LITA FORD: Living Like A Runaway

LITA FORD: Living Like A Runaway

Keine Frage, LITA FORD war in den 80ern einer der wirklichen Wow-Frauen im Rockzirkus, nicht nur wenn man sie bereits von THE RUNAWAYS kannte. Während Kollegin JOAN JETT hauptsächlich mit ihrem Welthit I Love Rock `n´Roll glänzte, konnte Power-Blondie Lita starke Alben vorweisen wie das 88er Lita mit der Hitballade When I Close My Eyes Forever im Duett mit OZZY OSBOURNE, Dangerous Curves oder auch die ersten beiden Soloalben. Nach dem 95er Black war dann wohl erst mal Mama-Pause angesagt, es folgten harte Jahre, vor allem in privaten Bereich. Das 2009er Comeback-Album Wicked Wonderland enttäuschte die alten Fans eher, vor allem wegen der sehr modernen Ausrichtung. Da war die Erwartungshaltung der Fans für das neue Album Living Like A Runaway doch recht hoch, gerade weil der Titel einen Schritt zurück andeutet. Das Album ist wohl auch irgendwo Vergangenheitsbewältigung für diese interessante Frau.

Dass mit ihr wieder zu rechnen ist, das zeigt LITA FORD dann auch gleich mit den ersten Songs, dem simplen, druckvollen Opener Branded und dem etwas stampfigen Hate. Nicht zu sehr retro und weitaus dezenter dem modernen Rock angepasst als noch auf dem Vorgängeralbum ist man als Fan wieder dabei. Aber es macht sich doch eher ein Hauch von Ernüchterung breit, der Rest kann nicht wirklich begeistern. Der nachdenklich-ruhige Titelsong ist nett, bringt etwas BRYAN ADAMS-Feeling mit, die klassische, sentimentale 80er Rockballade Mother erinnert an den alten Hit When I Close My Eyes Forever, schön, ergreifend, aber nicht wirklich neu. Das laut rockende Devil In My Head kommt mit vertrautem OZZY-Riff, Asylum mit reichlich DEF LEPPARD. Ohne die charismatische, jung gebliebene Stimme von der gereiften Frau LITA FORD blieben teils eher Songs, die nicht für die Ewigkeit reichen werden, zukünftige Klassiker klingen anders. Auch die Poser-Fotos wirken reichlich albern, mit 53 Jahren durchaus noch sehr knackig sollte sich hier eine echte Frau präsentieren, das mit dem heißen Rock-Chick ist dann doch schon ein paar Jahre her. Aber dass sie wieder auf dem richtigen Weg ist, das zeigt sie auf jeden Fall.

Das klingt jetzt wahrscheinlich alles viel schlimmer, als es ist. Wer LITA FORD bisher mochte, der kann auch Living Like A Runaway einpacken. Es gibt einige gute Songs, die immer noch tolle Stimme, die halt mehr durch den jugendlichen Charme anspricht als durch tonale Perfektion, und angenehme, teils sehr persönliche Texte, wieder mit tatkräftiger Hilfe von Michael Dan Ehmig. Dazu kommen gefällige, aber leider eher wenig begeisternde Füllersongs. Als Fan kann man ruhig zugreifen, man sollte halt nicht zu viel erwarten. Die Gefahr ist halt doch groß, dass man eher wieder zu den Klassikern greift. Wer LITA FORD nicht kennt, der sollte entsprechend besser zum 88er Lita, einem der anderen frühen Alben greifen oder erst mal zu einer der Best Of-Scheiben. Und bitte NEIN, bitte keine lieblose THE RUNAWAYS-Reunion, falls der Albumtitel dies andeuten sollte!!!

Veröffentlichungstermin: 15.06.2012

Spielzeit: 41:00 Min.

Line-Up:
Lita Ford – Vocals, Guitar, Keyboards
Gary Hoey – Guitar, Bass, Keyboards, Background vocals
Matt Scurfield – Drums

Produziert von Bobby Collin, Lita Ford and Gary Hoey
Label: SPV/Steamhammer

Homepage: http://www.litafordonline.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/litaofficial

Tracklist:
1. Branded
2. Hate
3. The Mask
4. Living Like A Runaway
5. Relentless
6. Mother
7. Devil In My Head
8. Asylum
9. Love 2 Hate U
10. A Song To Slit Your Wrists By

Digipak Bonus Tracks:
11. Bad Neighborhood
12. The Bitch Is Back
iTunes Bonus Track:
11. Boiling Point

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!