DEADSMOKE: Mountain Legacy

DEADSMOKE: Mountain Legacy

Hach, Bella Italia, da denkt man doch gern an … nein, nicht an schöne Frauen und gut gekühlten Frizzantino am Strand. Lieber an die aktive Doom-Szene, dieses Genre wird dort immer noch leidenschaftlich zelebriert. Ich fang jetzt nicht an mit hausgemachter Pasta der THUNDERSTORM-Mama, bleiben wir bei DEADSMOKE. Das Trio aus Bolzano (Bozen) hat mich mit dem Debütalbum vom Frühling letzten Jahres bereits erfolgreich für sich gewonnen. Nun also steht der Nachfolger „Mountain Legacy“ an, uns zu zeigen, wo beim Bergtroll der Hammer hängt. Es geht um Einsamkeit, um Isolation, den Schmerz tief in Dir drin, herrlich! Das Cover lehnt sich passend beim Debüt an, wie auch der alles zermalmende Sound, der durchaus gewachsen ist und noch mehr den Magen des geneigten Zuhörers umgräbt, sehr schön! Es gibt nun mit Claudio Rocchetti vom Psychedelic-Projekt IN ZAIRE einen neuen Kollegen, der mit reichlich Synthie- und Soundgewabber noch mehr Tiefe schafft.

So klingt Sludge, nichts wirklich neu, aber richtig fett!

Der sorgt dann auch gleich für ein düsteres Intro, das gleich mal eine tiefgekühlte Stimmung verbreitet. Wenn sich dann das erste Riff breit macht – wirklich breit – dann weiß man, dass alle Menschen sofort weg sind, die mit Doom oder Sludge nichts zu tun haben. Die Doom-Familie hingegen geht sofort auf die Knie und reckt die Fäuste gen Himmel. So klingt Sludge, warum vergleichen, nichts neu, aber richtig fett. Die Vocals sind wieder nur ein weiterer Farbtupfer im dunklen Gesamtsound statt ein tragendes Element. Dieses ist ganz klar der Druck, den die Italiener aufbauen. Jedes Riff, jeder zurückgezogene Beat trifft voll in die Magengrube, jede tatsächlich auftauchende Melodie lässt den geneigten Doomer entzückt vor sich hin schunkeln, oder wenn es keiner sieht hemmungslos Doomdancing zelebrieren im Stil eines schlecht gelaunten Messiah. Düsterer, ja kälter ist der Sound geworden! „Hiss Of The Witch“ macht vom ersten Ton an Angst, auch wenn wie bei allen Songs jedes Riff, jeder Beat einen Groove aufweist, der jeden normalen Menschen in die Flucht treibt, einem Doomer aber die totale Glückseeligkeit bringt. Wenn der Song irgendwann etwas Fahrt aufnimmt, um dann doch in einem stampfenden Groove alles platt zu machen und sich in flimmernder sakraler Stimmung zu einer Größe aufbäumt, die keinen Raum lässt zur Flucht – pfff, hier ist man schon fernab von Gut und Böse. Gutes Stichwort, denn wo der Gesamtsound zum Debüt merklich noch kälter und dunkler wirkt, sind es die immer wieder auftauchenden Melodien, die irgendwie noch zarter, noch schöner, noch eingängiger wirken, auch weil sie meist sehr einfach gehalten sind. Flirrende Kälte gibt es hingegen bei „Emporer Of Shame“, an dem auch Black Metaller ihre Freude haben, falls die sich denn offiziell über irgendwas freuen dürfen. Mir etwas zu schwarz, aber es walzt sich immer noch sludgy genug aus den Kopfhörern bzw. Boxen

Black Metaller beim Doom-Dancing, DEADSMOKE schaffen das!

