FAUN: Renaissance

FAUN: Renaissance

Seit ihrer Gründung im Jahr 1999 genießen FAUN im deutschen Folk- und Mittelaltersektor eine gewisse Ausnahmestellung. Abseits vom populären Mittelalter-Rock und der puristischen Marktmusik haben sich die Münchner mit ihrem so genannten Pagan-Folk eine ganz eigene Nische geschaffen, die ihnen bis heute eine gewisse Einzigartigkeit bestätigt. Mystische Töne und Melodien, detailverliebt und mit viel Sachverstand instrumentiert, treffen auf traditionelle Tänze und werden von modernen Beats und Rhythmen aus dem Computer unterlegt. Die so entstehenden atmosphärischen Klangwelten erreichten 2005 mit Renaissance einen ganz besonderen Höhepunkt. Strukturierter, variabler und romantischer als der Vorgänger Licht und in der Ausrichtung weit vom düsteren Totem entfernt, gelingt es Renaissance, auch dank seines harmonischen Gesamtbilds, die Essenz und den Geist dieser Musik perfekt einzufangen und auch auf CD zu etwas ganz Besonderem zu machen.

Ganz gleich ob man nun die schnelleren Stücke wie das Instrumental Rhiannon und den tanzbaren Opener Satyros nimmt, oder sich den atmosphärischen, teils verträumten Balladen Tagelied und Rosmarin hingibt, FAUN verstehen es wie keine Zweiten, fremde Klangwelten zu kreieren, in denen man sich dennoch sofort heimisch fühlt. Zu verdanken ist dies neben den durchdachten Arrangements vor allem den tollen Gesangsleistungen von Oliver Sa Tyr, Lisa Pawelke und Fiona Rüggeberg. Sphärisch, aber doch greifbar finden sie immer die richtige Intonation, um den Hörer an sich zu binden. Vor allem beim erhabenen Sirena, das mit Dudelsackklängen und Meerrauschen einleitet, kann man das Salz in der Luft förmlich riechen, wohingegen sich beim verträumten Königin die weiten und noch schlafend liegenden Felder und Auen des zugehörigen Königreichs vor dem geistigen Auge manifestieren, während Harfe und Flöten die fast schon andächtige Stimmung bis in die Gehörgänge tragen. Bei so viel Kopfkino verzeiht man dann auch gerne den arg repetitiven Charakter von Iyansa, das trotz vieler interessanter Ansätze im instrumentalen Bereich nicht mit dem restlichen Material mithalten kann. Dafür entschädigt wiederum das mit Flöte und Harfe sehr traditionell gehaltene Loibere Risen, das besonders von Lisa Pawelkes gefühlvollem Gesang lebt. Mit dem abschließenden Achtminüter Das Tor gibt sich die Formation hingegen fast schon experimentell und unterlegt einen eigentlich sehr zurückgenommenen Song mit einem einfachen, aber gerade deshalb umso eindringlicher wirkenden Beat, der zusammen mit der reduzierten Flöte einen geradezu hypnotischen Effekt entwickelt.

Renaissance ist ein Album für gewisse Stunden. Das ist keinesfalls negativ gemeint, sondern liegt vielmehr in der Natur der Sache. Denn auch wenn man die Platte nicht Tag und Nacht hören kann, findet sich zwischen all der Hektik und dem Stress des Alltags immer wieder das Bedürfnis, für ein paar Momente abzuschalten und sich in eine fremde Welt entführen zu lassen. Genau diesen Zufluchtsort haben FAUN mit ihrem dritten Studiowerk geschaffen und allein die Tatsache, dass selbiger auch nach mehreren Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat, zeugt davon, dass der Formation mit Renaissance ein erhabenes Stück Musik gelungen ist.

Veröffentlichungstermin: 14.06.2005

Spielzeit: 50:55 Min.

Line-Up:
Oliver Sa Tyr – Vocals, Bouzouki, Nyckelharpa, Celtic Harp, Jews Harp
Lisa Pawelke – Vocals, Hurdy Gurdy
Fiona Rüggeberg – Vocals, Recorders, Whistles, Bagpipes, Seljefloit
Rüdiger Maul – Tar. Riq. Davul, Panriqello, Darabukka, Timba, Gaxixi, Percussions
Niel Mitra – Sequenzer, Sampler, Synthesizer, Fl Studio, Buzz, Logic Audio, Tascam US 22, Boss DR 202, Korg Alpha, Granular Synthesis, Folder Synthesis, Feedbacks

Produziert von FAUN
Label: Curzweyhl

Homepage: http://www.faune.de

MySpace: http://www.myspace.com/paganfolk

Tracklist:
01. Satyros
02. Da Que Deus
03. Tagelied
04. Rhiannon
05. Sirena
06. Königin
07. Iyansa
08. Loibere Risen
09. Rosmarin
10. Das Tor

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