IMPERIAL STATE ELECTRIC: Anywhere Loud (Live-Album)

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Ist man mit „Anywhere Loud“ durch, will man einfach einstimmen in den Jubel, der hier und da auf diesem Livealbum zu hören ist. Denn: „Anywhere Loud“ ist ein mitreißender Mitschnitt dreier Konzerte. „This Song is about loud music, so I hope it’s loud enogh for you“ kündigt IMPERIAL STATE ELECTRIC-Sänger Nicke Andersson den Titelsong an – dabei hält er sich live gar nicht viel mit Ansagen auf, er will einfach nur spielen – und genau das kommt auf dem gesamten Album rüber.

Ein bisschen atemlos wirkt er manchmal, aber wer IMPERIAL STATE ELECRTC live schon mal gesehen hat, weiß dass der Schwede, der mit ENTOMBED Musikgeschichte schrieb und mit den HELLACOPTERS Riesenhallen füllte, ein Meister der ganz großen Rock’n’Roll-Posen ist – das fordert halt ein bisschen Tribut. Dass er dabei auch ein verdammt guter Sänger ist, steht außer Frage – denn es sitzt nahezu jeder Ton!

Einmal quer durch die IMPERIAL STATE ELECTRIC Diskgrafie

„Anywhere Loud“ ist ein Querschnitt durch die fünf IMPERIAL STATE ELECTRIC-Alben „Imperial State Electric“ (2010), „Pop War“ (2012), „Reptile Brain Music“ (2013), „Honk Machine“ (2015) und „All Through The Night“ (2016). Dabei gewinnen besonders die älteren Nummern wie „Deja Vu“ (einfach nur mitreißend!), „Stay The Night“ (so cheesy, dass es schon wieder saucoll ist!) und „Uh Huh“ (mit ganz viel Drive und Dynamik!). Absolut herausragend finde ich die schweißtriefende Version von „Reptile Brain“ inklusive kurzem Mitsing-Teil. Im Song geht’s um Musik, die direkt die Instikte anspricht, ohne Umwege über den Verstand. Man könnte auch sagen: Musik, die direkt ins Herz und die Beine geht – und da landen IMPERIAL STATE ELECTRIC einen Treffer nach dem anderen.

Mit „Anywhere Loud“ wird die Wohnung zum Liveclub

Der Trick an IMPERIAL STATE ELECTRIC: Sie sind zeitlos – ihre Songs könnte aus den 60ern, 70ern oder eben von heute stammen, es macht keinen Unterschied. Die Schweden haben die Essenz der Rockmusik entdeckt und liefern mit jedem neuen Album einen neuen Aufguss ab – da macht dieses Live-Doppel-Album keine Ausnahme. Bei „Just Let Me Know“ darf Gitarrist Tobias Egge ans Mikro, und er macht seine Sache genau so gut wie der Boss – davon kann man sich bei jedem Konzert und jetzt eben auch zu Hause überzeugen. Kleine Live-Standards wie die Mitsingspielchen bei „Reptile Brain“, ein bisschen Gejamme bei „Empire of Mind“ oder ein Drumsolo bei „Holiday From My Vacation“ fehlen auch auf „Anywhere Loud“ nicht, sind aber dezent genug, um auch Spaß zu machen, wenn man nicht selbst dabei war.

Mitgeschnitten in Stockholm, Madrid und Tokio

Aufgenommen wurden die 23 Songs von „Anywhere Loud“ bei Konzerten in Tokio, Madrid und Stockholm in den Jahren 2014 , 2015 und 2016 – wer ganz genau hinhört, erkennt Unterschiede im Sound. Die kleinen Differenzen stören aber überhaupt nicht, denn „Anywhere Loud“ ist ehrlich und vor allem unverfälscht. Als kleines Bonbon gibt es mit den Coverversionen von „Sonic Reducer“ (THE DEAD BOYS) und „This Is Rock´n Roll“ (THE KIDS) zwei Songs zu hören, die es bislang noch nicht auf Konserve gab. Die Punk-Schlagseite mit zweistimmigem Gesang und atemloser Energie von „Sonic Reducer“ steht IMPERIAL STATE ELECTRIC übrigen verdammt gut – vielleicht zeigt der gute Nicke auf dem nächsten Album ja auch mal seinen inneren Punk. Mit „Break It Down“ gab’s auf dem letzten Studioalbum „All Throught The night“ schließlich eine waschechte Countrynummer – man darf also auf weitere Überraschungen (und vor allem auf weitere Alben) hoffen!

Veröffentlichungsdatum: 16.02.2018

Label: Psychout Records / Sound Pollution/ Rough Trade

Besetzung:
Nicke Andersson: vocals, guitar
Dolf de Borst: backing vocals, bass
Tobias Egge: backing vocals, guitar
Thomas Eriksson: drums, percussion

IMPERIAL STATE ELECTRIC: „Anywhere Loud“ Tracklist

1 It Ain’t What You Think (It’s What You Do)
2 Empire Of Fire
3 Deja Vu
4 All Through The Night
5 Anywhere Loud
6 Deride & Conquer
7 Apologize
8 Break It Down
9 More Than Enough Of Your Love
10 Just Let Me Know
11 Faustian Bargains
12 A Holiday From My Vacation
13 Down In The Bunker
14 Can’t Seem To Shake It Off My Mind
15 Stay The Night
16 Redemption’s Gone
17 Uh Huh
18 Reptile Brain
19 All Over My Head
20 Sonic Reducer
21 I’ll Let You Down
22 This Is Rock ‚N Roll
23 Throwing Stones

IMPERIAL STATE ELECTRIC live in Würzburg (Februar 2017)

 

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...