INTER ARMA: Paradise Gallows

INTER ARMA: Paradise Gallows

Ohne Zweifel ist INTER ARMA mit Abstand eine der mutigsten Bands der post-NEUROSIS Generation. Ich verfolge die Jungs seit mittlerweile drei Jahren bzw. seit der Veröffentlichung der famosen Sky Burial Platte, und immer wieder musste ich meinen Hut vor dieser Truppe ziehen. Kaum eine Band schafft es heutzutage eine gefühlte Myriade Stile und Einflüsse miteinander zu vermischen und daraus Scheiben wie aus einem Guss zu produzieren. Genau aus diesem Grund wird INTER ARMA von Relapse Records zum Thronfolger der großen NEUROSIS proklamiert, was im Grunde auch nicht abwegig wäre. Nun steht aber das lang erwartete dritte Album Paradise Gallows auf der Matte, und die Frage ist, ob das Quintett aus Richmond seine Pole Position weiter ausbauen kann.

Wie erwartet, fackeln die Jungs nicht lange: nach einem kurzen verträumten Vorspiel gibt´s sofort aufs Maul, denn mit An Archer In The Emptiness kommt bereits ein Sludge/Death Metal-Behemoth um die Ecke. Ja, liebe Leute, ihr habt es richtig gelesen – zu den üblichen Zutaten wie Prog Metal, Black Metal und Psychedelic Rock ist auf der neuen Platte nun auch Death Metal hinzugekommen. Deswegen wird im zweiten Track gegrowlt und geblastet, was das Zeug hält. Was diesen Song allerdings so großartig macht, sind die fetten, langsam gespielten Gitarrenriffs, die dem Archer eine phänomenale Durchschlagskraft verleihen. Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit würde sich so das uneheliche Kind von NEUROSIS und (klassischen) MORBID ANGEL anhören. Das darauffolgende Transfiguration schlägt zunächst eher in die MASTODON Kerbe, um im späteren Verlauf zu einem Death/Black-Monster zu mutieren – definitiv einer der absoluten Höhepunkte des Albums. Primordial Wound ist gar eine Doom/Drone-Nummer, die sofort die Bands wie KHANATE oder BLACK BONED ANGEL ins Gedächtnis ruft. Bei den psychedelisch angehauchten Summer Drones und Potomac (eine Zwischensequenz, welche exakt dort ansetzt, wo das Intro Nomini aufgehört hat) überwiegen Stoner Rock/Metal bzw. der PINK FLOYD-Vibe, während sowohl der Titelsong als auch Violent Constellations eine sehr gelungene Hommage an die großen Vorbilder NEUROSIS ist. Mit einem gut wahrnehmbaren schwarzmetallischen Einschlag, versteht sich. Abgerundet wird die Scheibe mit einer akustischen Ballade – COUGH lassen grüßen.

Wie auch auf Sky Burial greift die Band auch hier auf die Dienste von Mike Allred (ACROSS TUNDRAS) zurück, was einen nahezu perfekten ausgewogenen Klang garantiert, daher gibt´s diesbezüglich auch keinen Grund zum Meckern. Allerdings finde ich das Coverbild im Vergleich zum Vorgänger eher schwach (sorry, Orion!), das Albumcover wirkt auf mich hier weder atmosphärisch noch auf irgendeine Weise düster, oder mit anderen Worten, spiegelt den Inhalt nicht unbedingt gut wider. Ist allerdings Geschmackssache.

Ansonsten alles wie gewohnt von allerhöchster Qualität – die Jungs denken erstmal gar nicht daran, sich vielleicht doch noch ein wenig auf den Lorbeeren auszuruhen. Stattdessen wird mit voller Wucht alles platt gefahren, was INTER ARMA auf ihrem Weg zu der einsamen Spitze vielleicht noch aufhalten könnte. Für diese Band gibt es weder Grenzen, noch Konventionen, noch irgendwelche Komfortzonen – für die gibt es nur unbändiger Wille, der scheinbare Wahnwitz und fast schon grenzenlose Kreativität gepaart mit technischer Raffinesse, was INTER ARMA letztendlich dazu befähigt, eines Tages die gesamte etablierte Szene auf einmal in die Rente zu schicken. Daher ist auch Paradise Gallows denjenigen gewidmet, die Mut haben, weit über den Tellerrand zu schauen und immer wieder auf eine neue Entdeckungsreise zu gehen. Volle Punktzahl sowie eine uneingeschränkte Kaufempfehlung.

Veröffentlichungstermin: 08.07.2016

Spielzeit: 70:00 Min.

Line-Up:
T.J. Childers – Drums
Steven Russell – Guitars
Trey Dalton – Guitars
Mike Paparo – Vocals
Joe Kerkes – Bass

Produziert von Mike Allred
Label: Relapse Records

Homepage: https://interarma.bandcamp.com/album/paradise-gallows-2

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/INTERARMA/

Tracklist:
1. Nomini
2. An Archer in the Emptiness
3. Transfiguration
4. Primordial Wound
5. The Summer Drones
6. Potomac
7. The Paradise Gallows
8. Violent Constellations
9. Where the Earth Meets the Sky

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