DISILLUSION: Gloria

DISILLUSION: Gloria

Dies wird eine sehr lange und eine sehr gute, oder besser gesagt, enthusiastische Rezension werden, eine wie ich sie definitiv nicht oft schreibe. Ich gehe inzwischen soweit, hier schon jetzt von meinem persönlichen Jahreshighlight zu reden, deshalb gibt´s einige der Lobeshymnen eben auch schon zu Beginn. Eines vorweg: DISILLUSION haben im Jahr 2006 nichts, aber auch gar nichts mehr mit dem fantastischen „Back To Times Of Splendor“ zu tun. Ich möchte sogar behaupten, dass die Leipziger kaum noch mit dem Begriff „Metal“ definiert werden können, nennen wir es einfach „moderne Musik“, Musik jenseits aller erdenklichen Trends und Schranken. Es gibt noch etwas klarzustellen: Ich bin mir sicher, dass viele alte Fans enttäuscht, ja vielleicht sogar geschockt sein werden, wenn sie „Gloria“, so der Titel dieses Überalbums, zum ersten Mal gehört haben! Mir ist das egal und ich bin mir sicher, dass es DISILLUSION auch völlig schnuppe sein wird, denn die Jungs haben hier ihre eigene Welt erschaffen und wer sie nicht betreten will braucht das ja nicht zu tun.

Ihr denkt ich übertreibe? NEIN! Ich habe ca. fünf Durchläufe gebraucht um mit diesem Album richtig warm zu werden, seitdem bin ich aber tatsächlich absolut süchtig. Was mich so begeistert und wie „Gloria“ nun letztendlich klingt, versuche ich in den nächsten Zeilen zu beschreiben. Vergleiche mit anderen Bands wird es im Übrigen in diesem Review nicht geben!

Bereits beim Beginn des Openers „The Black Sea“ werden einige Die-Hard Fans mal kurz schlucken müssen, da die sehr zeitgemäßen Beats, das moderne Riffing und der Sprechgesang nicht so leichtverdaulich sind, spätestens mit dem unglaublich ohrwurmigen aber auch eigenartigen und fast schon afrikanisch angehauchten Refrain wurde zumindest ich aber überzeugt und mittlerweile könnte ich mir auch gar keinen anderen Songaufbau mehr vorstellen. „Dread It“ beginnt dann wesentlich melodischer und gipfelt wiederum in einem absolut überirdischen Chorus, der mit Atmosphäre nur so um sich wirft. Was spätestens jetzt auffällt ist die – trotz aller Verspieltheit – im Vergleich zu „Back To Times Of Splendor“ wesentlich basischere Ausrichtung, die vor allem im Drumbereich trockenere Produktion und die weniger dominanten Gitarren. Während die Klampfenarbeit seither deutlich im Vordergrund stand um Druck zu erzeugen, dient sie nun hauptsächlich zur Verzierung und trägt eher zur Atmosphäre bei. Das einigen unter euch sicherlich bereits bekannte „Don´t Go Any Further“ (gibt´s als Hörprobe auf der Labelseite) dröhnt nach dem Eröffnungsdoppel sehr hart und direkt aus den Boxen und ist weniger melodieorientiert, überzeugt aber durch den zwingenden Beat und den einfachen aber prägnanten Sprachgesang im Chorus. Song Nummer vier im Bunde, namentlich „Avalanche“, beginnt fast blackmetallisch, geht dann in einen Trip-Hop artigen Beat über und wirkt durch den Filter über den Vocals noch stranger als die bisherigen Stücke, verbreitet aber auf fast schaurige Weise eine gewisse Melancholie und Schwermut, der Chorus (im Prinzip das phänomenale, nachgesungene Eröffnungsriff) macht durch seine stetigen Wendungen absolut süchtig!
Normalerweise erspare ich mir in meinen Reviews eine Song-für-Song Aufzählung, bei „Gloria“ muss das auf Grund der unglaublichen Variabilität in den jeweiligen Stücken aber einfach sein.

Titeltrack ist angesagt: Die unheimlich intelligent eingebetteten Synthie-Gloria-Chöre treiben mich fast in den Wahnsinn und verbreiten für mich irgendwie ein gewisses DISILLUSION goes Weihnachten Flair – natürlich strange and beautiful!

Das Zwischenspiel „Aerophobic“ verlangt einem dann echt einiges an Anstrengung ab und wird auch mir ab und an zu nervenzehrend, aber „The Hole We Are In“ versöhnt dann schnell wieder, obwohl auch dieser Song alles andere als leichte Kost ist! Spätestens jetzt dürstet mich aber wieder nach einem dieser seltsamen DISILLUSION-Ohrwürmern und voilà: Er nennt sich „Save The Past“ und geht wie üblich tief unter die Haut – klasse Nummer! Das Instrumentalstück „Lava“ macht dann seinem Namen alle Ehre und leitet perfekt über in „Too Many Broken Cease Fires“, welches dann zeitweise sogar einen soundtrackartigen Touch abbekommen hat und sehr durch die abwechslungsreichen Vocals geprägt wird, die natürlich aber, wie auf dem kompletten restlichen Album auch, absolut gar nichts mehr mit Death Metal am Hut haben. Der optimal gewählte Abschlußtrack nennt sich „Untiefen“ und ist ein ruhiger und sehr experimenteller Ausklang eines vollkommenen Albums, welches hoffentlich genügend Hörer finden wird, die es auch so zu schätzen wissen wie es ist: wegweisend, tiefsinnig, emotional und alle Barrieren niederreißend! Interview folgt…

Veröffentlichungstermin: 20.10.2006

Spielzeit: 51:14 Min.

Line-Up:
Schmidt – vocals, guitar, bass
Barthel – guitar
Maluschka – drums

Produziert von Band
Label: Metal Blade

Homepage: http://www.disillusion.eu

Tracklist:
1. The Black Sea
2. Dread It
3. Don´t Go Any Further
4. Avalanche
5. Gloria
6. Aerophobic
7. The Hole We Are In
8. Save The Past
9. Lava
10. Too Many Broken Cease Fires
11. Untiefen

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