DAVID BOWIE: Five Years (1969-1973) [CD-Box]

DAVID BOWIE: Five Years (1969-1973) [CD-Box]

Ich geb´s ja zu, irgendwie war DAVID BOWIE immer etwas an mir vorbeigegangen. Als Schulbubi musste es laut Rocken, der Tag bestand aus BLACK SABBATH und STATUS QUO, wenn die anderen auf dem Spielplatz waren. Damals war für mich BOWIE ein komischer Weltraumfreak, der Glam-Rock zog beim kleinen WOSFrank erst mit THE SWEET und SLADE ein. Und als irgendwann gerade die Freaks interessant wurden, machte Herr BOWIE schon Pop-Musik, igitt! So hat es eigentlich bis zur tollen Werkschau Nothing Has Changed gedauert, bis mir die Größe dieses Ausnahmekünstlers bewusst wurde. Peinlich, aber besser spät als nie! Für Leute wie mich und natürlich in erster Linie für alle Fans packt der Mann nun ein umfassendes Päckchen, es werden alle seine Alben in mehreren Boxen neu präsentiert. Als Bonus gibt es jeweils die zu den Alben erschienenen Singles und B-Seiten, rare oder nie auf CD veröffentlichte Versionen und andere lange verschollene Songs.

Die erste Box bietet passend den Auftakt mit den ganz frühen Scheiben, genauer die ersten 6 Studio-Alben, 2 Live-Alben, dem 2003-Ken Scott-Mix von The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“ sowie zwei CDs mit eben den zusätzlichen Single-Versionen und B-Seiten! Das waren natürlich tolle Zeiten, 1963-1973 werden mit allen offiziell veröffentlichten Songs abgefeiert, als (Rock)Musik noch spannend und immer wieder neu war. Hört man heute das Debüt Space Oddity, dann ziehen einen die Songs unweigerlich in ihren Bann. Auch wenn man mit jedem Ton hört, dass man es mit einem Oldie zu tun hat, wirkt hier nichts alt, oder um beim aktuellen Modewort zu bleiben Retro, zeitlos ist wohl das einzig treffende Wort. Poppiger Space-Rock, herrlich durchzogen mit melancholischen Sphären. Das deutlich kratzigere, rockende The Man Who Sold The World, hätte mir das damals wer vorgespielt, ich wäre definitive Fan geworden. Hat aber keiner, was für coole Riffs, die Gitarre richtig hart, der Gesang von BOWIE rockt auch mal in LED ZEPPELIN-Bahnen. Mal einen schmissigen Boogie, doch spacig-psychedelische Momente Richtung Debüt, spinnige Songs, ein Fan mehr! Hunky Dory kommt schon eine Ecke erwachsener, mal etwas Glam-Rock, mal jazzige Momente, das Piano und auch mal ein Saxophon vertreiben die harten Gitarren des Vorgängers. Die Songs sind erzählerischer, theatraler, ein Hauch von Varieté macht sich breit. Anders wieder, eher zum Hinsetzen und Zuhören als zum Abrocken, aber auch immer wieder catchy mit Radiopotential. Als letztes Studioalbum dieser Box PinUps, alles drin, was die früheren Alben ausmacht, vor allem aber eine dicke Ladung Glam-Rock im klassischen Sinne.

