen lassen, aber reichlich wirklich gute, stimmig ausgearbeitete Momente bieten und von Lizzy Harges wieder erstklassig eingesungen wurden. Seine recht hohen Vocals stehen auch heute noch ganz oben, wenn der Begriff U.S.-Metal fällt. Denn musikalisch auf der Schnittmenge vom Heavy Rock und Power-Metal mit leichten Anleihen an IRON MAIDEN (Melodien, Twinguitars, Hoppelbeat) und Vocals nahe frühe JUDAS PRIEST und MAIDEN waren LIZZY BORDEN um einiges härter als ähnliche showorientierte Bands wie KISS oder W.A.S.P..

Die Songs überzeugen durchweg, der Opener und Titelsong macht mit SCORPIONS-Riff, theatralem Refrain und Streichergesäge schnell klar, wohin die Reise geht. Coole schnellere Nummern wie Sins of the flesh, balladeske Songs und typische 80iger Heavy-Rocker wechseln sich ab, dagegen stehen im Dienste der Storyline einige kitschige Momente, die an typische 80iger-Hollywood-Massenwarefilme erinnern. Hier geht der Gedanke, die Songs sehr bildlich aufzubauen, doch manchmal etwas daneben. Gerade wenn das Orchester in den Vordergrund rückt, wirkt es manchmal nicht anspruchsvoll, sondern eher albern. Diese Momente halten sich aber zum Glück in Grenzen, sodass man die besseren Songs gut abfeiern kann. Der remasterte Sound wurde im Vergleich zum Original nicht künstlich aufgeblasen, kommt aber deutlich druckvoller und transparenter und gibt der Scheibe merklich mehr Power. Dazu kommen noch zwei Bonus Tracks: Vampires Kiss präsentiert sich als unspektakuläre theatrale Gesangsnummer, bei The orchestra darf, ja genau, das Orchester noch mal kurz ran.

Dass man als Bonus nicht unbedingt belanglose Demoaufnahmen verbraten muss, zeigen Metal Blade auf den DVDs: Scheibe 1 zeigt ein interessantes Making of von Master of disguise und lässt uns eine dreiviertel Stunde zuschauen, was in den sechs Monaten im Studio passiert ist. Es gibt ein paar simple Live-Ausschnitte, auch Spots von der 99iger BANG YOUR HEAD-Show und dem 2000er Wacken-Gig. Dazu eine kleine Photo Gallery zum Making of und als Bonbon die Videos von Love is a crime und We got the power, die alten leiernden MTY/Headbangers/Hard`N´Heavy-Videos können endlich im Schrank bleiben. Als Bonus wäre das schon ein Kaufgrund.

Die zweite DVD bietet neben einer weiteren Photo Gallery und der Discography einen 20 Minuten-Rückblick im Interview mit Lizzy, geführt von John Bush (ARMORED SAINT, ANTHRAX). Highlight ist aber die komplette The murderess metal road show, die zumindest bei mir als Video nur noch müde Zuckungen macht. Diese Show war zwar schon sehr entschärft im Vergleich zu den frühen Shows, ist aber trotzdem sehenswert, bei Psychopath gibt es aber weiterhin nette Doktorspielchen aus Lizzys Spielekiste mit anfangs sehr, nach der Axtbehandlung weniger ansehnlichem Frischfleisch. Und auch der Weihnachtsmann kriegt noch ordentlich Prügel. Optisch wegen der charismatischen Band und natürlich wegen der starken Best of-Playlist mit starken Songs von erstklassigen Musikern ist diese Show unverzichtbar für jede 80iger Metalsammlung.

U.S.-Metal-Fetischisten sollten sich dieses Package in den Schrank stellen, das von einer starken Stimme, tollen Gitarren, recht guten Songs und wirklich amtlichen Zugaben lebt. Wer bisher kein LIZZY BORDEN-Fan ist (ein Fehler!) sollte vielleicht eher zum Debüt Love you to pieces, Menace to society oder zum amtlichen, recht modernen Deal with the devil der reformierten Band greifen. Wer das The murderess metal road show-Video nicht im Schrank hat, für den stimmt der Preis ohne wenn und aber!

Veröffentlichungstermin: 09.03.2007

Spielzeit: 61:57 Min.

Line-Up:
Lizzy Borde Harges – Vocals
David Michael Phillips – Guitars
Ronnie Jude – Guitars
Mike Razzatti – Guitars
Michael Davis – Bass
Brian Perry – Bass
Joey Vera – Bass
Jory Scott – Drums
Elliot Solomon – Keyboards
William Kidd – Keyboards
Tim Stithem – Percussion

Produziert von Elliot Solomon & Alex Woltman
Label: Metal Blade

Homepage: http://www.lizzyborden.com

Tracklist:
1. Master of disguise
2. One false move
3. Love is a crime
4. Sins of the flesh
5. Phantoms
6. Never too young
7. Be one of us
8. Psychodrama
9. Waiting in the wings
10. Roll over and play dead
11. Under the rose
12. We got the power
13. Vampires kiss (Bonus)
14. The orchestra (Bonus)

DVD1 (ca. 95min.)
The Making of Master of disquise
Photogallery

Video-Clips:
Love is a crime
We got the power

DVD2 (ca. 97min.)
Video:
The murderess metal road show – live
1. Council fort he caldron
2. Flesheater
3. Warfare
4. No time to lose
5. Rod of iron
6. Save me
7. Godiva
8. Psychopath
9. Love you to pieces
10. Live and let die
11. Kiss of death
12. Red rum
13. American metal
14. Give ém the axe
15. Finale

Interview
Photogallery
Discography

Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!