KALMAHARA: Greener Fields

KALMAHARA: Greener Fields

KALAMAHARA sind ein Trio aus Leipzig und Hamburg. Und „Greener Fields“ dürfte die dritte Scheibe sein. Eine hab ich, ich find sie nicht! Also keinen Vorab-Check, lassen wir dieses neue Album für sich sprechen.

Ich liebe es, wenn ein Album ein kurzes Riff braucht und die Faust geht sofort nach oben! Dabei ist „Impressure“ ein eher irreführender Opener. Man denkt sofort an CATHEDRAL zu Zeiten von vielleicht „The Ethereal Mirror“ oder „Carnival Bizarre“. Der Song tritt ordentlich Popo, Hippie-Party-Doom mit einem Drive, bei dem man schnell Knoten in den tänzelnden Beinen hat, yeah! Live sicher ein Brett, zuhause ein Garant für gute Laune. Schade, oder auch nicht, „Greener Fields“ ist kein Doom-Monster, auch wenn hier und da mal die Leidenschaft für das Genre deutlich durchschimmert. Entspannt sind sie, was ja auch Doomer so an sich haben, ebenso wie die letzten Hippies. Denn auch davon hat das Trio viel. Stonerig, zappelig, verspielt kommt ein „Radiator“ daher, mit hellen, schmeichelnden Vocals, einem pumpenden Bass und doch wieder einem aufbrechenden Riff, wo die Faust nach oben geht. Immer mehr bekommt man das Gefühl, dass die Jungs nicht einfach laut rocken, sondern mit ihren Songs Bilder malen zum Eintauchen, ohne dabei zu psychedelisch zu werden. Aber auch das taucht auf, in fast witzigen Melodien, im FLOYDig pumpenden Bass, in den wabbernden Riffs. Und immer wieder mal ein ultrafettes Riff, herrlich. Da wird „Waters Of Forgetfulness“ schnell zum Lieblingssong.

Ein cooler Mix, gleichfalls spannend und entspannend

Ein wenig verträumter Alternative-Rock, „Reflections“ wandelt sich aber doch zu einem psychedelisch-spacigen Abflug. Dessen verträumter zweiter Teil erinnert an die typischen kurzen akustischen Zwischenspiele von BLACK SABBATH. Wenn sie beim sich verträumt einschmeichelnden „Nuszknacker“ Richtung LED ZEPPELIN schielen und dann einen explosiven Aggro-Part raushauen, dann ist das durchaus erschreckend. Der Song ist so lang und lullt einen nicht ein, sondern nimmt einen mit vielen Wendungen bei der Hand und weiß zu fesseln. Bei „Phoneiric“ mit viel PINK FLOYD schaffen sie keine Überraschungen, aber hört man den Jungs beim Spielen wirklich zu, ist auch der Song richtig groß. Sie wissen sehr genau was sie da machen, ohne es dem Zuhörer bewusst unter die Nase zu halten. Da wirkt nichts wie zusammengeschobene Teile um einen Song aufzupeppen. Es passt einfach. Da trägt einen der Titelsong nun doch ganz davon, zart, nachdenklich, nicht zu melancholisch, mit viel spät 60er/früh 70er drin.

KALAMAHARA rocken nicht einfach, sie erzählen ihr Songs

Es macht viel Spaß, den Jungs von KALAMAHARA zuzuhören, wie sie ihre Songs erzählen, mit wie viel Sinn für Feinheiten und mit wie vielen Ideen sie ihre Songs aufbauen. Das hier live eingespielt wurde merkt man sofort, diesen Flow in den Songs kriegt man sonst nicht hin. Interessant auch die Vocals, die nicht immer perfekt sauber sind, aber mit so einer Leichtigkeit und Naivität kommen, und zugleich Selbstbewusstsein und Energie ausstrahlen. Der Sound des Albums ist super, laut genug um als Trio das Haus zu rocken und differenziert genug um gern mal unterm Kopfhörer abzutauchen. Charlie Paschen (ROTOR, COOGANS BLUFF, WUCAN) hat in den Off The Road Studios in Leipzig einen guten Job gemacht. Ganz klar eine Empfehlung für alle, die gern mal in den genannten Ecken unterwegs sind und sich einen spannenden, entspannten Mix daraus vorstellen können!

Veröffentlicht: 20.10.17

Spielzeit: 47:32

Lineup:
Clemens Heger – Gitarre, Vocals
Hans-Christian Puls – Bass, Vocals
Alex Beyer – Schlagzeug, Vocals

Label: Sportklub Rotter Damm

Website: http://www.kalamahara.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/kalamahara.band

Die Tracklist von „Greener Fields“:

1. Impressure
2. Radiator
3. Waters Of Forgetfulness
4. Reflections (Pt.1)
5. Reflections (Pt.2)
6. Nuszknacker
7. Phoneiric
8. Greener Fields

Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!