JETHRO TULL: Stand Up – The Elevated Edition [2CD/1DVD][Re-Release]

JETHRO TULL: Stand Up – The Elevated Edition [2CD/1DVD][Re-Release]

Weihnachten = JETHRO TULL! Ja nee, nicht weil die Band um IAN ANDERSON dann regelmäßig ein weiteres Album in der wohl schönsten aller Re-Release-Reihen präsentiert, passend als wertiges Päckchen für unterm Weihnachtsbaum. JETHRO TULL sind auch immer regelmäßig Gast in meinem Player mit ihrem tollen The Christmas Album, das so herrlich frei von Weihnachtskitsch so wunderbar geeignet ist, einem die Adventszeit zu versüßen! Egal, hier geht es ja nicht um das letzte offizielle Studioalbum der Band, sondern um die zweite Scheibe Stand Up von 1969. Gitarrist Mick Abrahams war ausgestiegen, die üblichen musikalischen Differenzen, TONY IOMMI war kurz dabei und gründete wenig später ja BLACK SABBATH. Letztendlich wurde Martin Lancelot Barre neuer und dauerhafter Gitarrist bis 2012. Ian Anderson hingegen übernahm komplett das Ruder und steuerte nun deutlich in Richtung Prog-Rock und Folk.

Kraftvoll rockt dann gleich A New Day Yesterday aus den Boxen, ein fetter Blues-Rocker, noch mit Verweisen auf den Stil des ersten Albums, bei dem man schlichtweg nicht stillsitzen kann. Aber gleich danach zeigt sich der musikalische Wechsel mit folkigen Elementen, der Barde IAN ANDERSON hatte sich selbst erfunden. Schräg, was die Briten aus Bach´s Bourée gemacht haben, und wenn die Band zwischen den folkigen und auch mal jazzigen Klängen doch wieder fordernder rockt, dann immer klasse und zündend. Beim beswingt groovenden Nothing Is Easy fragt man sich zum Ende hin, wer hier bei wem Spuren hinterlassen hat, TONY IOMMI bei JETHRO TULL oder diese beim Gottvater des Doomriffs, ganz klar muss man hier an Parts des Meisterwerks Black Sabbath denken! Aber oft sind es auch die ruhigen Töne, die einen versinken lassen, die Band kann alles und präsentiert dies auch abwechslungsreich. Mal klassisch aufpoliert, mal sperrig bis spinnig proggig und trotzdem mitreißend wie bei For A Thousand Mothers. Ein Album, das durchgehend Spaß macht und erkennen lässt, wie groß die Band damals bereits war, obwohl man erst auf dem Weg war, sich unter der Führung von ANDERSON neu zu erfinden. Von den Singles Living In The Past und Driving Song gibt es den Stereo-Mix, von Bourée eine unveröffentlichte Version, dazu vier Aufnahmen aus BBC-Sessions. Ein gelungenes Werk mit wertigen Bonusssongs, dem wie gewohnt STEVEN WILSON wie bei den vorherigen Re-Releases einen fantastischen, ehrlichen Sound verpasst hat, fernab der aufgeblasenen Sägesounds so manch anderer Re-Releases vieler Klassiker.

Auf der zweiten CD gibt es ein Livekonzert vom Januar 1969 in Stockholm, dem man anhört, dass die Band rund läuft, obwohl Gitarrist Barre erst kurz dabei war, und sich hinter keiner der ganz großen Bands jener Zeit verstecken brauchte. Hier als Opener für JIMI HENDRIX gibt u.a. Songs vom Debüt This Was und auch von Stand Up, To Be Sad Is A Mad Way To Be hingegen hat es – absolut unverständlich – nie auf ein Studioalbum geschafft. Auch hier wurde der Sound gefühlsecht bearbeitet, teils unbezahlbare Bootlegs jenes Gigs kommen da nicht ansatzweise mit. Hinsetzen, zuhören, live dabei fühlen, so klingt diese Version des Mitschnitts. Ok, 14 Minuten Drumsolo sind zu überstehen, aber hier hilft Anderson mit wildem Geflöte und Getröte über die Zeit hinweg. Ansonsten ein absolut hörenswerter Livemitschnitt. Von Living In The Past und Driving Song gibt es den Single-Mix im alten Mono-Mix, richtig krass kommt der erste der beiden Radiospotts, was für eine Stimme, hätte unser Theo Lingen (60/70er Kitschkomödien, Edgar Wallace-Filme und sehr viele mehr) auch nicht besser hingekriegt.

