GATEKEEPER: East Of Sun

GATEKEEPER: East Of Sun

Die kanadische Epic Metal-Band GATEKEEPER hat bisher ein paar Split-Beiträge, eine EP, eine Single sowie ein Live-Album veröffentlicht. Nun haben Cruz Del Sur sich die Band geschnappt und veröffentlichen das Debüt-Album “East Of Sun”. Auf diesem finden sich neben fünf neuen, auch drei ältere Stücke, die den bisherigen Fans bereits vertraut sein dürften. Da wären zum einen die beiden Stücke „North Wolves“ und „Swan Road Saga“, die von der „Prophecy And Judgement“ EP aus 2013 stammen. Der dritte im Bunde ist „Bell Of Tarantia“, welches erstmalig auf dem 2013er Live-Album „Shadows Over Calgarae“ veröffentlicht wurde sowie als Studioversion auf der Split-Single mit FUNERAL CIRCLE aus 2015. Bis auf Gitarrist und Bandgründer Geoff Blackwell ist auf den alten Versionen aber keiner der aktuellen Musiker zu hören, da Blackwell die Band nach einem Umzug innerhalb Kanadas komplett neu aufgestellt hat.

Das soll die neue Epic Metal-Hoffnung sein?

Mit dem Opener “Blade Of Cimmeria”, zu dem die Band vorab bereits ein Video veröffentlicht hat, locken GATEKEEPER den Hörer erst mal auf die völlig falsche Fährte. Das knapp dreieinhalb Minuten kurze Stück ist reinrassiger, melodischer Speed Metal. Treibende Drums, hohe Screams – das Teil macht Spaß und wird live sicher für ordentlich Bewegung sorgen. “Blade Of Cimmeria” bleibt allerdings eine Ausnahme auf “East Of Sun”, denn der Rest des Songmaterials ist größtenteils Epic Metal in Reinkultur.

“North Wolves” braucht eine Weile, um in Fahrt zu kommen und entwickelt sich selbst dann lediglich zu einem durchschnittlichen Stück Epic Metal. Ein bisschen klingt der Song nach C-Klasse SOLSTICE. Vor allem Sänger Jean-Pierre Abboud macht hier keine gute Figur. Sein Gesang klingt ziemlich angestrengt, als würde er auf eine Art singen, die ihm eigentlich nicht liegt. Das folgende “Warrior Without Fear” haut mich ebenfalls nicht aus den Latschen, besonders, was den plumpen Refrain angeht. Was mir bisher schon gut gefällt sind die Chöre, die von der gesamten Band kommen. Ansonsten höre ich bislang vor allem noch jede Menge Luft nach oben.

Nach einer Viertelstunde kriegen GATEKEEPER die Kurve!

Und siehe da, so langsam scheinen GATEKEEPER sich warm gespielt zu haben. Das achtminütige, düster-schleppende “Ninefold Muse” lässt die Formkurve nach oben ausschlagen. Jean-Pierre Abboud macht hier fast alles richtig, was bei “North Wolves” noch schief lief. Vor allem die melodischen, einfühlsamen Passagen klingen richtig gut. “Bell Of Tarantia” ist in den Strophen eher ein schneller Galopper, wird dafür aber im getragenen, melodischen Refrain so richtig schön episch.

Wunderbar melodisch geht es mit dem Titelsong “East Of Sun” weiter. Hier offenbart Jean-Pierre Abboud mal sein ganzes Potential. Großes Kino! Aber auch die gefühlvolle Leadgitarre macht hier richtig was her, insbesondere im Instrumentalteil gegen Ende. Da hier kaum eine Passage wiederholt wird, wirkt der Song deutlich ausufernder als es die knapp viereinhalb Minuten Spielzeit vermuten lassen. Zusammen mit “Bell Of Tarantia” für mich das Herzstück des Albums. Mit “Swan Road Saga” sowie “Oncoming Ice” zaubern GATEKEEPER noch zwei weitere Epic Metal-Perlen hervor und versöhnen mich mit dem schwachen Start des Albums, nach welchem ich nicht mehr gedacht hätte, dass die Band zu solch tadellosen Epen in der Lage ist.

Knapp vierzig Minuten hervorragender Epic Metal – reicht das?

Die CD enthält als Bonustracks noch zwei Cover, bei denen die Band aber schlicht und ergreifend nicht an die Vorlagen herankommt. Sowohl “Battle Cry” von OMEN aber vor allem “Hall Of The Mountain King” von SAVATAGE sind ordentlich nachgespielt, aber einfach eine Nummer zu groß für GATEKEEPER. Von daher können Vinyl-Fans unbesorgt sein, etwas essentielles zu verpassen.

Kommen wir also zum Fazit in Sachen “East Of Sun”. Um eines erst mal klarzustellen: In Sachen Epic Metal kommt dieses Jahr vermutlich niemand mehr an “White Horse Hill” von SOLSTICE vorbei. So gut bekommen Epic Metal eigentlich nur zwei Bands auf die Reihe, zum einen eben SOLSTICE, zum anderen ATLANTEAN KODEX. Der Rest darf sich im Staub winden.

Wie aber schlagen sich GATEKEEPER im Vergleich zu anderen, neueren Epic Metal-Bands wie ETERNAL CHAMPION oder VISIGOTH? Zieht man von der Gesamtspielzeit die beiden Bonustracks sowie die zwei, in meinen Augen verzichtbaren Stücke “North Wolves” und “Warrior Without Fear” ab, bleiben immer noch 37 Minuten wirklich großartiger Epic Metal. Das ist zwar nicht mehr wirklich lang, letztendlich aber trotzdem noch etwas länger als beispielsweise das komplette ETERNAL CHAMPION-Debütalbum “The Armor Of Ire”. Die wirklich starken sechs Songs von “East Of Sun” können problemlos mit dem Material der genannten Bands mithalten, übertreffen dieses stellenweise sogar. Schade, dass das Füllmaterial den Gesamteindruck etwas trübt. Letztendlich bleibt aber immer noch genug hörenswerte Musik übrig, um “East Of Sun” jedem Epic Metal-Fan empfehlen zu können. Wofür gibt es schließlich die Skip-Taste. Es sein denn, ihr kauft das Album auf Vinyl, dann müsst ihr das manuell erledigen.

Veröffentlichungsdatum: 27.04.2018

Spielzeit: 57:14 (inklusive CD Bonustracks)

Line Up:
Jean-Pierre Abboud – vocals, Chorus
Geoff Blackwell – rhythm/lead guitar, chorus
Kenny Kroecher – lead/rhythm guitar
David Messier – bass, chorus
Tommy Tro – drums

Produziert von: Mike Rogerson @ Harbourside Studios/Vancouver

Label: Cruz Del Sur

Bandhomepage: http://gatekeeper-vinland.blogspot.de/
Facebook: https://www.facebook.com/gatekeepervinland
Bandcamp: https://gatekeeper.bandcamp.com/

Tracklist „East Of Sun“:
01. Blade Of Cimmeria
02. North Wolves
03. Warrior Without Fear
04. Ninefold Muse
05. Bell Of Tarantia
06. East Of Sun
07. Swan Road Saga
08. Oncoming Ice
09. Death Rider (CD Bonustrack)
10. Hall Of The Mountain King (CD Bonustrack)