EVANESCENCE: Synthesis

EVANESCENCE: Synthesis

EVANESCENCE sind zurück – mehr oder minder. Denn auf ihrem vierten Album, “Synthesis”, packen die ehemaligen Charts-Stürmer jede Menge Hits der drei vorherigen Alben drauf. Diese Tracks wurden aber mit der neuen musikalischen Ausrichtung von EVANESCENCE angestrichen. So befruchten klassische Arrangements und elektronisches Programming alte Hits wie “Bring Me To Life” oder “My Heart Is Broken”. Der neue Zugang verändert die Songs in ihrer Grundstruktur zwar nur marginal, gibt ihnen aber ein sanfteres Gesamtes.

Amy Lee bekommt auf “Synthesis” noch mehr Raum

Anhand der Neuaufnahmen rückt die Stimme von Amy Lee noch mehr in den Vorgergrund. Das muss sich nicht zwingend positiv auswirken, weil die markante Tonlage der Sängerin auf einer Spielzeit von über 60 Minuten eintönig werden kann. Das sanfte und zerbrechliche Timbre von Amy Lees Stimme macht aber nach wie vor etwas her. Dennoch wäre etwas mehr Abwechslung gut gewesen, wie es in Ansätzen bei “Your Star” oder “Imperfection” zu hören ist. Denn gerade in der zweiten Hälfte wird man der ähnlich gelagerten, klagenden Vocal-Lines müde. Insbesondere bei Songs, die auch musikalisch auslassen (“Secret Door”).

Symbiose aus Klassik und Electro

Gut gelungen sind die klassischen Arrangements von David Campbell, der bereits Bands wie METALLICA, KISS oder LINKIN PARK zuarbeitete. Die Orchestrationen füllen die Songs mit Dramatik aus, die sonst nicht gegeben wäre. Somit hat man mitunter das Gefühl, als würde das Orchester mehr zum Gelingen der Songs beitragen als EVANESCENCE als Band. Hervorzuheben ist auch das Violin-Spiel von Lindsey Stirling, die einem Song wie “Lacrymosa” eine ganz besondere Schwere verleiht. Das Electronic Music Programming dient hingegen vorrangig dem Argument, dass aus Altem Neues gemacht wurde. Das Mehr an Elektro spiegelt sich also in einem Weniger von Gitarren, Bass und Schlagzeug wider.

EVANESCENCE mit Greatest Hits im neuen Kleid

Mit “Synthesis” haben EVANESCENCE ein Album geschaffen, das sich als angenehme Hintergrundberieselung eignet. Die bekannten Kompositionen vermitteln ebenso Erinnerungen wie die prägende Stimme von Amy Lee. Der musikalische Neuanstrich durch die Symbiose von Orchester und Electro mag zwar die Veranlassung für ein neues Album gegeben haben, doch ganz und gar überzeugt bin ich nicht. Denn nach über sechs Jahren Schaffenspause könnten mehr als zwei Songs (“Hi Lo”, “Imperfection”) herausspringen, die pur auf die neue musikalische Ausrichtung ausgelegt sind.

Veröffentlichungstermin: 10.11.2017

Spielzeit: 62:00 Min.

Line-Up:
Amy Lee – Gesang & Piano
Jen Majura – Gitarre
Troy McLawhorn – Gitarre
Tim McCord – Bass
Will Hunt – Schlagzeug

Gastmusiker:
David Campbell – Orchester-Arrangements
Will Hunt & Damian Taylor – Electronic Music Programming
Lindsey Stirling – Violine

Produziert von Will Hunt & Damian Taylor

Label: Sony Music Entertainment

Homepage: http://www.evanescence.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/Evanescence

EVANESCENCE “Synthesis” Tracklist:

01. Overture
02. Never Go Back
03. Hi-Lo
04. My Heart Is Broken
05. Lacrymosa
06. The End of the Dream
07. Bring Me to Life
08. Unraveling (Interlude)
09. Imaginary
10. Secret Door
11. Lithium
12. Lost in Paradise
13. Your Star
14. My Immortal
15. The In-Between (Piano Solo)
16. Imperfection (Video bei YouTube)

Christian Wögerbauer
Seit 2005 bei Vampster und Lieferant für Reviews, News, Live-Berichte und -Fotos.Genres: Doom, Death, Gothic, Sludge