IN FLAMES: The Jester Race

IN FLAMES: The Jester Race

Die Frage nach dem besten IN FLAMES-Album birgt Potenzial für hitzige Diskussionen und jede Menge eingeschlagene Köpfe. Betrachtet man den Diskurs aus einiger Entfernung, so stellt man fest, dass zwei Alben der Schweden mit besonders vielen Nennungen bedacht werden. Zusammen mit Clayman konkurriert vor allem The Jester Race, das zweite Studioalbum aus dem Jahr 1996, um den Titel.

Vollkommen zu recht, wie man nach dem Einlegen der Platte feststellen wird. Denn The Jester Race ist Melodic Death Metal par excellence und das ganz ohne irgendwelchen weiteren Firlefanz. Klargesang sucht man genauso vergebens wie inflationäre Synthesizer- beziehungsweise Keyboard-Teppiche. Stattdessen legen IN FLAMES hier nichts anderes vor als ein Meisterstück der Göteborger Death Metal-Szene.

Dies untermauert bereits der hochklassige Opener Moonshield, der zunächst mit Akustik-Gitarren einleitet, bevor deren verzerrte Pendants in das eingängige Hauptriff einsteigen. Eingängigkeit hatte damals übrigens noch eine etwas andere Bedeutung. Denn obwohl The Jester Race von seinen melodischen Lead-Gitarren und dem charakteristischen Göteborg-Riffing lebt, sind IN FLAMES auf ihrem Zweitwerk von der Massentauglichkeit eines A Sense Of Purpose meilenweit entfernt. Natürlich mag ein Hauptgrund dafür in den Vocals von Anders Fridén zu finden sein, der 1996 noch keinen Gedanken an Klargesang verschwendete, sondern sich ausnahmslos growlend durch vierzig kurzweilige Minuten schreit. Aber selbst ohne diesen Unterschied wären Stücke wie der unverkennbare Titeltrack oder die beiden makellosen Instrumentals The Jester´s Dance sowie Wayfaerer heutzutage für die Schweden beinahe unvorstellbar. Von der großartigen Lead-Gitarre in Lord Hypnos oder dem unübertrefflichen Artifacts Of The Black Rain ganz zu schweigen. Letzteres kann zudem bedenkenlos zu den besten Melodic Death Metal-Songs aller Zeiten gezählt werden, was nicht zuletzt an der zeitlosen wie unsterblichen Gitarrenarbeit des damaligen Duos Jesper Strömblad und Glenn Ljungström liegt. Der spätere Gitarrist Björn Gelotte saß bei The Jester Race übrigens noch hinter dem Schlagzeug und sollte erst fast zwei Jahre später an seinen heutigen Posten wechseln.

Früher war also alles besser? Nicht ganz, denn einerseits konnte sich gerade Sänger Anders trotz solider Leistung auf The Jester Race in den Folgejahren noch deutlich steigern und eine größere stimmliche Bandbreite entwickeln und zum anderen kann die damalige Produktion rein von der Durchschlagskraft natürlich nicht mit aktuellen Standards mithalten. Aber das muss sie ja auch gar nicht, denn The Jester Race ist aus heutiger Sicht nicht einfach nur oldschool, sondern besitzt einen ganz eigenen, rauen Charme, der zumindest mir einhundert mal lieber ist als der sterile Plastikramsch, der jüngst verstärkt die Regale überflutet.

Mit ihrem zweiten Werk haben IN FLAMES einen absoluten Klassiker und eines der wichtigsten Melodic Death Metal-Alben geschaffen, das viele nachfolgende Bands beeinflusst und in jeder gut sortierten Metal-Sammlung seinen wohlverdienten Platz gefunden hat. Aber wem erzähle ich das, ein Blick ins eigene Regal sollte das ja wohl bestätigen, oder?

Veröffentlichungstermin: 20.02.1996

Spielzeit: 40:07 Min.

Line-Up:
Anders Fridén – Vocals
Jesper Strömblad – Guitars
Glenn Ljungström – Guitars
Johan Larsson – Bass
Björn Gelotte – Drums, Guitars

Produziert von Fredrik Nordström
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.inflames.com

MySpace: http://www.myspace.com/inflames

Tracklist:
01. Moonshield
02. The Jester´s Dance
03. Artifacts Of The Black Rain
04. Graveland
05. Lord Hypnos
06. Dead Eternity
07. The Jester Race
08. December Flower
09. Wayfaerer
10. Dead God In Me

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