SUBWAY TO SALLY: Bannkreis

SUBWAY TO SALLY: Bannkreis

Wenn es für SUBWAY TO SALLY-Fans einen gemeinsamen Nenner gibt, dann ist dieser wohl Bannkreis, das vierte Album der Potsdamer Folk-Rock-Formation. Dem ersten Eindruck nach sehr rockig, aber dank großflächigem Einsatz von exotischem Instrumentarium wie Rauschpfeife, Drehleier oder Geige mindestens ebenso folkig wie der direkte Vorgänger Foppt den Dämon, gelingt Bannkreis der ideale Spagat zwischen den beiden musikalischen Extremen. Noch bevor mit Hochzeit der erste größere Wandel im Sound der Band Einzug erhielt, konnten die sieben Musiker mit ihrem gewissermaßen letzten klassischen Album Maßstäbe setzen.

In der Tat sind Liebeszauber und vor allem das grandiose Mephisto, welches nach dem a capella Intro Alle Psallite Cum Luya die Platte eröffnet, auch heute noch gern gehörte Klassiker, ohne die ein Live-Set von SUBWAY TO SALLY unvollständig wirkt. Doch sind dies bei weitem nicht die einzigen Stücke mit enormem Hitcharakter. Neben der gerade erwähnten Faust-Verbeugung Mephisto und der geradlinigen, aber zugleich dynamischen, Rocknummer Unterm Galgen sind es nämlich vor allem die Hits aus der zweiten Reihe, die Bannkreis so interessant machen. Füllmaterial sucht man vergebens. Stattdessen gibt es mit dem süßlich-verlockenden Schlaflied, der bitteren Rock-Halbballade Element des Verbrechens, sowie dem treibenden Zu Spät eine ganze Reihe an Tracks, die mit jedem Hören wachsen und so das Album auch langfristig spannend halten.

Zu verdanken ist dies vor allem dem ausgefeilten Songwriting samt der songdienlich eingebundenen E-Gitarre, die zwar allzeit präsent ist, aber immer im rechten Moment zurücktritt, um Geige, Drehleier und Blasinstrumenten das Feld zu überlassen. Ähnlich souverän agiert Drummer David Pätsch, der hier das erste Mal für SUBWAY TO SALLY auf einer Studioproduktion zu hören ist und mithilfe vieler Details, wie kurzen Doublebass-Einsätzen, dem kräftigen und erdigen Rhythmusgerüst die nötige Abwechslung spendiert. Die Kombination aus satter, rockiger Grundlage und melodischen wie authentischen Folk-Melodien verleiht der Platte letztlich einen zeitlosen, unverwechselbaren Klang, welcher auch heute noch gut anzuhören ist. Dass sich SUBWAY TO SALLY lyrisch keine Blöße geben, ist hingegen fast schon selbstverständlich. Ob nun großer Literatur gehuldigt wird (Mephisto, Element des Verbrechens), bei Kruzifix kritischere Töne angeschlagen werden oder einfach in Rätseln gesprochen wird, die Texte aus Bodenskis Feder resultieren nie in bloßer Phrasendrescherei, sondern dürfen gut und gerne als ernstzunehmende Lyrik bezeichnet werden. Aussetzer findet man auf dem Album somit nirgendwo, denn auch Frontmann Eric Fish konnte sich im Vergleich zu Foppt den Dämon deutlich steigern und zeigt, obwohl er sein wahres stimmliches Potential erst in den nachfolgenden Jahren entdecken sollte, eine mehr als respektable Leistung.

SUBWAY TO SALLY schufen hier einen Meilenstein im Genre des mittelalterlichen Folk-Rocks und sicherlich auch eine der besten deutschsprachigen Rock-Platten der Neunziger. Bannkreis ist durchdacht, innovativ, mitreißend – kurz, ein wahrlich großes Album.

Veröffentlichungstermin: 01.09.1997

Spielzeit: 47:02 Min.

Line-Up:
Eric Fish: Gesang, Dudelsack, Schalmei
Frau Schmitt: Violine
Bodenski: Gitarre, Drehleier, Gesang
Simon: Gitarre, Gesang
Ingo Hampf: E-Gitarre, Dreyfuß, Ud, Renaissancelaute
Sugar Ray Runge: Bass
David: Schlagzeug, Percussion

Produziert von Ingo Hampf, Ekkehard Strauhs, Ronald Prent
Label: BMG Ariola

Homepage: http://www.subwaytosally.de

MySpace: http://www.myspace.com/subwaytosally

Tracklist:
01. Alle Psallite Cum Luya
02. Mephisto
03. Unterm Galgen
04. Ein Baum
05. Das Rätsel
06. Kruzifix
07. Sanctus
08. Zu Spät
09. Liebeszauber
10. Element des Verbrechens
11. Schlaflied
12. Syrah

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