CRUACHAN: Nine Years Of Blood

CRUACHAN: Nine Years Of Blood

Wow, die gibt’s jetzt also auch schon 25 Jahre lang. 25 Jahre CRUACHAN, 25 Jahre Metal aus Irland, 25 Jahre lang im Schatten von PRIMORDIAL, das ist bitter, aber auch kein Wunder, denn wo PRIMORDIAL in ihrer Karriere sich immer weiter perfektioniert und immer weiter in die Tiefe gegangen sind, Folklore als Einfluss ernst genommen und daraus etwas eigenes gemacht haben, sind CRUACHAN immer an der Oberfläche, immer in der Touristenfalle Irish Pub hängen geblieben, und stellenweise sind sie gar komplett versumpft („Pagan“ von 2004 – ein unfassbar mieses Album). Nun ist das fröhliche Trinken und Feiern zu Gedudel im Pub ja nicht nur schlecht – in meiner Adoleszenz gaben mir CRUACHAN mit „The Middle Kingdom“ und „Folk-Lore“ zwei herrlich kitschige Folk-Metal/Rock-Alben, die ich damals rauf und und runter gehört und zum Anlass für den ein oder anderen langen Abend mit dem ein oder anderen Kaltgetränk genommen habe. Insbesondere „Folk-Lore“ kann als Höhepunkt von CRUACHANs Karriere verstanden werden, befinden sich darauf doch zwei wundervolle Kooperationen mit Shane MacGowan und ansonsten auch ausschließlich gute Songs.

CRUACHAN haben bereits mit „Pagan“ ihren Zenit überschritten

Stichwort „Zenit“: Danach ging’s bergab, und ich verlor die Band spätestens mit „Pagan“ aus den Augen. Was machen sie heute? Nun: „Nine Years Of Blood“ ist ein sauber aufgenommenes, gut produziertes Album, das seine Stärken immer dann hat, wenn CRUACHAN tatsächlich Folklore spielen, also den Metal in der Schublade lassen. So war es damals schon, nur waren damals die Melodien noch packender, und man hatte eine Sängerin, die sie auch singen konnte. Bandleader Keith Fay kann das leider nicht wirklich, deshalb verlegt er sich zum Glück auch überwiegend aufs Aggressive oder hält einfach mal über weite Strecken den Mund. Das allerdings ist ein Fehler, denn die vielen langen, ausschweifenden Instrumental-Passagen sind, mit Verlaub, ein einziges Langeweile-Elend: Was im Irish Folk großartig funktioniert – das ewige Wiederholen und Variieren von Jigs and Reels – , wird zur Farce, wenn es mit Metal-Riffs unterlegt ist, zumal das Gefiedel selbst richtigen Folk-Bands nicht wirklich das Wasser reichen kann. Ein gutes Beispiel ist „Queen Of War“, das vielversprechend mit einer schönen stolzen Melodie beginnt, sich aber irgendwann im E-Gitarren-Rumgedudel verliert. Gutes Songwriting sieht anders aus.

Das Songwriting schwächelt auf dem ganzen Album

Das Songwriting-Problem zieht sich durch das ganze Album: Kein einziger Song besitzt auch nach fünfmaligem Hören irgendeinen roten Faden außer den, möglichst viele Folk-, Black- und Thrash-Metal-Elemente aneinander zu klatschen. Und die Melodien, nun ja, es ist im Folk-Genre nunmal so, dass es da nichts Neues mehr gibt, aber das ist ja auch die Kunst: Dem Bekannten durch die eigene Virtuosität, den eigenen Stil, die ein oder andere überraschende Harmonie-Variation etwas Neues hinzuzufügen, Spannung zu geben, große emotionale Momente zu ermöglichen. Daran scheitern CRUACHAN leider.

Auch textlich bleibt „Nine Years Of Blood“ bei einem langweiligen Schlachtplatten-Machwerk: Es geht um Krieg, tapfere Männer, Schwerter und Bier, natürlich vor einem historischen Hintergrund, aber, mal ehrlich, es geht vor allem um Krieg, tapfere Männer, Schwerter und Bier. Prost, Mahlzeit, nein, danke.

Spielzeit: 48:30

Veröffentlicht am 27.04.2018 bei Trollzorn Records

01. I am Tuan
02. Hugh O’Neill – Earl of Tyrone
03. Blood and Victory
04. Queen of War
05. The Battle of the Yellow Ford
06. Cath na Brioscai
07. The Harp, the Lion, the Dragon and the Sword
08. An Ale before Battle
09. Nine Years of Blood
10. The Siege of Kinsale
11. Flight of the Earls
12. Back Home in Derry

Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.