LETZTE INSTANZ: Live

LETZTE INSTANZ: Live

LETZTE INSTANZ können bereits auf vier Studioalben zurückblicken, da kann man schon mal ein Live-Album veröffentlichen – gerade, da Anfang des Jahres Sänger und Aushängeschild Robin, Gründungsmitglied und Gitarrist Tin sowie Bassist F.X. die Band verließen, scheint dies eine gute Möglichkeit zu sein, um die Zeit zu überbrücken und in Ruhe das Line-up vervollständigen zu können.

Zu hören sind auf der schlicht Live betitelten CD Aufnahmen vom Konzert im Berliner Kesselhaus, welches am 16. November 2003 stattfand. Es handelt sich zwar nicht um ein perfektes, aber doch um ein gelungenes Live-Album, bietet es doch einen guten Überblick über das bisherige Schaffen der Band, enthält keinerlei Ausfälle, eigentlich sogar ausschließlich Hits, und die wichtigsten Songs sind fast alle enthalten. Der Sound ist ziemlich roh, was einige begrüßen und anderen den Spaß ein wenig verderben dürfte. Auf der einen Seite ist es dadurch – und durch das sehr gut zu hörende und sehr weiblich klingende Publikum – wirklich gut gelungen, die Live-Atmosphäre einzufangen. Andererseits ist der Sound aber wirklich etwas zu matschig, und beim Konzert-Opener gibt es immer wieder böse Rückkoppelungen zu hören. Es gibt durchaus Live-Alben mit einem deutlich transparenteren und druckvolleren Sound, die dennoch einen authentischen Live-Charakter haben.

Das alles ist aber durchaus verzeihlich, denn die musikalische Darbietung der acht Musiker ist über jeden Zweifel erhaben. Zwar singt Sänger Robin ab und an ein wenig unsauber, legt aber insgesamt eine sehr ordentliche Leistung hin. Egal ob er nun seinen typischen Sprechgesang einsetzt, zurückhaltenden melodischen oder aggressiveren, kraftvollen Gesang voller Pathos – stets transportiert er dabei jede Menge Emotionen. Die Shouts der anderen sind zwar im Vergleich zu den Studioaufnahmen ein wenig schwachbrüstig, gehen aber absolut in Ordnung.

Nicht zuletzt aufgrund der lautstarken Publikumsreaktionen, die auch immer wieder einzelne Passagen mitsingen, dürfte beim Hören dieses Albums jedem Zweifler klar werden, dass der zunächst sehr wild erscheinende, aber doch nie planlose Stilmix aus modernem Metal, Funk, Folk, Klassik, Rap und sogar technoiden Elementen auch und besonders live hervorragend funktioniert. Faszinierend ist dabei, wie spielend es der Band gelingt, eine gesunde Balance aus Ernst und Spaß zu halten – auf der einen Seite intelligente Texte und melancholische, ruhige Songs wie Kopfkino, das mit tieftraurigen Cello- und Geigenmelodien sowie einigen sehr coolen Basslinien zu den Highlights des Albums gehört, auf der anderen Seite Gassenhauer wie Rapunzel, das wohl folkigste Stück auf der CD, bei dem man einfach das Tanzbein schwingen muss. In die letzte Kerbe fällt auch das tolle Instrumentalstück Sprachlos, bei dem sich die M. Stolz an der Geige so richtig austoben kann und Bassist F.X. mit einem hörenswerten Bass-Solo aufwarten kann.

Hat man sich mit dem suboptimalen Sound abgefunden, so stellt Live einen hervorragenden Einstiegspunkt in die Welt von LETZTE INSTANZ dar. Langjährige Fans sollten lieber auf die gleichnamige DVD zurückgreifen, welche im Gegensatz zur CD-Version noch das berühmt-berüchtigte, aber erst sehr selten gespielte Bach-Programm enthält.

Veröffentlichungstermin: 27.09.2004

Spielzeit: 68:11 Min.

Line-Up:
Robin – Lead Vocals

M. Stolz – Violine, Programmings

Benni Cellini – Cello

Tin – Guitar

das O. – Guitar

F.X. – Bass

Holly D. – Acoustic Guitar, Vocals, Programmings

Specki T.D. – Drums

Produziert von Toshi Rösner
Label: Andromeda/Vielklang

Hompage: http://www.letzte-instanz.de

Tracklist:
1. Salve Te

2. Bittere Nacht

3. Schönste Lied

4. Jeden Morgen

5. Singt Halleluja

6. Kopfkino

7. Mondfahrt

8. Kalter Glanz

9. Rapunzel

10. Auf der Suche

11. Ganz oder gar nicht

12. Sprachlos

13. 6 in 1

14. Mein Todestag

15. Kopf oder Zahl

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