BRUTAL TRUTH: Extreme Conditions Demand Extreme Responses

BRUTAL TRUTH: Extreme Conditions Demand Extreme Responses

Knapp zwanzig Jahre ist es her, als BRUTAL TRUTH mit Extreme Conditions Demand Extreme Responses ihr Debüt-Album vorlegten, das dem Grindcore von anno dazumal eine besondere Schlagseite verabreichte. Wohl auch deshalb, weil es die Band vorzüglich verstand, auch einmal das Tempo zu drosseln, um so ihrer Musik und ihren Texten noch mehr Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen.

Birth of Ignorance, der Opener nach dem kurz gehaltenen Intro P.S.P.I., kann da etwa als Beispiel herhalten, bildet doch dieser Song eine Symbiose aus (fürs Genre) melodischem Riffing, Blast Beat-Attacken und wechselt beim Gesang zwischen Growls und hysterischen Screams. Auch weiterhin verstanden es die Mannen rund um Sänger Kevin Sharp und Bassist Danny Lilker, den Songs eine unbändige Kraft mit auf die Reise in die Ohrmuschel der Hörer mitzugeben, so dass die Musik – auch heute noch – sprichwörtlich unter die Haut geht. So ist das Riffing bei Ill-Neglect, zu dem im Übrigen auch ein Video gedreht wurde, von einfacher, jedoch einprägsamer Natur.

Die Intensität, mit der BRUTAL TRUTH ihre zumeist politisch motivierten Aggressionen musikalisch auslebten, hat auch im weiteren Verlauf der Scheibe Bestand. Und was bei der New Yorker Band besonders ins Gewicht fällt, ist die Abwechslung, die insbesondere bei Grindcore Bands – damals wie heute – nicht immer als selbstverständlich gelten kann. So mischen sich in die kurzweiligen Tracks immer wieder interessante Elemente wie gelungene Breaks (Anti-Homophobe), kleinere Bass-Spielereien (Regression, Progression oder Time), diverse Soundsamplesss (Wilt) oder etwa der Rekordhalter für das kürzeste Musikvideo (Collateral Damage).

Instrumental sind BRUTAL TRUTH über jeden Zweifel erhaben: Brent McCarty rifft sich rasch und sicher durch die Songs, der unverwüstliche Danny Lilker hat seine Bass-Saiten stets bestens im Griff und Scott Lewis bearbeitet die Felle, wie es sich für extreme Musik gehört (diesbezüglicher Anspieltipp: Walking Corpse und H.O.P.E.). Zusätzlich verleiht Kevin Sharp den Texten mit seinen Growls den ganz besonderen Touch.

Aber auch von der Produktion wird man nicht enttäuscht – gerade dann, wenn man Extreme Conditions Demand Extreme Responses in einer Vinyl-Version sein Eigen nennen kann. Denn gerade dann vermengt sich der etwas wärmere Klang, der sich über die Plattenspielernadel zu den Boxen schlängelt, mit der kühlen Kraft der anklagenden Musik. Und damit schließt sich gewissermaßen der Kreis: Denn es war und ist die Mischung sowie die Abwechslung, die BRUTAL TRUTHs Erstlingswerk von der Masse abhob und es auch heute noch zu einer empfehlenswerten Referenz macht, wenn die Sprache von extremer Musik mit Niveau ist.

Veröffentlichungstermin: 7. September 1992

Spielzeit: 45:04 Min.

Line-Up:
Kevin Sharp – Gesang
Brent McCarty – Gitarre
Dan Lilker – Bass, Sampling & Backing Vocals
Scott Lewis – Schlagzeug

Label: Earache Records

Homepage: http://www.brutaltruth.com

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/brutalfuckingtruth

Tracklist:
1. P.S.P.I
2. Birth of Ignorance
3. Stench of Prophet
4. Ill-Neglect
5. Denial of Existence
6. Regression-Progression
7. Collateral Damage
8. Time
9. Walking Corpse
10. Monetary Gain
11. Wilt
12. H.O.P.E
13. Blockhead
14. Anti-Homophobe
15. Unjust Compromise

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Christian Wögerbauer

Seit 2005 bei Vampster und Lieferant für Reviews, News, Live-Berichte und -Fotos.

Genres: Doom, Death, Gothic, Sludge