Was anfangs wie ein Auftakt zu einer fernöstlichen Zeremonie beginnt, entwickelt sich natürlich zu einer zähen Doom-Walze. Wie auch immer man sich Isegrim in den entsprechenden Geschichten vorstellen mag, hier auf „Wolfcurse“ wird er passend wie nie zuvor präsentiert. Das klingt grimmig, böse, bedrohlich, hinterhältig, allein der in den Hintergrund gemischte Gesang weckt all das Grauen, das man als Erwachsener seit dem Wolf und den sieben Geißlein verdrängt hat. Beim vergleichsweise kurzen Intermezzo „Forest Of The Damned“ macht sich wieder Angst breit, in welchem Fantasy-Film auch immer die Helden in diesen düsteren verwunschenen Wald müssen, so würde das klingen. Die Krönung hingegen haben sich die Jungs aus Süd-Tirol für den alles zermalmenden Titelsong aufgehoben. Die Bergriesen aus Herr der Ringe? Vielleicht! Oder doch nur ein Bergtroll mit Hämorriden? Wie auch immer, hier wird alles platt gemacht, bis sich der Song zur Mitte hin zu einem Space-Rocker entwickelt. Wären HAWKWIND eine Doom-Band gewesen, dann würden sie wohl so klingen! Glaubt man sich indes in Sicherheit in den Tiefen unendlicher Weiten, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat, so ist dann doch bald Schluss mit lustig. Denn es ist doch der Berg, der sich wie ein Monument einer weit entfernten Rasse erhebt und alles in Grund und Boden stampft. Steht man mit eben diesem Song-Ende an einer Ampel und hört „Mountain Legacy“ unvermeidbar viel zu laut, dann sind irritierte Blicke der anderen Menschen drumherum gesichert. Mögen die Nachbarn mit einem „Ach, ist es wieder soweit in der Doom-Burg“ abwinken, „normale“ Menschen werden hier nur verständnislos auf dieses eine Auto starren, aus dem dieses unfassbare Gedröhn kommt. Cool, wenn ausgerechnet die hübsche Blondine im Polizeiauto auf der Abbiegespur entzückt den Daumen hebt! Aber bei diesem Sound wird man eh eher zum Verkehrshindernis, als dass man aufs Gaspedal drückt.

DOOMSMOKE hören: vom Ampelschreck zum Verkehrshindernis

Nicht dass der Eindruck entsteht, dass hier einschläferndes Doom-Gedröhne geboten wird. Im Gegenteil, „Mountain Legacy“ verbreitet eine unfassbare Energie, man möchte sich bewegen, bangt und stampft vor sich hin, trotz aller Kälte macht sich bei Sludge/Doom-Maniacs Glückseligkeit breit. Dazu trägt auch der fette, aber nicht überladene Sound bei, so hat man es weitestgehend live eingespielt, und so dürfte die Band auch auf der Bühne klingen. Ich liebe es, wenn man aus all dem Gedröhne heraus hören kann, dass dort eine „V“ gespielt wird, herrlich! Keine Frage, dass DEADSMOKE Gast in der CHAPEL gewesen wären und diese garantiert in Grund und Boden gewalzt hätten. Wer mag kann auch heraushören, dass das Studio unmittelbar neben einem Friedhof lag, aber auch, dass die Band aus Italien viel Spaß hatte, die Songs einzudröhnen.

Man mag es merken, ich bin dezent entzückt. So muss Sludge klingen: fett, düster, groovy, trotz aller Kälte – für Doom-Verhältnisse – gute Laune verbreitend. Für Sludge-Maniacs ein klarere Pflichtkauf, aber auch Freunde fetter Doom-Klänge werden ihren Spaß haben. Nur nicht die Nachbarn, die anderen Verkehrsteilnehmer, die „normalen“ Menschen. Die werden die Flucht ergreifen, sollen sie doch!

VÖ: 29.09.2017

Spielzeit: 39:44 Min.

Lineup:
Matteo Lescio – Guitars, Vocals
Maurice Belloti – Drums
Gianmaria – Bass
Claudio Rocchetti – Synth, Noise

Label: Heavy Psych Sounds

Website: https://www.facebook.com/deadsmokedoom

Tracklist „Mountain Legacy“

1. Malevolent Path
2. Endless Cave
3. Hiss Of The Witch
4. Emporer Of Shame
5. Wolfcurse
6. Forest Of The Damned
7. Mountain Legacy

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!