GIRLSCHOOL: Demolition / Hit And Run / Screaming Blue Murder [Re-Releases][Vinyl]

GIRLSCHOOL: Demolition / Hit And Run / Screaming Blue Murder [Re-Releases][Vinyl]

GIRSCHOOL, vielleicht DIE Frauenband im Hard`n´Heavy-Zirkus. Während nahezu all die bekannten Frauenbands, ihre Soloableger und Bands mit Vorzeigesängerin nicht wirklich lange Bestand hatten, rocken diese Mädels aus England schon ewig mal mehr, mal weniger erfolgreich ihr Ding und sind auch heute immer noch gern gesehene Gäste auf dem ein oder anderen Festival. Anfangs gepusht durch ihre Helferlein MOTÖRHEAD und danach die Glam-Rocker SLADE haben sie nie wirklich aufgegeben, die größte Aufmerksamkeit hatten sie aber eher an Anfang ihrer nunmehr fast 40-jährigen Bandgeschichte. Schön, dass man sich nun die ersten drei Alben wieder als Vinyl zulegen kann, das fühlt sich passend zur Musik der Damen herrlich Oldschool an.

Das Debüt „Demolition“ war 1980 schnell im Gespräch, eine Frauenband, optisch eher Richtung Pub oder Punkclub, längst nicht so aufreizend wie z.B. THE RUNAWAYS und Co, aber nicht so Massenkompatibel wie die damalige Rock`n´Roll-Queen SUZI QUATRO. Zudem noch unterstützt von MOTÖRHEADS Lemmy und Phil, die Zielgruppe war schnell ausgemacht Richtung der aufkeimenden NWoBHM. Und wurde entsprechend bedient, der Opener „Demolition Boys“ rumpelt in bester MOTÖRHEAD-Manier daher, die Herren hatten wohl zwischen „Bomber“ und „Ace Of Spades“ Langeweile. Oft gingen Gerüchte um, sie hätten auch hier die Songs eingespielt. Aber die Songs und die musikalische Darbietung sind so ehrlich und simpel, da war sicher kein massives Eingreifen der Herren nötig. Ein wenig JOAN JETT-Flair bei „Not For Sale“, beswingt treibend „Race With The Devil“, ein Coversong von THE GUN mit einer guten Portion früh-70er STATUS QUO. Recht hart rockend „Breakdown“ und „Midnight Ride“, wir sind ja in der Blütezeit der NWoBHM. Der Hit des Albums bleibt aber „Emergency“, wieder mit ordentlich MOTÖRHEAD-Gerumpel, oft und gern gesehen auch später in den MTV-Videosendungen. „Deadline“ als offizieller Schlusssong schiebt nochmal ordentlich nach vorn. Es gibt als Bonus noch einige Demoversionen der Songs und die „Emergency“-B-Seite „Furnitude Fire“ mit geklautem „You Really Got Me“-Riff. Rücken nicht MOTÖRHEAD deutlich in den Vordergrund, dann gibt es doch eher simplen Rock`n´Roll, irgendwo zwischen SUZI QUATRO, JOAN JETT und dezentem „Grease“-Touch. Die hellen, Mädchenhaften Stimmen der jungen Damen und die simple musikalische Darbietung verpassten „Demolition“ ein angenehm lockeres und naives Flair, das von Producer Vic Maile wie auch beim Folgealbum gut eingefangen wurde. Na ja, der Mann hatte bereits mit Bands wie LED ZEPPELIN, JIMI HENDRIX, THE FLEETWOOD MAC gearbeitet und sollte bald auch den MOTÖRHEAD-Überflieger „Ace Of Spades“ auf Band bringen. Rundum ist „Demolition“ ein netter Einstand gewesen, der Spaß macht, aber ein wenig uneinig zwischen gutgelauntem Schunkel-Rock`n ´Roll und dreckigem MOTÖRHEAD-Gerumpel schwankt.

Mit dem 81er „Hit And Run“-Album hatten sich die Damen dann für die härtere Seite entschieden. Immer noch Rock`n´ Roll, aber viel räudiger und reichlich Popo tretend. Auch hier waren MOTÖRHEAD noch allgegenwertig, aber eben GIRLSCHOOL selbst im Vordergrund. Bei „C´mon Let´s Go“ hottet man sofort durch die Bude, beim stampfigen „The Hunter“ kommt schnell die Luftgitarre zum Einsatz. MOTÖRHEAD on Speed gibt’s bei „(I´m Your) Victim“, aber auch wilde ROSE TATTOO-Granaten kommen ins Gedächtnis. Das Album steht für seine Version des ZZTOP-Klassikers „Tush“, den die Mädels sehr cool raushauen, aber auch für den Titelsong, den man wieder auch in der MTV-Rotation wieder fand. Witzig „Yeah Right“, wie eine ausgelassene Jam von MOTÖRHEAD mit den RAMONES. Hier stimmen alle Songs, der Sound ist nicht mehr so punkig, die Instrumente werden immer noch nicht meisterlich, aber doch erfahrener bedient, und auch der wechselnde Gesang der Mädels, der immer irgendwie mehr niedlich als rockig klingt, kommt viel erfahrener als noch auf dem Debüt. Abgerundet wird diese Neuauflage mit der Single „St. Valentine´s Day Massacre“, gemeinsam mit MOTÖRHEAD. „Please Don´t Touch“ hat nichts von seinem räudigen Charme verloren. Die gemeinsame Liveversion von „Bomber“ von dieser Single gibt es auch, „Tonight“ nimmt man auch gerne mit. Im Vergleich zum Debüt gewinnt „Hit and Run“ ganz klar, macht durchgehend Spaß und gehört in jede NWoBHM-Sammlung!

