LIK (Schweden): Carnage

Lik_carnage_cover

„Wer DISMEMBER vermisst, kann mit LIK effektiv-konstruktive Trauerarbeit betreiben“ – das steht in unserem Review zum ersten LIK-Album „Mass Funeral Evocation“. Und prinzipiell gilt das auch für „Carnage“ – allein der Albumtitel ist ja eine überdeutliche Anspielung. Songs wie „Rid You Of Your Flesh“ ballern in herrlichstem HM2-Gitarrensound, und selbstverständlich fehlt auch das IRON MAIDEN-Lead nicht. Auch „Dr. Duschanka“ ist eine Blaupause für einen DISMEMBER-Song.

Wie es sich wohl für die DISMEMBER-Besetzung anfühlt, wenn Bands daherkommen und inzwischen fast besser sind als das Original? LIK sind ja nicht alleine damit, auch DEMONICAL haben mit „Chaos Manifesto“ vor einigen Wochen gezeigt, wie sehr man nach DISMEMBER klingen kann, ohne DISMEMBER zu sein. Im Gegensatz zu den Kollegen von DEMONICAL sind LIK aber inzwischen ein ganz klein wenig toleranter gegenüber anderen Einflüssen. Denn LIK halten auf „Carnage“ nicht nur das Andenken an DISMEMBER hoch, sie huldigen auch einer anderen Band.

„Carnage“ könnte auch „Nihilist“ heißen

Die Schweden hätten das Album auch „Nilhilist“ nennen können, denn man hört doch eine ganze Menge ENTOMBED raus. „The Deranged“ groovt ohne Ende und wäre auf „Wolverine Blues“ nicht unangenehm aufgefallen. Und „Left To Die“ hätte gar auf „To Ride, Shoot Straight, and Speak the Truth“ gepasst.

Mit „Celebration Of The Twisted“ gehen LIK (zu deutsch übrigens Leiche) obendrein ein Stück auf GRAVE zu. Der letzte Song „Embrace The End“ ist fast schon episch in seinem Abwechslungsreichtum. LIK packen einfach alles, was irgendwie mit Schweden Death Metal zu tun hat, in dreidreiviertel Minuten: sägende Riffs, schleppenden Beat, Trommelwirbel, Doublebass, Growls – zusammengehalten von einer überraschend vielschichtige und schleppenden Songstruktur. Ein schöner Abschluss, mit dem die Grenzen dann aber (hoffentlich) auch mal ausgelotet sind. Ich brauche keine Weiterentwicklung, keine Experimente und keine Eigenständigkeit, wenn man sich unter den Standards so schlafwandlerisch sicher bedient wie LIK und so mitreißend fies groovende Songs daraus zusammenbaut.

Veröffentlichung: 4. Mai 2018

Label: Metal Blade

Mehr im Netz:
facebook.com/LIKofficial

Besetzung:
Chris Barkensjö – Drums & Vocals
Tomas Åkvik – Vocals & Gitarre
Niklas „Nille“ Sandin – Gitarre & Bass

LIK „Carnage“ Tracklist

01. To Kill
02. Rid You of Your Flesh (Audio bei Metal Blade)
03. Celebration of the Twisted (Video bei YouTube)
04. Dr Duschanka (Video bei YouTube)
05. Left to Die
06. Cannibalistic Infancy
07. Death Cult
08. The Deranged
09. Only Death Is Left Alive
10. Embrace the End

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...