ENSEMBLE ECONOMIQUE: Melt Into Nothing

ENSEMBLE ECONOMIQUE: Melt Into Nothing

Wenn ich Melt Into Nothing höre, dann denke ich an diese alten US-Schlitten aus den Sechzigern und Siebzigern und verwegene Leute im Retrostil, vielleicht mit einer kleinen Tolle, auf jeden Fall aber mit einer Kippe im Mundwinkel. Diese Autos fahren dann irgendwann über eine Klippe und zerschellen an den Felsen, die Überreste der unglücklichen jungen Leute werden von den Wellen des Pazifik hinfort getrieben. Also praktisch das Zeug, über das die dauersedierte LANA DEL REY wohl immer so singt. ENSEMBLE ECONOMIQUE verbindet dieses bittersüße Lebensgefühl mit einer vagen David Lynch-Ästhetik und etwas Wave. Melt Into Nothing ist auch ein wenig sediert, eiert vor sich hin, ist immer sehr melancholisch, aber nicht depressiv, ist voller Widersprüche und doch – leider – gleichförmig.

Brian Pyle, der hinter ENSEMBLE ECONOMIQUE steckt, steht auf diese unterkühlten Soundscapes, die etwas Tragisches an sich haben, aber trotzdem sexy und subtil grooven. Besonders aufregend ist Melt Into Nothing dabei nicht. Synthesizer und Delaygitarren rauschen fünfunddreißig Minuten lang unaufgeregt durch die musikalische Landschaft, sind sehr atmosphärisch, erzeugen auch geisterhafte, manchmal schöne Stücke, die allerdings nicht wirklich zupacken oder besonders intensiv sind. ENSEMBLE ECONOMIQUE bleibt über weite Strecken hinweg in dieser James Dean-Coolness verhaftet, der es eben an Leidenschaft mangelt. Und doch hat Melt Into Me seine Momente: Das mit schönen Vocals ausgestattete Wave-Stück Your Lips Against Mine könnte vielleicht sogar die eine oder andere Tanzfläche mit Schwofern füllen, Make-Out In The GDR ist beinahe schaurig, Never Gonna Die mit seinen dramatischen Orgeln klingt wie ein Mausoleumsbesuch im Orangenhain. Daneben: Eine Menge atmosphärischer Sounds, trockener Grooves aus dem Drumcomputer und beschwörender Gesänge im Hintergrund.

Das hat Stil und das ist eigen. ENSEMBLE ECONOMIQUE liefert für das Wave-Klientel eine schöne Alternative zum immergleichen, selbstmitleidigen Gruftkram und könnte gerade in dieser Subkultur Freunde finden. Davon abgesehen mangelt es Melt Into Nothing aber deutlich an Intensität, weshalb dieses kurze Album zwar auf gewisse Art und Weise fasziniert, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen kann. Ästhetik und Originalität allein reichen also doch nicht, um völlig zu überzeugen.

Veröffentlichungstermin: 27. Juni 2014

Spielzeit: 35:13 Min.

Line-Up:
Brian Pyle

Gastmusiker:
Sophia Hamadi
Denmother
Jon Pyle

Label: Denovali Records

Homepage: http://ensembleeconomique.tumblr.com/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/ensembleeconomique

Tracklist:
1. Your Lips Against Mine
2. Make-Out In The GDR
3. Hey Baby
4. Fade For Miles
5. Never Gonna Die
6. Melt Into Me

Teilen macht Freude: