KING`S X: XV

KING`S X: XV

So eine Art Musterschüler – das wären KING`S X, würde man sie in den Schulalltag versetzen. Ein lerneifriger, ruhiger, sehr intelligenter Schüler (kein Streber), der von den Lehrern mit Lob überhäuft, aber von den Mitschülern nur am Rande wahrgenommen wird. So ähnlich könnte man auch das Schicksal von KING`S X in der Metalbranche darstellen: Während viele Fachkräfte, darunter auch die Leute von der Metal-Presse, deren Veröffentlichungen seit 1988 nahezu immer positiv bewerteten, nahmen im Vergleich dazu nur wenige potentielle Fans Notiz von KING`S X. Ein Schicksal, dem mit Sicherheit mehrere Gründe zugrunde liegen, deren Konkretisierung aber den Rahmen sprengen würde. Wohl aber ist das unter anderem auch auf die musikalische Ausrichtung (Prog Rock/ Prog Metal) zurück zu führen.
Kurz: KING`S X wurde nie das Gehör geschenkt, das sie verdient hätten. Aber so ist das in der Musikwelt. Vor allem schwerer verdauliche bzw. schwer vorhersehbare Musik hat ihre Schwierigkeiten, größere Massen anzusprechen. Das war immer so, und das wird auch immer so bleiben, auch wenn unter anderem Combos wie DREAM THEATER, QUEENSRYCHE oder aber auch PINK FLOYD, RUSH oder EMERSON, LAKE AND PALMER das ein oder andere Prog-Ausrufezeichen setzen konnten, das auch in den Medien etwas mehr Gehör fand.
KING`S X ist das noch nicht gelungen – vielleicht kommt das aber noch; man sollte niemals nie sagen – aber nichtsdestoweniger haben sie mit XV auch in diesem Jahr wieder einmal ein sehr facetten- und stimmungsreiches Album abgeliefert. Ach ja, XV steht für die Anzahl an Veröffentlichungen in der Bandgeschichte. Allerdings – für alle, denen diese Zahl gerade deshalb nicht schlüssig erscheint – zählen dabei das noch unter dem Namen SNEAK PREVIEW selbstbetitelte Album aus dem Jahre 1983 sowie die Livescheibe Live All over The Place von 2004 und die Best Of von 1997 mit dazu.

Soviel zur Mathematik, zurück zur Musik. KING`S X bieten, wie man es ja mittlerweile schon gewohnt ist, anspruchsvollen und vielfältigen Prog Rock. Vielfältig bedeutet hier, die Grenzen des eigenen Stils sind weit gesteckt und genreübergreifend. So findet man unter Songs auf XV ein paar Alternative-Nummern, so z.B. das verträumt-melancholische Respecting myself oder das entspannte I just want to live, genauso wie richtig knackige Rocksongs à la Go tell somebody, Pray oder Alright. Dass sich KING`S X dabei auch moderneren Klängen nicht verschließen, beweist unter anderem das Gitarrengeschredder in Rocket ship. Neben hart kann das Trio aber auch unheimlich weich. Wäre der Name in KING`S X in jedermanns Ohr, wäre Julie mit Sicherheit ein Hit. Oder anders ausgedrückt: Würden die EAGLES diese Ballade als ihre neue Single vorstellen, würde es von den Radiostationen des Öfteren Airplay erfahren. Gleiches könnte für die Komposition Blue gelten. Egal, KING`S X sind nicht die EAGLES und KING`S X komponieren auch Material, das für die EAGLES nicht in Frage käme. So auch Songs, die einen leicht düsteren Anstrich besitzen und in Gothic Rock-Gebiete vordringen. Move wäre so ein Titel ebenso wie der erste Bonus Track Love and rockets (hell`s screaming). Der zweite Bonus Track und gleichzeitig Abschluss von XV hingegen geht dann wieder in eine ganz andere Richtung.
Ein richtiger cooler, noisiger Blues namens No lie rundet ein Album ab, das von vorne bis hinten aufgrund der Frische und der Vielfalt einfach Spaß macht. Alle Fachkritiker sollten beim Rezensieren eigentlich wieder positiv gestimmt sein – KING`S X-Kenner sowieso. Allen anderen, die den hohen Qualitätsstandard dieser amerikanischen Combo noch nicht kennengelernt haben, sei empfohlen, sich mal damit vertraut zu machen!!

Veröffentlichungstermin: 16.05.2008

Spielzeit: 54:06 Min.

Line-Up:
Gesang, Bass: Doug Pinnick
Gitarre, Gesang: Ty Tabor
Schlagzeug, Gesang: Jerry Gaskill

Produziert von Michael Wagener
Label: Insideout Music

Homepage: http://www.kingsxrocks.com

MySpace: http://www.myspace.com/kingsx

Tracklist:
1.Pray
2.Blue
3.Repeating myself
4.Rocket ship
5.Julie
6.Alright
7.Broke
8.I just want to live
9.Move
10.I don`t know
11.Stuck
12.Go tell somebody
13.Love and rockets (hell`s screaming)
14.No lie