DEADSOUL TRIBE: The Dead Word

DEADSOUL TRIBE: The Dead Word

Jedes Jahr ein neues Album herauszubringen – kann das gut gehen? Nachdem manch einer schon die letztjährige Veröffentlichung The January Tree als Schnellschuss ansah, welcher mit dem Höhepunkt der Band-Diskographie, dem Zweitwerk A Murder Of Crows, auf keinen Fall mithalten könne, meldet sich Devon Graves erneut bereits nach einem guten Jahr wieder zurück. Hätte sich der ehemalige PSYCHOTIC WALTZ-Frontmann, der das neue Album wie gewohnt mit Unterstützung von Schlagzeuger Adel Moustafa im Alleingang einspielte und produzierte, diesmal mehr Zeit nehmen sollen? Der erste Eindruck von The Dead Word ist ziemlich ernüchternd. DEADSOUL TRIBE scheinen ein wenig auf der Stelle zu treten. Ja, es gibt Veränderungen: den teilweise überraschend aggressiven Gesang von Graves, der besonders im Openener A Flight On An Angels Wing Facetten seiner Stimme offenbart, die er so bei DEADSOUL TRIBE bislang nicht eingebracht hat, oder den verstärkten Percussion-Einsatz, der das von der Band gewohnte Tribal-Drumming gut ergänzt. Prinzipiell ist zunächst keine große Weiterentwicklung des Songwritings auszumachen. Nach den ersten Hördurchgängen fehlt es The Dead Word an überraschenden Wendungen, unvorhersehbaren Breaks und großen Melodien. Der typische, an TOOL erinnernde Sound mit abgehacktem Riffing, Tribal-Drumming und dem unvergleichlichen, hypnotischen Gesang von Graves scheint ein wenig seinen Reiz verloren zu haben.

The Dead Word ist allerdings ein typisches Beispiel für ein Album, welches nicht gleich seine wahren Qualitäten zeigt. Nun kann man darüber streiten, ob ein Album, welches erst nach fünf oder sechs Durchgängen seine Reize entfaltet, überhaupt ein gutes Album ist, oder ob man sich ein Album nicht auch einfach schön hören kann. Fakt ist, dass sich die großen Melodien, die man auf diesem Werk zunächst vergeblich suchte, nach intensiver Auseinandersetzung doch noch offenbaren. To My Beloved…, ein typischer DEADSOUL TRIBE-Song, kann etwa mit einem tollen Refrain aufwarten, ebenso wie das mit akustischen Gitarren und einem genialen mehrstimmigen Refrain in bester 70er-Prog-Manier daherkommende Some Sane Advice. Richtig stark aber sind das etwas schleppende Waiting In Line, bei dem auch die Querflöte wieder zum Einsatz kommt, A Fistful Of Bended Nails mit ungewöhnlichen, aber effektiven Piano-Akzenten sowie das getragene, etwas chillige My Dying Wish. Bei letzterem Song experimentiert Graves wieder mit einigen elektronischen Elementen. Diese sind aber weitaus homogener in den Bandsound integriert als noch in Wings Of Faith vom letzten Album. Und so steht My Dying Wish beispielhaft für das gesamte Album: Finetuning statt Revolution. Das Bewährte wird Beibehalten, was auf dem letzten Album noch nicht ganz in den Bandsound passen wollte, wurde maßvoller eingesetzt und wirkt nun nicht mehr wie ein Fremdkörper.

Wer meint, Devon Graves habe bereits mit A Murder Of Crows alles gesagt und wiederhole sich nun nur noch, wird in diesem Album vermutlich seine Bestätigung finden. Wer Wert legt auf Weiterentwicklung im Kleinen und diese in der bisherigen Diskographie der Band erkennen kann, wird ebenfalls in diesem Album Bestätigung finden. Es kommt eben ganz darauf an, was man sehen will und wieviel Zeit man bereit ist, in ein Album zu investieren.

Veröffentlichungstermin: 11.11.2005

Spielzeit: 46:54 Min.

Line-Up:
Devon Graves – Gesang, Gitarre, Flöte, Keyboards

Adel Moustafa – Schlagzeug

Produziert von Devon Graves
Label: InsideOut Music

Homepage: http://www.deadsoultribe.com

Email-Adresse der Band: info@deadsoultribe.com

Tracklist:
1. Prelude: Time And Pressure

2. A Flight On An Angels Wing

3. To My Beloved…

4. Don´t You Ever Hurt?

5. Some Sane Advice

6. Let The Hammer Fall

7. Waiting In Line

8. Someday

9. My Dying Wish

10. A Fistful Of Bended Nails

11. The Long Ride Home

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