Die beiliegende DVD bietet den Videomitschnitt zu zwei Songs der Stockholm-Show, was für eine kauzige Band, allein die Frisur und die sonderbare Spielweise von Drummer Cliff Bunker sind schon sehenswert. Dazu gibt es wie gewohnt bei diesen JETHRO TULL-Neuauflagen das Album sowie einige Bonussongs im originalen Klang des 69er Mixes sowie für Soundfetischisten im 5.1 Surround (begleitet mit Bildern aus dem Booklet) und 96/24 Stereo LPCM. Kennt man die vorherigen Re-Releases, dann weiß man, dass auch die Aufmachung fantastisch ist. Im Buchformat begrüßen uns erstmal die Musiker, die wie beim alten LP-Cover beim Öffnen aufklappen. Es gibt 110 Seiten interessanten Lesestoff und tolle Bilder. Wie eingangs schon angedeutet: viel schöner kann man eine Re-Release-Reihe kaum präsentieren!

Es bleibt spannend, wie denn JETHRO TULL ihren 50er in zwei Jahren feiern wollen, wenn sie vorher schon permanent so tolle Wiederauflagen ihrer Alben präsentieren. Da reiht sich Stand Up ehrenvoll ein und präsentiert sich spätestens in dieser Form als Highlight, das in keiner Rocksammlung fehlen sollte. Sammelt man bereits die anderen Neuauflagen dieser schicken Serie, dann ist auch diese The Elevated Edition ein absoluter Pflichtkauf! Wer also noch kurzentschlossen ein Weihnachtsgeschenk sucht, damit es nicht wieder die üblichen Peinlichkeiten gibt…

Veröffentlichungstermin: 18.11.2016

Spielzeit: 71:40 / 71:22 Min.

Line-Up:
Ian Anderson – Vocals, Flute, Acoustic Guitar, Hammond, Piano, Mandolin
Martin Lancelot Barre – Guitar, Flute (2,9)
Glen Cornick – Bass
Clive Bunker – Drums, Percussion

Label: Chrysalis Records / Warner Music

Homepage: http://www.jethrotull.com

Mehr im Netz: http://facebook.com/officialjethrotull

Tracklist:
CD1: Stereo Mixes by Steven Wilson
1. A New Day Yesterday
2. Jeffery Goes To Leicester Square
3. Bourée
4. Back To The Family
5. Look Into The Sun
6. Nothing Is Easy
7. Fat Man
8. We Used To Know
9. Reasons For Waiting
10. For A Thousand Mothers
11. Living In The Past
12. Driving Song
13. Bourée – Morgan Version*
14. Living In The Past – Original 1969 Stereo Single Mix
15. Driving Song – Original 1969 Stereo Single Mix
16. A New Day Yesterday – BBC Sessions
17. Fat Man – BBC Sessions
18. Nothing Is Easy – BBC Sessions
19. Bourée – BBC Sessions
* Bisher unveröffentlicht

CD2: Live at The Stockholm Konserthuset (9. Januar 1969)
1. Introduction
2. My Sunday Feeling
3. Martin’s Tune
4. To Be Sad Is A Mad Way To Be
5. Back To The Family
6. Dharma For One
7. Nothing Is Easy
8. A Song For Jeffery
9. To Be Sad Is A Mad Way To Be – first show version
10. Living In The Past – Original 1969 Mono Single Mix
11. Driving Song – Original 1969 Mono Single Mix
12. Stand Up Radio Spot #1
13. Stand Up Radio Spot #2

DVD1: Audio & Video
– Steven Wilson remixes in 96/24 PCM stereo und DD/DTS 5.1 surround
– 96/24 flat transfer der Stand Up original stereo master tapes vom 5. Juli 1969
– 96/24 flat transfer der original mono und stereo mixes von Living In The Past und Driving Song
– Video footage von Stockholm 1969: To Be Sad Is A Mad Way To Be und Back To The Family

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Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!