LAS CASAS VIEJAS: goul/H

LAS CASAS VIEJAS: goul/H

Wenn sich eine Band nach der Niederschlagung eines anarchistischen Arbeiteraufstandes benennt und ihr Debütalbum bei Alerta Antifascista Records veröffentlicht, dann darf man hinsichtlich der politischen Einstellung beruhigt sein. Und das tut gut: Schließlich setzen sich LAS CASAS VIEJAS aus Musikern aus Deutschland und Österreich zusammen. Und gerade die jüngsten Wahlen haben da wie dort einen gewissen Rechtsruck gewahr werden lassen. Diesen findet man auf „goul/H“ selbstredend nicht. Viel mehr kritisiert die Band den Kapitalismus und stellt diesen mitsamt seinen urbanen Konstrukten der Sehnsucht nach Natur gegenüber. Eine Gegenüberstellung, die gegen Ende von „Kein Ort 1: nicht die Stadt und Lethargie“ sehr plastisch gelingt, wenn Vogelgezwitscher auf Presslufthammerlärm trifft.

LAS CASAS VIEJAS fackeln kein Flower-Power-Feuerwerk ab

Musikalisch sind LAS CASAS VIEJAS so schwer gar nicht einzuordnen. Wirft man Schlagworte wie Post Black Metal, Doom Metal und Post Rock in die Erklärugsschale, hat man schon eine ungefähre Ahnung, wohin die Reise geht. Der Auftakt des Albums ist mit „Moribundus“ jedoch sehr ruhig. Beinahe erhaben, aber auch sehnsuchtsvoll wird zu akustischen Gitarrenklängen ein geflüsterter Dialog abgehalten. Dessen Inhalt und die ihm inneliegende Atmosphäre lassen die eigene Stimmungslage gleich einmal in den Keller sinken. Auch in weiterer Folge ist kein Flower-Power-Feuerwerk zu erwarten. Viel mehr gibt es berührende und oftmals reduzierte Songaufbauten, die von schönem Klargesang („Kein Ort 1: nicht die Stadt und Lethargie“) oder heiserem Schreien („Klaustrophobie“) begleitet werden.

„goul/H“ wirkt wie ein ungeschliffener Edelstein

„goul/H“ ist somit ein spannendes und abwechslungsreichs Album, das seine eigene Sprache spricht. Vielleicht kann man es LAS CASAS VIEJAS deshalb auch nachsehen, dass der Sound eine leichte Low-Fi-Schlagseite hat (insbesondere „Erinnerung“) und mancher Übergang nicht rund klingt. Aber das macht auch den eigenen Charakter aus, den das Album hat. Dass der eine oder andere Track noch seine Längen hat („Kein Ort 2: nicht keine Stadt und Lethargie“), trübt das Urteil letztlich nur bedingt, als dass „goul/H“ wie ein kleiner, ungeschliffener Edelstein wirkt.

Veröffentlichungstermin: 10.11.2017

Spielzeit: 49:54 Min.

Line-Up:
Trish – Gesang
Tim – Schlagzeug
Tobi – Gitarre
Schtä – Gesang
Bubu – Gitarre
Rudá – Bass

Label: Alerta Antifascista Records

Homepage: https://lascasasviejas.bandcamp.com/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/KeinOrt1/

LAS CASAS VIEJAS „goul/H“ Tracklist:

1. Moribundus (Audio bei YouTube)
2. Kein Ort 1: nicht die Stadt und Lethargie (Audio bei YouTube)
3. Kein Ort 2: nicht keine Stadt und Lethargie (Audio bei YouTube)
4. Klaustrophobie (Audio bei YouTube)
5. Erinnerung (Audio bei YouTube)

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Christian Wögerbauer

Seit 2005 bei Vampster und Lieferant für Reviews, News, Live-Berichte und -Fotos.

Genres: Doom, Death, Gothic, Sludge