JEAN-MICHEL JARRE: Oxygene 3

JEAN-MICHEL JARRE: Oxygene 3

Und wieder so ein Album, das in den späten 70ern in jeder Plattensammlung stand. Egal ob man Popmusik mochte oder doch eher ein harter Rocker war und natürlich als Freak aus der Kraut- und Space-Rock-Szene, Oxygene hatte gefühlt jeder im Plattenregal. Mit seinem dritten Album hatte der Franzose JEAN-MICHEL JARRE 1977 seinen Durchbruch und galt mit seinen Elektroniksounds als wegweisender Meister dieses Genres. Auch das Folgealbum Equinoxe war weit verbreitet, seither hat JARRE zahlreiche Alben veröffentlicht, darunter gut 20 Jahre nach dem Megaseller dessen Fortführung Oxygene 7-13. Nun also, wieder knapp 20 Jahre später, beendet JARRE die entsprechende Triologie mit dem treffsicher Oxygene 3 benannten Album. Ein lauer Aufguss des Klassikers kam dem Meister aber nicht in den Sinn, es gibt durchweg neu komponierte Soundlandschaften.

Der Weltraum – unendliche Weiten… Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des … , auch hier wird man wieder durchgehend auf eine Reise durch unendliche Weiten und bisher unentdeckte Sternenbilder geschickt. Wo der erste Trip noch mit wenigen, damals höchst innovativen Synthies noch auf einem 8-Spur-Tonbandgerät aufgenommen wurde, so bietet die heutige Technik natürlich viel mehr Spielfläche für den Soundtüftler, die er auch passend ausnutzt. Dabei gibt es keine Lieder im Sinne von einlullender, entspannender Wellness-Musik für das Wartezimmer eines Neurochirurgen. JEAN-MICHEL JARRE malt weiterhin mit seinen Soundkollagen Bilder, lässt dem Zuhörer alle Freiheit, seine eigenen intergalaktischen Fantasien auszuleben. Wie auf den beiden Alben zuvor gibt es nur fortgeführte Titelnummern, die nicht durch vorgegebene Songtitel den Zuhörer festlegen. So zeigt sich 14 beflügelt, baut eine unaufdringliche, aber greifbare Spannung, ja Neugier auf, wohin die Reise denn geht. 15 lässt zum Ende hin immer mehr erkennen, dass sich irgendwas anbahnt. Glaubt man sich bei 16 noch unterwegs, vorbei an bunten und schillernden Sternenbildern, so macht sich dann doch eine bedrohliche Kälte breit. 17 verbreitet mit dezentem Groove das, wofür JEAN-MICHEL JARRE steht, man wird hier unweigerlich dezent mitswingen und Melodien nachsummen. Der einzige Song auf Oxygene 3. Geradezu sakral anmutend 18, wie eine schillernde Kathedrale aus Sternenstaub, wunderschön umschwebt es den Zuhörer. Die dezente Dynamik, die das Album durchzieht, spielt eher mit den Fantasien des Zuhörers anstatt diese in eine Richtung zu drängen. Hin und wieder glaubt man auch klangliche Verweise auf das erste Album zu erkennen, was sich auch im Cover widerspiegelt. 19 hingegen wirkt eher nichtssagend. Der die Triologie abschließende Track 19 spielt nochmal mit bedrohlicher Stimmung, mit der Macht der Stille, endet statt spacig eher mit einem Touch Richtung Tiefseeausflug. Wo würden die Aliens nochmal ihre unentdeckbaren Stationen haben … hm …

Drauf einlassen oder sein lassen, das ist Programm für Oxygene 3. Wer mit Elektronik-Musik nichts anfangen kann, der wird auch hier unwissend abwinken. Vermag man in solche Klangwelten einzutauchen, dann schließt dieses Album die Oxygene-Triologie von JEAN-MICHEL JARRE stimmig ab. Natürlich funktioniert  es am besten spät abends, wenn man in der Stimmung ist zum Abtauchen in fremde Welten, und das gern unter dem Kopfhörer. Und plötzlich fühlt man sich an Bord eines kleinen Raumgleiters oder gar auf der ehrwürdigen NCC-1701, gemächlich ohne Warp-Antrieb und ohne dramatische Actionszenen wie in Alien. Ein absolut gelungener Trip, den man auch auf Vinyl bekommt und ganz groß zum 40er Jubiläum des Klassikers als 3CD-Set sowie als Triologie-Box mit allen drei Oxygene-Alben auf CD und Vinyl in toller Aufmachung! Wenn ich so an den fetten Kratzer auf der Oxygene-LP denke, hm, wann war nochmal Weihnachten?

Veröffentlichungstermin: 02.12.2016

Spielzeit: 40 Min.

Label: Columbia / Sony Music

Homepage: http://jeanmicheljarre.com

Mehr im Netz: http://jeanmicheljarre.com

Tracklist:
1. Oxygene, Pt. 14
2. Oxygene, Pt. 15
3. Oxygene, Pt. 16
4. Oxygene, Pt. 17
5. Oxygene, Pt. 18
6. Oxygene, Pt. 19
7. Oxygene, Pt. 20

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!