SCHANDMAUL: Wahre Helden

SCHANDMAUL: Wahre Helden

Als 1999 SCHANDMAULs Debütalbum Wahre Helden das Licht erblickte, wilderten die damaligen Genregrößen IN EXTREMO und SUBWAY TO SALLY schon längst in härteren Gefilden. Die Münchner Folk-Rocker verfolgten dagegen einen ganz anderen Ansatz. Weitaus mehr im folkloristischen Bereich verankert und weniger gitarrenorientiert, füllten SCHANDMAUL, ohne es zu wissen, die Lücke zwischen gewöhnlicher Folk-Musik und den ungleich härteren Rock-Pendants. Dass ausgerechnet das in Eigenregie produzierte Wahre Helden, das wohl überhaupt nur aufgrund unablässiger Nachfrage nach einem Tonträger entstanden ist, den Grundstein für eine der heutzutage größten Mittelalter-/Folk-Rock Bands legen sollte, konnte damals noch niemand ahnen…

Aber das spricht wiederum für die Qualität dieses Erstlingswerks, das für DIY-Verhältnisse nicht nur ausgesprochen gut produziert ist, sondern auch schon mit überraschend durchdachtem Songwriting aufwarten kann. Teufelsweib etwa hat noch immer einen festen Platz im Live-Set der Bayern und mit Willst Du? findet sich sogar die vielleicht schönste Ballade im kompletten Folk-Rock-Sektor auf dem Album. Doch das live zu unrecht verschmähte Der Spielmann oder das heiter-beschwingte Trinklied spielen ebenso ganz oben mit und dürfen zusammen mit dem tollen Denk An Mich als die heimlichen Höhepunkte von Wahre Helden angeführt werden.

Anders als auf späteren Veröffentlichungen SCHANDMAULs haben auf Wahre Helden ganze fünf Instrumentalstücke ihren Platz gefunden, die zudem – und auch das ist für das Sextett ungewöhnlich – allesamt auf traditionelle Melodien zurückgehen. Einziger Kritikpunkt daran ist wohl, dass mit Püree oder Galliard zwei Stücke nicht ganz das Niveau des restlichen Materials erreichen; doch haben es Instrumentals ohnehin meist etwas schwerer. Nicht davon betroffen ist selbstverständlich die Sackpfeifen-Rocknummer Dudelzack, die zusammen mit dem Hexentanz und dem verträumten Ein Stück Regenbogen bedenkenlos zu den Hits aus der zweiten Reihe gezählt werden kann.

SCHANDMAULs Debüt ist selbst nach zehn Jahren immer noch ein großartiges Album, dem man sein Alter in produktionstechnischer Hinsicht zwar mittlerweile anmerkt, das aber musikalisch so frisch und unverbraucht wie eh und je klingt. Aus heutiger Sicht muss man vielleicht eingestehen, dass die Band zu damaliger Zeit ihren künstlerischen Zenith noch vor sich hatte, an der Klasse dieser CD ändert das jedoch nichts. Wahre Helden darf in keiner Folk-Rock-Sammlung fehlen und hat sich seinen Platz in der Hell Of Fame redlich verdient.

Veröffentlichungstermin: 01.06.1999

Spielzeit: 46:55 Min.

Line-Up:
Thomas Lindner: Gesang, Gitarre, Akkordeon, Percussion
Birgit Muggenthaler: Flöten, Schalmeien, Dudelsäcke, Didgeridoo, Percussion, Gesang
Anna Kränzlein: Geige, Flöte, Gesang
Martin Duckstein: E-Gitarre, Akustikgitarre, klassische Gitarre, Gesang
Hubsi Widmann: Bass, Mandoline, Drehleier, Gesang
Stefan Brunner: Schlagzeug, Percussion, Gesang

Produziert von Hubsi Widmann und SCHANDMAUL
Label: Eigenproduktion

Homepage: http://www.schandmaul.de

MySpace: http://www.myspace.com/schandmaulmusic

Tracklist:
01. Der Spielmann
02. Dudelzack
03. Teufelsweib
04. Blechpfeiferl
05. Denk An Mich
06. Püree
07. Hexentanz
08. Willst Du?
09. Galliard
10. Wahre Helden
11. Trinklied
12. Immer Dieselbe Leier
13. Ein Stück Regenbogen