HORSEBACK: Piedmont Apocrypha

HORSEBACK: Piedmont Apocrypha

I was born to lose, I won´t have this form forever, singt Jenks Miller zu Beginn von Piedmont Apocrypha, was die vergangenen sieben Jahre seiner Band gut zusammenfasst. HORSEBACK sind wandlungsfähiger als so gut wie jede andere Formation, die ich kenne, sie haben einen ungeheuer großen Horizont, berühren beinahe in jeder Inkarnation erneut und bieten Musik die von wahrem visionärem Geist geprägt ist – zuletzt wurde dies durch die ausufernde Werkschau A Plague Of Knowing bewiesen. Wer sich HORSEBACK öffnet, der weiß, dass Musik endlos ist. Aber es öffnen sich viel zu wenige Jenks Miller und seinen Kompositionen, der immer noch wie ein Outlaw verdammt dazu ist, die Freaksparte zu bedienen. Aber vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht muss das so sein, damit Alben wie Piedmont Apocrypha überhaupt erst entstehen können.

Vielleicht hast du es schon erraten, HORSEBACKs neueste Arbeit definiert wieder einmal alles neu. Piedmont Apocrypha ist das, was als legitimer Nachfolger von Hex; Or Printing In The Infernal Method gilt. Das Titelstück beinhaltet dieselbe Atmosphäre, wie EARTHs Meisterwerk, ist nur versöhnlicher. Statt eine weitere Melange aus Southern Rock und Black Metal zu weben, sind HORSEBACK inspiriert von Americana, Krautrock, Country, Ambient und Doom, zeigen atemberaubende Arrangements, wundervolle Gitarrenläufe, die alle Zeit der Welt haben und sich langsam und geschmeidig aufbauen. Jenks Miller muss mit sich im Reinen sein, wenn er Stücke wie das sanft groovende Passing Through oder das beinahe sakrale Milk And Honey schreiben kann. Oder eben das Titelstück, das den Duft der weiten Wälder von North Carolina und ihren Frieden erahnen lassen kann. Und je mehr sich die Gitarren steigern, je dichter die Instrumentierung wird, umso versöhnlicher ist dieses Album.

Piedmont Apocrypha ist eine Art Meditation, je tiefer man eintaucht, je öfter man zuhört, umso beruhigender wirkt es. HORSEBACK setzen sich daneben mit dem abschließenden Track Chanting Out The Low Shadow, das sich erst zwölf Minuten lang hypnotisch aufbaut und bedrohlich steigert, dann aber noch knapp fünf Minuten Ruhe bietet, selbst ein Denkmal: Piedmont Apocrypha wird vom besten Song abgeschlossen, den HORSEBACK bisher geschrieben haben. HORSEBACK agieren größtenteils instrumental, nur beim ersten und letzten Song gibt es ein paar cleane Vocals, als auch Black Metal-Geschrei. Entsprechend lässt Jenks Miller den Instrumenten, insbesondere den Gitarren den Vortritt. Hörbar ist, mit wie viel Liebe die Songs arrangiert sind, wie viel Gefühl in den Kompositionen stecken. So etwas kann nur jemand schaffen, der sowohl mit Herz als auch Hirn an die Songs heran geht.

Das heißt natürlich nicht, dass HORSEBACK sich selbst die Zähne gezogen haben, unterschwellig gibt es nach wie vor Momente, die recht heavy sind, gerade in Chanting Out The Low Shadow. Allerdings legt es Piedmont Apocrypha nicht darauf an, aggressiv oder brutal zu wirken. HORSEBACK sehen nur keinen Sinn darin, sich zu wiederholen, und somit folgt das fünfte Studioalbum dieser Band wieder einem ganz anderen Ansatz, der sich am ehesten noch mit Impale Golden Horn vergleichen lässt. Schon das brillante Artwork zeigt, dass HORSEBACK wieder ihre Form gewechselt haben. Wenn du bisher aber den Klangobservationen von Jenks Miller gerne gelauscht hast, wirst du Piedmont Apocrypha mit Haut und Haaren lieben. Und wenn dir HORSEBACK noch immer kein Begriff sind, oder wenn du dich an diesen Leviathan noch nicht herangetraut hast, solltest du es dieses Mal tun. Du wirst es nicht bereuen. Versprochen.

Veröffentlichungstermin: 25. März 2014

Spielzeit: 40:50 Min.

Line-Up:
Jenks Miller – Instrumente, Vocals

Produziert von Jenks Miller
Label: Three Lobed Recordings

Homepage: http://horseback.bandcamp.com/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/Horseback

Tracklist:
1. Passing Through
2. Piedmont Apocrypha
3. Milk And Honey
4. Consecration Blues
5. Chanting Out The Low Shadow