ERADICATOR: Slavery

ERADICATOR: Slavery
Mit Madness Is My Name haben ERADICATOR 2012 ein richtig starkes Thrash-Album abgeliefert. Ende Januar haben die Jungs aus Lennestadt endlich den Nachfolger veröffentlicht. Nach dem ersten Durchlauf war ich etwas enttäuscht. Der Aha-Effekt, den ich bei den letzten beiden Alben hatte blieb erst mal aus. Warum das so war? Ganz einfach: Bisher haben ERADICATOR meiner Meinung nach jedes Mal einen großen, qualitativen Sprung gemacht – sei es vom 2007er Demo Back To The Roots zum Debüt The Atomic Blast oder von eben jenem Album zum Zweitling Madness Is My Name. Dieser Sprung schien dieses Mal ausgeblieben zu sein. ERADICATOR hatten mit ihrem letzten Album bereits ein verdammt hohes Niveau erreicht und dieses mit Slavery jetzt eben nur locker gehalten. 
Immer noch spielen die Jungs Thrash Metal amerikanischer Prägung. Die Nähe zu MEGADETH ist nicht mehr ganz so deutlich wie in den Anfangstagen, wenn auch immer noch latent hörbar. Ansonsten huldigt man weiterhin dem klassischen Bay Area-Sound. Stellenweise hört man einen deutlichen DEATH ANGEL-Einschlag, was eindeutig für den guten Geschmack der Herren Stöber, Wied und Zoppe spricht. Es ist wieder mal eine Freude, den Jungs beim Musizieren zuzuhören. Sebastian Stöber und Robert Wied sind ein erstklassiges Gitarrengespann, ob Rhythmus- oder Leadgitarre – die Jungs zocken auf hohem Niveau und gerade die Soli sind hier erneut das Salz in der Suppe. Jan-Peter Stöbers Drumming ist ebenfalls richtig stark – abwechslungsreich und auch mal verspielt aber der Mann weiß auch genau, wann man einen Beat mal stur durchkloppen muss. Sebastian Zoppe bleibt mit seinem Bass eher im Hintergrund. Lediglich beim kurzen, rotzigen Speed-Hammer Bloodbath bekommt er Gelegenheit in Form eines coolen, kurzen Bass-Intermezzos seine Visitenkarte abzugeben. 
Und dann wäre da noch der Gesang von Sebastian Stöber. Mag sein, dass es bessere Thrash-Shouter gibt, aber ich finde sein Dave Mustaine für Arme-Organ absolut in Ordnung und seinen semi-melodischen Ansatz deutlich besser als den drölfzigsten Schreihals, der zwar aggressiv wie ein Pitbull aber auch austauschbar wie Begleitmusiker bei ANNIHILATOR klingt. Sehr gut gefallen mir auch die Texte, die sich kritisch mit Themen wie Krieg und Überwachung auseinandersetzen – ganz so, wie es im Thrash Metal schon immer zum guten Ton gehörte. 
Das Songmaterial ist durchgehend auf hohem Niveau, von daher fällt es mir schwer, ein Highlight heraus zu picken. Dementsprechend gibt es auf Slavery auch keinen Ausfall zu vermelden. Die Band schafft es auch relativ lange Songs wie den Opener Of Ashes And Sand oder das gut sechs Minuten lange Two Thousand Thirteen abwechslungsreich und spannend zu gestalten, so dass keine unnötigen Längen entstehen. Wechsel zwischen schnellem Geballer, klassischem Ufta-Beat und auch mal etwas Mid Tempo-Mosh gelingen der Band spielend. Mit Evil Command oder Bloodbath können ERADICATOR aber auch straight auf die Fresse. Aber egal wie, ERADICATOR überzeugen auf Slavery erneut auf ganzer Linie. Nach vielen weiteren Durchläufen mehr bin ich mir immer noch nicht sicher, ob das neue Album vielleicht doch noch mal eine Ecke stärker als sein Vorgänger ausgefallen ist oder nicht. So oder so – Slavery muss man als Thrasher haben, darüber wird nicht verhandelt. 

Veröffentlichungstermin: 31.01.2015

Spielzeit: 43:01 Min.

Line-Up:

Sebastian Stöber – guitars, vocals 
Robert Wied – guitars
Sebastian Zoppe – bass
Jan-Peter Stöber – drums

Produziert von Jörn Michuta und Sebastian Stöber
Label: Yonah Records

Homepage: http://www.eradicator.de

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/EradicatorThrash

Tracklist:

01. Intro 
02. Of Ashes and Sand 
03. Evil Command 
04. Two Thousand Thirteen 
05. Scars 
06. Bloodbath 
07. One Man Jury 
08. Manipulhate 
09. The States of Atrocity 
10. Smash the Masquerade 
11. Slavery