GRAVE PLEASURES: Motherblood

GRAVE PLEASURES: Motherblood

Auf „Motherblood“ sind tatsächlich Textzeilen wie „My heart goes boom-boom-boom“ zu hören – ernsthaft, Mr. McNerney?! Und doch passen diese Wörter, die man sonst nur von Disco-Trash-Nummern kennt, ganz wunderbar in den Song „Falling For An Atom Bomb“. Denn GRAVE PLEASURES haben mit „Motherblood“ den Soundtrack für den letzten Tag vor der Apokalypse geschrieben – und zwar für diejenigen, die in den verbleibenden Stunden nochmals so richtig feiern, weil man ja eh nichts mehr ändern kann.

Und so kombiniert GRAVE PLEASURES-Mastermind Mat McNerney (u.a. auch HEXVESSEL) unwiderstehlich eingängige Melodien mit trotziger Resignation, fiebriger Wut und dem unbändigen Willen, nochmals so richtig schmutzigen Spaß zu haben. Willkommen zum ungezügelten Tanz am Rande von Abgründen, auf Vulkanen und am Ende des Verstandes!

„Motherblood“ ist voller Zitate – und doch viel mehr als eine Kopie

„Motherblood“ zitiert die großen Bands wie JOY DIVISION, frühe SISTERS OF MERCY, KILLING JOKE, ganz alte THE CURE (wäre Robert Smith heute doch nur annährend so überzeugend wie McNerney in „Mind Intruder“!) und gießt daraus Post-Punk-Songs, die einerseits verdammt catchy sind und andererseits durch wütende Punk-Anleihen eine unglaubliche Tiefe haben.

„Doomsday Rainbows“ geht direkt in die Beine – trotz der verzweifelten Zeilen „Our Time Is Up“. „Mind Intruder“ hat einen mitreißenden 80er Jahre-Dark-Rock- Basslauf, sowas hat man lange nicht mehr gehört. Mit seinem unwiderstehlichen Groove wäre „Falling For An Atom Bomb“ ein Tanzflächenfüller in jedem Gothic-Discoschuppen, wenn es die denn noch gäbe. Bei „Atomic Christ“ läutet McNerney mit finsteren Beschwörungsformeln dann endgültig die letzten Stunden ein – der Song steigert sich zur Untergangshymne, mit der man sich gerne dem Unvermeidlichen hingibt.

GRAVE PLEASURE machen da weiter, wo BEASTMILK aufhörten

Mit der Ende 2016 veröffentlichten Single „Funeral Party“ deuteten GRAVE PLEASURES schon an, welche Richtung die Band mit der stetig wechselnden Besetzung um McNerney einschlagen wird: Die B-Seite „Cold War Funeral“ erinnerte noch an das GRAVE PLEASURES-Album „Dreamcrash„, das leider nicht ganz an das überragende Album „Climax“ der Vorgängerband BEASTMILK heranreichte. Wo auf „Dreamcrash“ die Weltuntergangsstimmung zur öden Routine wurde, folgte man BEASTMILK auf „Climax“ vollkommen widerstands- und willenlos ins Verderben. Und genau diese gefährliche Anziehungskraft haben GRAVE PLEASURES jetzt wieder. Man könnte sogar meinen, auf „Motherbeast“ alte, aus der BEASTMILK-Zeit übrig gebliebene Ideen zu hören: „Infatuation Overkill“ erinnert sehr an den Song „Tight Rope Tightens“ von HELLO BLACK HOLE, der Band um den ex-Beastmilk-Gitarristen Johan „Goatspeed“ Snell, der mit der EP „In No Good Hand“ im März 2017 seine schrammelige Indie-Version des BEASTMILK-Sounds veröffentlichte. Hätten GRAVE PLEASURES auf „Motherblood“ noch eine MISFITS-Gedächtnis-Nummer wie „Fear Your Mind“ (zu hören auf „Climax“) gepackt, wäre das Album fast schon mehr als perfekt geworden. Lasst uns mit den Toten tanzen – denn hier gibt’s kein Morgen!

VÖ: 29. September 2017

Label: Century Media

Besetzung:
Mat McNerney – Gesang
Juho Vanhanen – Gitarre
Aleksi Kiiskilä – Gitarre
Valtteri Arino – Bass

GRAVE PLEASURES „Motherblood“ Tracklist

1. Infatuation Overkill (Video bei YouTube)
2. Doomsday Rainbows
3. Be My Hiroshima (Video bei YouTube)
4. Joy Through Death (Video bei YouTube)
5. Mind Intruder
6. Laughing Abyss
7. Falling For An Atom Bomb
8. Atomic Christ
9. Deadenders
10. Haunted Afterlife
11. There Are Powers At Work In This World (3:33) [bonus track]

Homepage: http://gravepleasures.com/
Mehr im Netz: facebook.com/gravepleasures

 

 

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andrea
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