Das 82er Album „Screaming Blue Murder“ zeigt die Band merklich verändert. Das lag eher weniger an Neuzugang Gil Weston am Bass, es waren MOTÖRHEAD nicht mehr so überpräsent. Der Stil von „Hit And Run“ wurde verfeinert, vielleicht auch um dem amerikanischen Markt zu gefallen. Es gab mehr Melodie, mehr Soli, die Produktion aber war viel zu überzogen und krachig, man sollte wohl auch ins Bild der kauffreudigen Metal-Fans passen. Der Titelsong läuft dann auch gut rein, das nette ROLLING STONES-Cover „Live With Me“ ebenso. Dazu kommen dann Songs wie das je nach persönlichem Empfinden catchy oder halt poppig platte „Don´t Call It Love“ und „Hellrazor“, doch mal als MOTÖRHEAD-Rocker. Das aber weitaus flacher als auf den ersten beiden Alben, das unnötige „Flesh & Blood“ braucht kein Mensch. Die Songs sind nicht richtig schlecht, aber nicht gut genug, um wirklich zu begeistern oder gar mit „Hit And Run“ oder späteren besseren Alben mitzuhalten. Vieles wirkt etwas Leidenschaftslos, als hätten die Mädels selbst keine Lust auf das Album gehabt. Den Rest liefert der gruselig-krachige Sound, als schiele man auf den angesagten „Eliminator„-Sound, um ihn in einem Pappkarton anzuhören. Musikalisch schimmert auch schon etwas der Ruck Richtung Glam Rock durch, der mit dem folgenden Album „Play Dirty“ vollständig durchgeführt wurde.

Fazit: Um nachzurüsten sind die Re-Releases der GIRSCHOOL-Klassiker eine gute Sache. Davon gab es in der Vergangenheit bereits Editionen, teils mit weiteren Live-Aufnahmen, hier nun halt auch wieder als LP. Keine Frage, „Hit And Run“ gehört in jede Hard`n´Heavy-Sammlung, vor allem wenn man sich für die Zeit der New Wave Of British Metal interessiert. Das Debüt „Demolition“ passt da gut mit rein, „Screaming Blue Murder“ hingegen braucht man eher nur, wenn man als Fan seine GIRLSCHOOL-Sammlung abrunden will.

Veröffentlichungstermin: 17.03.2017
Spielzeit: ca. 51 / 48 / 51 Min.

Line-up:
Kim McAuliffe – Vocals, Guitars
Kelly Johnson – Vocals, Guitars
Enid Williams – Vocals, Bass (Demolition, Hit And Run)
Gil Weston – Vocals, Bass (Screaming Blue Murder)
Denise Dufort – Drums

Label: Dissonance Productions

Homepage: http://www.girlschool.co.uk

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/girlschoolofficial

Tracklists:

Demolition (Doppel-LP)
Seite A
1.Demolition Boys
2.Not For Sale
3.Race With The Devil
4.Take It All Away

Seite B
5.Nothing To Lose
6.Breakdown
7.Midnight Ride
8.Emergency

Seite C
9.Baby Doll
10.Deadline
11.Take It All Away
12.It Could Be Better

Seite D
13.Nothing To Lose [Demo]
14.Not For Sale [Demo]
15.Furniture Fire

Hit And Run:
Seite A
1.C’mon Let’s Go
2.The Hunter
3.(I’m Your) Victim
4.Kick It Down
5.Following The Crowd
6.Tush
7.Hit And Run

Seite B
8.Watch Your Step
9.Back To Start
10.Yeah Right
11.Future Flash
12.Please Don’t Touch
13.Bomber
14.Tonight

Screaming Blue Murder:
Seite A
1.Screaming Blue Murder
2.Live With Me
3.Take It From Me
4.Wildlife
5.It Turns Your Head Around

Seite B
6.Don’t Call It Love
7.Hellrazor
8.When Your Blood Runs Cold
9.You Got Me
10.Flesh & Blood
11.Don’t Stop

 

Teilen macht Freude:

Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!