INSOMNIUM: One For Sorrow

INSOMNIUM: One For Sorrow

INSOMNIUM haben es nicht gerne, wenn sie als einfache Death Metal-Band klassifiziert werden. Ein Einwand, den ich verstehen kann, schließlich zeigen die Finnen mit ihrer facettenreichen Herangehensweise ein großes Spektrum an Einflüssen, das von traditionellem Melodeath bis hin zu progressiven Spielarten des Metal reicht. Das war in der Vergangenheit so und das hat sich auf One For Sorrow nicht geändert.

Ein Grundpfeiler für das funktionierende Konzept INSOMNIUMs ist das hohe Maß an Atmosphäre, welches den im Kern rabiaten Songs zugrunde liegt. Dementsprechend wichtig ist ein Opener wie das semi-instrumentale Inertia, das seinem Titel entsprechend etwas zäh beginnt, dies allerdings bewusst für sich nutzt, um den passenden Rahmen für die harte, aber nichtsdestotrotz schwermütige Musik zu schaffen. Im Folgenden haben INSOMNIUM eine Auswahl von neun weiteren Songs auf das Album gepackt, die einerseits die enorm melodische Gitarrenarbeit von Ville Friman und Ville Vänni als Grundkonsens gefunden haben, dabei aber untereinander genug Alleinstellungsmerkmale aufweisen, um sich innerhalb der Gesamtstruktur zu etablieren. Through The Shadows etwa würzt melodischen Death Metal mit einem klar gesungenen Refrain – ein willkommenes Stilmittel, das ebenso in Regain The Fire Anwendung findet. Willkommen übrigens deshalb, weil gerade der Gesang von Bassist Niilo Sevänen einer der wenigen Bereiche ist, in denen sich INSOMNIUM noch verbessern können. Zugegeben, Niilos Growls sind markerschütternd, aber gleichzeitig ebenso eintönig, wie man im Laufe von One For Sorrow nicht umhin kommt festzustellen.

Dementsprechend liegt Abwechslung primär in instrumentaler Hand. Als ob sich das Quartett dessen bewusst wäre, brennen sie ein Feuerwerk an Variation ab, wie man es in diesem Genre nur selten sieht. Göteborgsches Melodic Death Metal-Riffing in Song Of The Blackest Bird und Every Hour Wounds hat genauso seinen Platz auf One For Sorrow wie das konsternierte Instrumental Decoherence, oder der dezente Einsatz von Akustikgitarren in Only One Who Waits. Die kreativen Energien der Band spiegeln sich im originellen Songwriting: Statt standardisierten Schemata zu folgen, bricht Lay The Ghost To Rest mit dem sonst üblichen refrainfokussierten Aufbau zugunsten einer wilden Achterbahnfahrt, deren epische Ambitionen lediglich von der viel zu laut abgemischten Produktion gebremst werden. Diesbezüglich hätten INSOMNIUM ihren Songs mehr Raum zum Atmen geben sollen – angesichts der vielschichtigen Songstrukturen droht One For Sorrow mit seiner Überproduktion manchmal mit einer Reizüberflutung und wird dementsprechend anstrengend. Von den genannten Mängeln abgesehen, sprüht One For Sorrow jedoch nur so vor starkem Songmaterial, originellen Ideen und cleveren Arrangements, ohne die Felder des melodisch interpretierten Death Metal zu verlassen. Es bleibt also abschließend festzustellen, dass dieser Ausgangspunkt wohl wirklich die einzige Gemeinsamkeit ist, die INSOMNIUM mit puristischen Genrevertretern teilen müssen.

Veröffentlichungstermin: 14.10.2011

Spielzeit: 53:09 Min.

Line-Up:
Niilo Sevänen – Gesang, Bass
Ville Friman – Gitarre
Ville Vänni – Gitarre
Markus Hirvonen – Drums

Produziert von INSOMNIUM
Label: Century Media

Homepage: http://www.insomnium.net
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/insomniumofficial

Tracklist:
01. Inertia
02. Through The Shadows
03. Song Of The Blackest Bird
04. Only One Who Waits
05. Unsung
06. Every Hour Wounds
07. Decoherence
08. Lay The Ghost To Rest
09. Regain The Fire
10. One For Sorrow