CROWN OF THORNS: The Burning

crown of thorns the burning cover

Ist dieses Album gut genug, um in der HELL OF FAME aufzutauchen? Es gibt zugegebenermaßen wichtigere Scheiben, doch das Erstwerk von CROWN OF THORNS, die sich mittlerweile THE CROWN nennen, verdient dennoch Beachtung. „The Burning“ ist eben nur ein Vorgeschmack auf die Hammeralben, die THE CROWN später veröffentlichen werden. Das Album überzeugt noch nicht mit grandiosem, durchdachtem Songwriting, sondern mit einer äußerst rohen und brutalen Mischung aus skandinavischem und amerikanischem Death Metal. Wobei, erahnen lässt sich schon, in welche Richtung die Band gehen wird: „Godless“ hat schon etwas von der Vielseitigkeit und Unbekümmertheit, mit der sich die Band später durch das Dickicht des extremeren Metals holzen wird. Auch „I Crawl“ wirft den Schatten einer massiven, untrennbaren Vereinigung von Melodie, Härte und Geschwindigkeit voraus – auch wenn zwischen den einzelnen Parts letztendlich die zwingende Übergänge fehlen. In den Songs von „The Burning“ kann man schon fantastische Gitarrenparts finden, gerade in „I Crawl“ verstecken sich wunderbare, zweistimmige Gitarrenläufe, denen Lavagurgler Johan Lindstrand auch genügend Raum lässt. Seine Vocals waren schon damals erstaunlich heftig und direkt, obwohl er seinen eigen Stil noch nicht so ganz gefunden hatte. Eine Kritik, die sich ohne weiteres auf das gesamte Album übertragen lässt: „The Burning“ ist kein schlechtes Album, doch gemessen an den Nachfolgealben kann es nicht zu 100 Prozent überzeugen.

Neben den bereits erwähnten Songs und neben etwas langatmigen, konventionellen Stücken wie „Soulicide Demon-Might“ oder „Forever Heaven Gone“ findet sich mit „Earthborn“ ein weiterer Track, in dem sich mitten in das Geballere eine Melodie einschleicht, vom Songwriting her eine durchaus beachtliche Leistung für ein Debüt einer blutjungen Band. Auch „Candles“ sticht mit seinem schleppenden Aufbau, der langsam, aber unerbittlich alles niederwalzt, und einem düsteren Gitarrenteil aus dem Songmaterial hervor. THE CROWN machten nicht den Fehler, so schnell wie nur irgend möglich zu spielen, sondern setzten schon damals – zumindest stellenweise – auf eigene Ideen und Atmosphäre, die ungleich brutaler war und ist als kompromissloses Geprügel.

„Lord Of The Rings“ hingegen ist deutlich amerikanisch beeinflusst, überaus rhythmusbetont verweist der Track mit dem kultigen Text (man nehme einfach das bekannteste Tolkien Zitat und wiederhole es) auf DEICIDE und Kollegen. Auch „Forget The Light“ bietet besten Death Metal Stoff, bei diesem Song holt Lindstrand wirklich das letzte aus seinen Stimmbändern, und auch das Gitarrenduo Tervonen/Sunesson überzeugt mit Slayer-mäßigem Gitarrengequitsche und mitreißendem Riffung.

Erwähnenswert ist vor allem die schon damals überdurchschnittliche Leistung von Drummer Saarenpää, der nicht nur präzise spielt, sondern durchaus schon Akzente setzen kann und beweist, dass ein Schlagzeug mehr als bloßer ein Taktgeber sein kann. Wer ein solides Death Metal Album sucht, auf dem sich eine Handvoll wirklich guter Ideen verstecken und das mit durchaus ordentlichen, wenn auch teilweise unspektakulären Songs, gemessen an dem, was von dieser Band noch kommen sollte, anfreunden kann, der sollte „The Burning“ antesten – zumal die Jungs schon damals wirklich gute Ideen hatten, diese im Songwriting aber noch nicht so ganz stimmig umsetzen konnten. Dafür ballert „The Burning“ mehr als ordentlich…

Tracklist:

Of Good And Evil

Soulicide Demon-Might

Godless

The Lord Of The Rings

I Crawl

Forever Heaven Gone

Earthborn

Neverending Dream

Night Of The Swords

Candles

Forget The Light

Besetzung:

Marko Tervonen – Gitarre

Johan Lindstrand – Vocals

Marcus Sunesson – Gitarre

Magnus Olsfelt – Bass

Janne Saarenpää – Schlagzeug

Spielzeit: 45:09

VÖ: 1995

Label: Black Sun Records

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andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...