HONEYMOON DISEASE: Part Human, Mostly Beast

HONEYMOON DISEASE: Part Human, Mostly Beast

Tja, wenn man in Göteborg viele richtig tolle Freunde hat, dann haben es Bands von dort bei mir irgendwie gleich mal leichter. Das nutzen auch HONEYMOON DISEASE, die bereits vor zwei Jahren mit „The Transcendence“ ein knackiges Debüt abgeliefert haben. Sehr cool die Mischung in der Band, zwei Retro-Typen bilden die Rhythm-Section, zwei Hippiemiezen bedienen Gitarre und Mikro. Für „Part Human, Mostly Beast“ hatte man nun mit Ola Ersfjord (u.a. PRIMORDIAL, IMPERIAL STATE ELECTRIC, DEAD LORD) einen erfahrenen Mann an den Reglern, der eher die „weniger ist mehr“-Schiene fährt. Im Vergleich zum Debüt gibt es hier und da einen neuer Touch, wirklich weit weg von den üblichen schwedischen Retro-Bands bewegen sich HONEYMOON DISEASE jedoch nicht.

HONEYMOON DISEASE: mit dem zweiten Album einen Schritt nach vorn

Eine fette Portion 70er Glam-Rocks gibt’s beim Opener, mit viel Huhuuuu und Ahaaaa verfeinert. Die Mädels lassen an der Gitarre oft THIN LIZZY durchschimmern, halt zu sehr frühen Zeiten, als die Iren mehr Rock als Hard`n´Heavy waren. „Tail Twister“ lädt zum Rumtanzen ein, bringt dezente Bläser mit, Disco-Rock mit Pepp. Schön das bluesig-soulige „Rymdvals“, da mag man auch mal an die bezaubernden Kolleginnen von MAIDAVALE denken. Zeit mal wieder die COMMITMENTS-CD rauszuziehen. Natürlich kriegen sie mich, wenn sie bei „Fly Bird, Fly High“ STATUS QUO-Boogie im Stil der besten Zeit 72-76 runterrocken. Man denkt mal an die RUNAWAYS , auch mal an die Ableger JOAN JETT und frühe LITA FORD, aber auch an aktuellere Bands wie die Göteborger Nachbarn von SPIDERS. Gerade rotziger, simpler 70ties Rock`n´Roll wie bei „Four Stroke Woman“ steht der Band gut. „Night By Night“ kommt zwar nicht mit viel Energie aus den Boxen, hat aber mehr von den ersten NWOBHM-Bands als die meisten gefeierten Clones dieser Musik. „It´s Alright“ bringt dezenten Southern Rock mit, eher zarte AC/DC-Gitarren gibt es bei „Coal Burnin´“.

Viele tolle Songs, etwas zu wenig Energie

Neben einigen Highlights gibt es aber auch Songs, die im riesigen Pool der Retro-Bands etwas austauschbar wirken. Nicht nur durch den sehr brav gefahrenen Gesamtsound bleibt zwar die Energie etwas auf der Strecke, aber als Kind der 70er erkennt man hier mehr die alten Bands, als in irgendwelchen ach so edel auf Retro produzierten Megasellern. Musikalisch wird hier solide Handwerkskost geboten, da gibt es nichts zu meckern. Die Stimme von Jenna ist sicher nicht das neue Gesangswunder, bringt aber eine coole Naivität und Lässigkeit mit und passt super zum Sound der Band. Mit etwas mehr Wumms würden die Songs sicher mehr Popo treten, so aber klingt alles weitaus vertrauter und macht gerade deshalb Spaß. Dass die vier GöteborgerInnen ihrem Sound auch optisch perfekt entsprechen, nun ja, wir sind hier halt in Schweden.

Echte 70er Freaks werden ihren Spaß haben

Sicher, HONEYMOON DISEASE werden sich nicht so leicht von all den ähnlichen Bands absetzen, brauchen sich aber auch nicht verstecken. Wer Retro-Rock nicht erst über die zweite Welle der schwedischen Retro/Classic-Rocker definiert, sondern musikalisch in den echten 70ern aufgewachsen ist, der wird mit „Part Human, Mostly Beast“ viele Spaß haben. Wer sich an den abgefeierten aktuellen Superbands orientiert, dem könnten HONEYMOON DISEASE etwas zu zahm sein. Ich mag die Band! Nicht nur weil sie aus Göteborg kommt.

HONEYMOON DISEASE: Video zu „Electric Eel“ bei youtube

Veröffentlicht: 27.10.2017

Spielzeit: 45:07

Lineup:
Jenna – Vocals, Guitar
Acid – Guitar
Cedric – Bass
Jimi – Drums

Label: The Sign Records

Website: http://www.honeymoondisease.com

Mehr in Web: https://www.facebook.com/HoneymoonDisease

Die Tracklist zu „Part Human, Mostly Beast“:

1. Doin´ It Again
2. Only Thing Alive
3. Tail Twister
4. Rymdvals
5. Needle In Your Eye
6. Fly Bird, Fly High
7. Calling You
8. Four Stroke Woman
9. Night By Night
10. It´s Alright
11. Coal Burnin´

Teilen macht Freude:

Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!