SLAYER: Show No Mercy

SLAYER: Show No Mercy

Das Jahr 1983 war so was wie der zweite Urknall! Hatte uns der erste diesen halbwegs akzeptablen Planeten beschert, so verdanken wir dem zweiten einen deutlichen Umbruch in der damaligen Hard `n´ Heavy-Szene. In eben diesem Jahr erschienen zwei Alben, die dazu führten, das man nicht einfach mehr nur ein Metaller war und schadlos ebenso Haarspray-Rock sowie harten Metal hören konnte. Mit dem Erscheinen von METALLICAs Kill ´em all und SLAYERs Show no mercy hieß es, Flagge zu zeigen! Entweder man war Poser, dann durfte man alles hören was es so an melodischem Hard `n´ Heavy-Rock gab. Oder man war ein echter Metaller, dann durfte man nur noch die richtig harten Sachen hören. Und der erste wirkliche Schlag in die Magengrube der Poser war neben METALLICAs Debüt der Erstling der ungleich derberen SLAYER. Wo METALLICA irgendwie eher als freche Rotzlöffel rüber kamen und auch musikalisch differenzierter und technischer vorgingen, ließen SLAYER erbarmungslos den Höllenhammer kreisen und bauten auf ein megaböses Erscheinen mit finster geschminkten Augen, umgedrehten Kreuzen und satanistischem Getue. Und eben darauf baute auch die erste LP Show no mercy auf.

Damals wie auch heute noch reichten 20 Sekunden, um durchzudrehen: ein wild-schrammeliges Riff, ein markerschütternder Schrei, einfließend in kranke Leads, und man findet sich wieder in der ersten Schlacht der (für damalige Verhältnisse) wildesten Extreme. Egal ob schnelles Geschrubbe wie beim Opener Evil has no boundaries, Agressive perfector oder The final command oder bei Songs, die auf einen packenden Groove aufsetzten und zum Pflichtprogramm wurden für Headbanger und Luftgitarrespieler wie The antichrist, Die by the sword oder das bedrohlich melodisch beginnende Black magic night; man hatte einfach das Gefühl, das man von einer nie zuvor gekannten Härtewelle überrollt wurde. Basser Araya hatte eine männliche, eindringliche Stimme (eher eine Art Sprechgesang) und Drummer Lombardo prügelte sich durch die Songs, dass selbst Nichtmusiker schlichtweg überwältigt waren. Ein derartiges Trommelgewitter kannte man von den Schlagzeugern anderer angesagten Bands bisher nicht.
Dazu kam ein Gitarristenduo, wie es extremer kaum sein konnte: ein faszinierendes Wechselspiel aus wohl durchdachten, durchaus melodischen Leads und dem gegenüber hysterische, scheinbar schlichtweg chaotische Solo-Ausbrüche. Das ganze gekrönt von Riffs, die vor Energie und Aggression nur so strotzen und einem zusammen mit Szene-Guru Brain Slagel und Bill Metoyer gezimmerten Sound, der absolut fett war und die Boxen zum Beben brachte. Für die Metal-Heads zeigte sich ein ganz neuer Horizont auf. Mit SLAYERs Show no mercy musste sich von nun an alle neu erscheinenden Thrash-Scheiben messen.

Interessant war auch das Theater um dem Track Agressive perfector, der auf Brain Slagels Label Metal Blade Anfang ´83 den dritten Release der legendären Samplerreihe Metal Massacre eröffnete und das Potential dieser Band (neben Bands wie VIRGIN STEELE, TYRANT, WARLORD, BITCH u.a.) erstmals der Metalgemeinde dokumentierte. Als Extra-Track für den Europa-Release über Roadrunner Records wurde der Song auf dem Frontcover fälschlich als Agressive protector angegeben, auf der Tracklist der LP taucht der Song gar nicht auf. Witzig auch die 1984 folgende CD, die in einer sonderbaren Klapphülle ähnlich einem Maxi-Case erschien, aber die Rückseite wurde weggeknickt um an die CD zu kommen.

Und: der erste Eindruck des chaotischen Wahnsinns verschwand ziemlich schnell, wenn man zum ersten Mal versuchte, den Anfangslauf von Fight till death oder den Lauf von Metalstorm mitzuspielen, den Titelsong mitschrubben wollte oder gar versuchte, eins der kranken Soli nachzusägen. Das war nicht nur Krach, das war (für damalige Verhältnisse) Musikalität auf höchstem Niveau und brachte so manchen Gitarristen zur Verzweiflung. Und das zu einer Zeit, als es noch keine Speziallegierten Hyperspeedhälse gab, die Saiten noch nicht auf die Höhe eines Fliegenfurz runtergeschraubt werden konnten oder das technische Equipment Raum zum Schummeln ließ, wie es heute so leicht möglich ist. Spielweise, Technik und natürlich der Sound haben mit dieser einen Scheibe eine ganze Szene maßgeblich geprägt und SLAYER für alle Ewigkeit einen Platz im Olymp des Heavy Metal gesichert.

Veröffentlichungstermin: 1983

Spielzeit: 38:48 Min.

Line-Up:
Tom Araya – Vocals, Bass
Kerry King – Guitars
Jeff Hanneman – Guitars
Dave Lombardo – Drums

Produziert von Slayer & Brian Slagel
Label: Metal Blade Records (USA), Roadrunner Records (Europa)

Homepage: http://www.slayer.net

Tracklist:
1. Evil has no boundaries
2. The antichrist
3. Die by the sword
4. Fight till death
5. Metalstorm/Face the slayer
6. Agressive perfector
7. Black magic
8. Tormentor
9. The final command
10. Crionics
11. Show no mercy

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Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!