Leider, aber durchaus nachvollziehbar, liegt nicht die komplette Box zur Rezension vor. Dafür aber als Highlight die mit Re:Call 1 betitelten zwei CDs mit den Singles und B-Seiten, teils so nicht auf Alben zu finden, die heute natürlich nur noch zu Horrorpreisen auf entsprechenden Börsen gehandelt werden. Das Suchen kann man sich nun sparen. Dazu andere Raritäten, Holy Holy, das 1971 nur als Mercury-Single veröffentlicht wurde, konnte man sich ja bereits online anhören. Aber egal, welch alte Schinken hier ausgegraben wurden, mit neuem Sound – wie auch bei den Alben der Box – kommen selbst die ganz frühen Mono-Aufnahmen in einem zeitgemäßen Gewand, ohne dass diese totproduziert wurden. Man spürt den Zeitgeist der Songs, wobei die Singles entsprechend eine kleine Zeitreise durch die frühen Jahre von DAVID BOWIE sind. Da wird Space Oddity ganz groß, und immer kann man sich vorstellen, wie die alte Mono-Single geklungen haben mag. Schön melancholisch die Single Wild Eyed Boy From Freecloud. Lust auf Space-Pizza und Amaretto? Space Oddity in Italienisch hat die passenden Klänge dazu! Schunkelmusik für SMOKIE-Fans, recht amerikanische Vibes bei Conversation Piece. Auf der zweiten CD eher eingängige Oldies, Changes zum Mitsingen, das kultige Andy Warhol, beswingt der Starman, zum Rumtänzeln John, I´m Only Dancing. Bei The Jean Genie denk ich immer noch sofort an meine Kindheitshelden THE SWEET, das depressive Amsterdam zieht herrlich runter. Teils sind die Single-Edits natürlich nahe an der Albumversion, aber es gibt genug variierende Versionen, die jeden Fan glücklich machen dürften. Somit ist das Re:Call 1-Bonuspaket zumindest für echte Fans unverzichtbar.

Eine echte Vollbedienung also: Die frühen BOWIE-Alben in neuer Größe, zwei Livescheiben, der 2003er Mix von Ken Scott für The Rise and Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars (bisher nur in der LP/DVD-Edition zum 40. Anniversary des Albums zu finden) und das interessante Bonuspack Re:Call 1, alles im zeitgemäßen Sound in schicker Verpackung. Dazu kommt ein umfangreiches Booklet mit 128 Seiten im CD-Format bzw. 84 Seiten im Vinylformat mit selten gezeigte Fotos sowie technische Anmerkungen zu den Aufnahmen von den Produzenten Tony Visconti und Ken Scott. Zu jedem Album gibt es eine Originale-Presserezension. Das Vorwort stammt von KINGS-Frontmann Ray Davies.

Für Fans ein echtes Wohlfühlpaket, man kann auch noch wählen zwischen der CD-Box, einem Vinylpaket oder Download. Der Spaß ist aber alles andere als ein Schnäppchen, nun denn, ist ja bald Weihnachten. Wer sich nicht so leidenschaftlich für DAVID BOWIE interessiert und mit einer umfassenden Werkschau glücklich ist, der greift wohl doch eher zur empfehlenswerten 3-CD-Box Nothing Has Changed – The Very Best Of David Bowie.

Veröffentlichungstermin: 25.09.2015

Label: Parlophone Records / Warner Music

Homepage: http://www.davidbowie.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/davidbowie

Tracklist:
6 Original Studio Alben:
David Bowie AKA Space Oddity (2015 Remaster)
The Man Who Sold The World (2015 Remaster)
Hunky Dory (2015 Remaster)
The Rise and Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars
Aladdin Sane
PinUps (2015 Remaster)

2 Live-Alben:
Live Santa Monica ´72
Ziggy Stardust: The Motion Picture Soundtrack

Exklusiv in den Box Sets:
The Rise and Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars (2003 Ken Scott-Mix)

Re:Call 1
CD1
01. Space Oddity (original UK mono single edit)
02. Wild Eyed Boy From Freecloud (original UK mono single version)
03. Ragazzo Solo, Ragazza Sola
04. The Prettiest Star (original mono single version)
05. Conversation Piece
06. Memory Of A Free Festival (Part 1)
07. Memory Of A Free Festival (Part 2)
08. All The Madmen (mono single edit) previously unreleased
09. Janine
10. Holy Holy (original mono single version) only ever issued on original ‘71 Mercury single
11. Moonage Daydream (The Arnold Corns single version)
12. Hang On To Yourself (The Arnold Corns single version)

CD 2
01. Changes (mono single version)
02. Andy Warhol (mono single version)
03. Starman (original single mix)
04. John, I’m Only Dancing (original single version)
05. The Jean Genie (original single mix)
06. Drive-In Saturday (German single edit)
07. Round And Round
08. John, I´m Only Dancing (sax version)
09. Time (U.S. single edit)
10. Amsterdam
11. Holy Holy (Spiders version)
12. Velvet Goldmine

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Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!