LACUNA COIL: Shallow life

LACUNA COIL: Shallow life

Die Fans richtig lange warten lassen, das kann ja schonmal daneben gehen. Nach ihrem Überflieger Karmacode endgültig zur großen Nummer geworden, haben LACUNA COIL die Fans mal eben 3 Jahre sich selbst überlassen. Aber keine Angst, Signore e Signori, die Italiener machen mit Shallow life alles wieder gut.

Nach dicken Festivalauftritten und laufenden Monstertourneen in den USA und einem Produzenten wie Don Gilmore, der bereits LINKING PARK, PEARL JAM und Schätzchen AVRIL LAVIGNE zu Ruhm und Reichtum verholfen hat, ist die Angst groß, nun ein austauschbares amerikanisiertes Hitalbum vorgesetzt zu bekommen. Aber auch wenn die Augen und Ohren unverkennbar auch auf den amerikanischen Markt ausgerichtet sind, so bleiben sich LACUNA COIL hier weitestgehend absolut treu. Sofort hat man die typischen Melodien im Ohr, man weiß sofort, wann die Vocals von Andrea und Cristina einsetzen, wann sie wechseln werden. Auch die Band liefert gewohnt catchy Stoff, der gern auch mal fett aus den Boxen rockt. So drückt der Opener bereits recht ordentlich, ebenso wie I´m not afraid, da werden auf der Bühne wieder die Haare fliegen. Man leidet mit beim melancholischen Kill the pain, versinkt im sentimentalen, natürlich Radio tauglichen Wide awake, genießt das Highlight Spellbound, das die alten Fans lieben werden. Dem gegenüber stehen nun aber Songs wie I wan´t tell you und I like it, die man auch einem amerikanischen Popschnittchen auf den Silikonleib hätte schreiben können. Aber bevor man gleich nach Ausverkauf schreien kann, haben einen die Melodien eingewickelt und man erkennt die Songs als angenehmen, neuen Soundtupfer. Wie gehabt bemüht sich die Band um Abwechslung, die Songs setzen sich sofort fest und behalten eine beeindruckende Langzeitwirkung, auch nach unzähligen Durchgängen dreht sich die Scheibe weiterhin ohne Verluste. Hier und da etwas mehr Energie hätte der Scheibe aber sicher nicht geschadet. Natürlich schmilzt man als Mann bei Cristinas Vocals dahin, die immer noch gemeinsam mit Andreas Gesang auch dezent schwächere Songs aufwerten. Die Texte bringen wie gehabt Lovestories, machen traurig oder laden auch mal zum Schmunzeln ein. Die Kollegen sind gewohnt fit, sodass man auch hier gern mal näher hinhört. Für Shallow life gehen ganz schnell beide Daumen nach oben, das Album bietet alles, was man sich als LACUNA COIL-Fan wünschen kann.

Der Ruck Richtung Amiland ist sehr deutlich, und der Erfolg vorprogrammiert, gerade mit einer Wuchtbrumme wie Cristina auf der Bühne. Zwischen den stylingsicheren Castingpüppchen am US-Markt dürfte sie herausragen wie die Schokostreusel auf dem Milchschaumhäubchen eines guten italienischen Cappuccino. Wenn daraus aber eine Entwicklung zum Coffee-to-go im oberflächlichen amerikanischen Musikbiz wird, dann verliert man schnell die heimischen Fans. Aber die Band selbst dürfte fest genug im Leben und bei ihren europäischen Fans stehen und sich selbst gut im Auge behalten. Hoffen wir zumindest…

Veröffentlichungstermin: 17.04.2009

Spielzeit: 44:04 Min.

Line-Up:
Cristina Scabbia: Vocals
Andrea Ferro: Vocals
Cristiano Migliore: Guitars
Maus: Guitars
Marco Coti Zelati: Bass
CriZ: Drums

Produziert von Don Gilmore
Label: Century Media

Homepage: http://www.lacunacoil.it

MySpace: http://www.myspace.com/laconacoil

Tracklist:
1. Survive
2. I won´t tell you
3. Not enough
4. I´m not afraid
5. I like it
6. Underdog
7. The pain
8. Spellbound
9. Wide awake
10. The maze
11. Unchained
12. Shallow life

Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!