IFERNACH: Gaqtaqaiaq

IFERNACH: Gaqtaqaiaq

Schon schräg: Da wird landauf-, landab die These vertreten, im Metal sei schon alles mal dagewesen oder sogar ausgelutscht, und dann kommt jemand wie IFERNACH zum nun schon vierten Mal aus dem kanadischen Unterholz und beweist das Gegenteil: Black Thrash Metal Punk mit Bezug zu den amerikanischen Urweinwohnern? Man zeige mir ein weiteres Projekt dieser Art, und ich greife sofort begeistert zu, denn aktuell kenne ich nur dieses! Klar, es gibt noch NECHOCHWEN, aber die vertreten eher die mystische, epische Seite des Rothaut-Black-Metals.

Episch kann IFERNACH allerdings auch: „Gaqtaqaiaq“ beginnt mit einem herrlich schmalzigen Keyboard-Intro (dessen Titel ein Pfeil-Symbol darstellt – großartig!), nur um dann unvermittelt in den ersten Song einzubrechen, der das Terrain für die Albumlänge schon klar absteckt: Räudig wird’s, wild und brutal und bitter, aber auch voller Geheimnisse und Spaß, eigentlich sollte das nicht funktionieren, tut’s aber doch, wenn man auf das Urwüchsige, das Anarchisch-Unvollkommene steht, auf Punk eben. Dabei verwahrt das Projekt sich übrigens jeder Bezugnahme auf politische Befreiungsbewegungen – es will einfach nur seinen Hass, seine Wut und Verbitterung über den Völkermord an den amerikanischen Ureinwohnern kundtun, und das tut es – gerade, wenn man diesen Anspruch zugrunde legt – mit Bravour.

IFERNACH – einfach mal machen, einfach mal ballern

Woran liegt’s? Klar, mich hatte IFERNACH schon allein durch die Verbindung aus wunderschönem Cover, Exoten-Charme und Wildheit, aber Songs schreiben kann der Mann auch – das hat alles jeweils für sich genommen Hand und Fuß, ist eingängig und bleibt hängen. Geil! Als Gesamtwerk überzeugt „Gaqtaqaiaq“ zwar eher nicht, dafür wirkt es nicht homogen genug, aber zum Glück ist es so kurz, dass man es trotzdem gut als Ganzes hören kann.

Erinnern tut mich diese Herangehensweise – einfach mal machen, einfach mal ballern, ein Riff nach dem andern, ein Pogo-Part hier, ein bombastischer Synthie da, dazu die herrlich schlichte DIY-Produktion – an den Schweden PANPHAGE, und genau wie bei ihm dürfte auch bei IFERNACH der gemeine Metal-Musiker einiges zu meckern haben. Auch mir sind die Keyboard-Zwischenspiele zu aufgesetzt und die Songs vielleicht alles in allem doch noch nicht ausgereift genug – aber scheiß drauf, „Gaqtaqaiaq“ macht einfach Bock und ist authentisch und originell as fuck – und das ist es letztlich, was im allgemeinen Wust an Musik im Internet mich aufhorchen lässt und begeistert.

Spielzeit: 29:30 Min.

Veröffentlicht am 27.3.2018 auf Nekrart
Das Album auf bandcamp

Tracklist:


Extinction
Coeur boréal et païen
↟ ↟ ↟
Le vent et la Mer
Naufragés
Elle danse avec La Mort
Un matin fénien
Métal Sauvage Gaspésien

Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.