TERRORIZER: World Downfall

TERRORIZER: World Downfall

Die Missstände der Welt anzuprangern, idealistisch zu denken, die Welt verändern zu können, mittels krasser Sprache zu verdeutlichen, dass es so nicht weitergehen kann, das ist der Gundgedanke des Grindcore, dem wütenden Bastard aus Punk, Hardcore und (Death-)Metal. Nicht Gore und Porno sondern ungezügelte Wut und Hass sind die Dreh- und Angelpunkte der intensivsten Musikrichtung dieser Erde. Den entscheidenden Schritt, diese Vision populär zu machen haben bereits vor 14 Jahren TERRORIZER gemacht. Das wohl einflussreichste Werk des Grindcore wird niemals veralten sondern seine Intensität und den erschreckenden Realismus für immer beibehalten.

Die 16, für die damilige Zeit perfekt, für die heutige Zeit ein wenig dumpf produzierten Songs auf World Downfall sind ein Schlag ins Gesicht von Moralaposteln, Kriegstreibern und dem Abschaum der Menschheit, der nicht in der unteren, sondern in der obersten Schicht der Gesellschaft zu suchen ist. Sänger Oscar Garcia, der nach TERRORIZER leider nicht mehr groß in Erscheinung getreten ist, brüllt seinen Hass gezielt aus sich heraus, lässt dem Feind keine Gnade, stellt ihn an den Pranger um ihn öffentlich zu bespucken und zu demütigen. Wer sich die Erde zum Feind macht, muss den Peiniger in den niedrigen Reihen suchen.

Jesse Pintado, der nach seiner Arbeit bei TERRORIZER zu NAPALM DEATH wechselte, schafft es in seinen Riffs die unglaubliche Frustration und den Hass besser umzusetzen, als jeder andere zu dieser Zeit. Kein virtuoses Gefiedel wird verwendet, dafür geht alles direkt in die Fresse. Pintado hat es auch heute nicht verlernt, doch seine Riffs bei TERRORIZER zählen zu den mit Abstand besten seiner Karriere. An den Drums findet sich ein weiterer Prominenter nämlich MORBID ANGEL-Schlagwerker Pete Sandoval. Über sein unglaubliches Drumming braucht man nicht viele Worte zu verlieren, eine derartige Leistung vollbrachte er erst wieder auf dem Meilenstein Domination. Er baut einige Gimmicks in die ansonsten recht straighten Beats. Genau das ist der Grund, warum World Downfall auch heute nicht angestaubt wirkt – diese Leistung schaffen selbst heute nur die wenigsten Drummer. Als letzter Mitstreiter tritt der ebenfalls sehr Prominente Dave Vincent (Ex-MORBID ANGEL, heute GENITORTURES) in Erscheinung, der neben seinem ultratiefen Bassspiel auch noch hier und da ein paar Backing Vocals zum besten gibt.

Die Leute sollten also bekannt sein, ebenso wie die Songs. After World Obliteration ist der perfekte Einstiegssong, brutal, groovig und irre schnell. Das Feuer lodert auch bei Storm of Stress weiter, doch bei Fear of Napalm brennt die Erde. Der dezente Einstieg mit seinem groovigen Feeling wird bald durch einen erbarmungslosen Blast Beat zerstückelt und endet in einer puren Mosh-Orgie. Und so geht es weiter. Jeder Song verdient es in die Ruhmeshalle des Grindcore ganz weit nach oben gestellt zu werden, doch einige Songs sind so dermaßen Gott, dass es nicht weiter geht. Corporation Pull-In ist einer der catchiesten Songs auf dem Album und bleibt mittels seinem Hardcore-Refrain für immer im Ohr. Unvergesslich. In Whirlwind Struggle wird gezeigt, wie schnell man die Double-Bass spielen kann und dass es auch im Grindcore der Achtzigern möglich war, an Songs herum zu experimentieren. Dead Shall Rise ist eine unvergleichliche Hymne, die einem alles an Atem raubt wie es nur geht. Oft gecovert, (fast) nie erreicht. Der abschließende Titelsong wirkt anfangs etwas erschöpft, als hätten die Musiker alles auf einmal eingespielt und gebrüllt, doch die letzten Reserven werden mobilisiert und ein letztes Mal bäumen sich TERRORIZER unbarmherzig auf, um ein Dorn im Arsch der Gesellschaft zu sein.

Wie viele Bands von TERRORIZER inspiriert sind, ist nahezu unmöglich zu sagen. Es müssen um die Tausend sein. Doch eins bleibt gewiss: Das einzige Album World Downfall hat diese Band und deren Musiker, bereits vor den Erfolgen ihrer späteren, bzw. anderen Bands zu Ikonen gemacht. Nur eins hat sich nicht verändert: Die Welt ist immer noch genauso schlecht wie damals, vielleicht sogar noch schlechter.

Auf dass sich die Menschheit bessern möge, auf TERRORIZER!

Ripped to Shreds

So damn tired of these lies

It looks so nice on the TV screen

Animal slaughter killed for profit

One just buys and gives no thought

Big Bad Business killing millions

For their greed, love for money

Always trying to make a buck

Can´t you see we want some truth

Ripped to shreds

Nothing to gain but murder

Bloody animal slaughter

Why we can´t understand life

VÖ: 1989

36:08

Oscar Garcia – Vocals

Jesse Pintado – Guitars

Dave Vincent – Bass Guitar, Vocals

Pete Sandoval – Drums

Produziert von Scott Burns

Earache Records

1. After World Obliteration

2. Storm of Stress

3. Fear of Napalm

4. Human Prey

5. Corporation Pull-In

6. Strategic Warheads

7. Condemed System

8. Resurrection

9. Enslaved by Propaganda

10. Need to Live

11. Ripped to Shreds

12. Injustice

13. Whirlwind Struggle

14. Infestation

15. Dead Shall Rise

16. World Downfall