IDES OF GEMINI: Women

IDES OF GEMINI: Women

Tja, Female Fronted Irgendwas und kein Ende, gefühlt gibt es die letzten 10 Jahre mehr neue Bands mit Frau am Mikro als in der kompletten Musikgeschichte davor. IDES OF GEMINI ist nicht ganz neu, die Band aus L.A. legt nun mit „Women“ auch schon ihr drittes Album vor. Ein wenig wurde umgeräumt, den Bass hat Sängerin Sera Timms an Adam Murray weitergereicht, mit Scott Batiste von den Doom/Stoner-Kollegen SAVIOURS ist ein neuer Drummer dabei. Einzig Bandkopf J. Bennett bleibt in seinem Amt als Gitarrist unverändert. Zudem ist man nun nicht mehr bei Neurot Recordings unter Vertrag, deren Hausband NEUROSIS man auch live begleitet hat. IDES OF GEMINI sind nun bei Rise Above zuhause, das passend freakige Label für den nicht minder freakigen Sound der Band.

Zum neuen Label passt auch, dass das neue Album etwas knarziger geworden. Hört man nochmals in das Debüt „Constantinople“ rein, da war doch noch alles weitaus verträumter und ruhiger. Vielleicht verdanken wir es den neuen Herren in der Band, das es merklich ruppiger zugeht und auch Songwriter J. Bennett ein Brett zugelegt hat. Sängerin Sera steht für ihre eigene Linie irgendwo zwischen Gothic und Wave, wie man sie auch schon von BLACK MATH HORSEMAN kennt. Hier nun erzählt sie mit ihrer typischen mystisch beschwörenden Stimme ihre Geschichten über allerlei Frauen, nicht über die nette Nachbarin im Blumenladen nebenan, jede hat eine zum Sound der Band passende Story. Der ist irgendwo im Post-Punk und Prot-Goth unterwegs, berührt durch den härteren Touch – gewollt oder nicht – auch weit genug den angesagten, aber bereits  überlaufenden Pool an Retro/Doom/Düster-Bands mit Sängerin, und schafft sich doch eine Nische mit dem recht eigenen bis eigenwilligen Sound.

So geht es erwartungsgemäß recht zäh los, „Mother Kiev“ besingt keine Partyqueen, nicht wirklich langsam, aber alles wirkt gebremst, ein echter Groove entsteht nicht, eher macht sich wohliges Unbehagen breit. Von einer anderen Band würde „The Rose“ sicher nach einem entspannten Gothic-Rocker klingen, aber wir sind hier nun mal bei IDES OF GEMINI. Immer wieder macht sich auch mal ein Hauch Retro-Doom breit, da eher Richtung kauzige Bands wie frühe PENTAGRAM und Co. J. Bennett packt aber auch mal – für meinen Geschmack zu selten – die Metalgitarre aus wie beim Auftakt zu „Raft Of Medusa“.  „Swan Diver“ bekommt eine dezente Portion US-Metal ab, warum auch immer muss ich da an LEATHERWOLF denken. Nur halt mit einer Gitarre und ohne deren Tritt in den Popo.

Leider gibt es sie nicht, diese Momente, wo sich eins der Instrumente wirklich nach vorne schiebt, alles bleibt doch eher ein mumpfiger Teppich für die charismatischen Vocals von Sera, die mit ihrem dunklen Timbre über den Songs schwebt. Der Gesang nimmt einen gefangen, wenn man ihn denn genau so mag, und trägt die düsteren Geschichten fühlbar zum Zuhörer. Aber definitiv nicht für jeden, man kann sich gut vorstellen, dass nicht jeder mit diesen Vocals klarkommt, die weniger durch große Musikalität leben, sondern von der aufgebauten Atmosphäre. Im Verlauf des Albums macht sich doch auch mal Gleichförmigkeit zu breit, und da dann auch die Instrumente keine wirklichen Akzente setzen, zappt man doch schnell zu den persönlichen Favoriten. Natürlich ist die Wirkung des Albums auch Situationsabhängig, gestern Nacht auf dem Heimweg im Autoradio klang der Sound weitaus ergreifender als jetzt hier kurz nach dem Frühstück.

„Woman“ hat alles, was man für ein eigenwilliges Album braucht. IDES OF GEMINI haben ihre eigene Nische im Düstersound, Sängerin Sera klingt eigen genug, die Band wird aber sicher nicht Everybody´s Darling werden. Man spricht einen speziellen Kreis von Fans an, wer die Band aus Kalifornien kennt und mag sollte zugreifen. Aber auch wer KollegInnen mag wie JEX THOTH, BLOOD CEREMONY und Co sollte mal reinhören.

Veröffentlicht: 28.04.2017
Spielzeit: ca. 43 Min.

Sera Timms – Vocals
J. Bennett – Guitar
Adam Murray – Bass
Scott Batiste – Drums

Rise Above Records
http://idesofgemini.com
https://www.facebook.com/Idesofgemini

1. Mother Kiev
2. The Rose
3. The Dancer
4. Raft Of Medusa
5. Heroine´s Descent
6. Swan Diver
7. The Last Siren
8. Zohra
9. She Has A Secret
10. Queen Of New Orleans
11. Marianne

Teilen macht Freude:

Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!