COPPELIUS: Tumult!

COPPELIUS: Tumult!

Am 30.01.2009 erschien das nunmehr zweite große Werk in der über 200-jährigen Bandgeschichte von COPPELIUS. Tumult! – so der Name der neusten Schöpfung – trifft das Ganze recht gut. 

Nach einem kurzen Vorwort von E.T.A. Hoffmann lassen es sich die wehrten Herren nicht nehmen, auch gleich ihren Kammer-Core zum Besten zu geben. Den Anfang macht Habgier, welches mit einem guten Instrumental-Intro punkten kann und im Verlauf doch recht aggressiv rüber kommt. Das Cover Rightful King, von den Inchtabokatables, in Kombination mit dem Gesang von Eric Fish (SUBWAY TO SALLY) und dem Cello von B. Deutung (The Inchtabokatables), hätte man sich auch sparen können. Deutsche Texte stehen dem Sextett besser und auch Erics Stimme kommt nicht ordentlich zur Geltung. Mit Zu Dir präsentieren die Musiker mit dem Fimmel für Gehröcke und Zylinder im Anschluss, was der geneigte Hörer erwartet. Um nun das Rad neu zu erfinden und sich mit Komposition mit der Hilfe von Frau Schmitt (SUBWAY TO SALLY) an der Geige, selbst zu Covern. Auf der letzten Scheibe nannte sich das Stück noch Operation und handelte von einem angehenden Mediziner, nun geht es um einen Musikstudenten der seinen Freund bestielt. Der Advokat, direkt danach, zeigt wie man Vorurteile aufgrund von Äußerlichkeiten in einem Song verarbeiten kann. Ein Lied welches schon im Jahre 2008 auf dem Spektakulum Infernum Live zu höhren war, hat es nun auch auf die Silberscheibe geschafft. Schöne Augen reiht sich gut in das Gesamtkonzept ein. Mit Die Glocke liefert der Butler Bastille ein weiteres Stück Coppelianische-Musikgeschichte ab, aber warum lässt man eigentlich den Diener singen? 

Mondeslicht stellt ein kurze und knappe Einlage dar und würde sich auch als Gedicht eignen. Ob Graf Lindorf englische Texte mag, kann ich nicht sagen. Ich mag sie in der Kombination mit Coppelius nicht und somit wird Coppelia nicht zu meinen Favoriten gehören. Ein Ereignis aus der frühen Geschichte der 6 Herren wird in Lilienthal aufgearbeitet. Dieser Track zaubert mir mit seiner eingängigen Melodie, dem genialen Text und dem geschichtlichen (eher traurigen) Bezug jedes mal aufs neue ein Lächeln ins Gesicht. Das schnellste Lied der ganzen CD (zumindest am Anfang und am Ende) ist wohl Charlotte The Harlot. Mal wieder ein Cover von IRON MAIDEN, welches durch die Geschwindigkeit für mich ziemlich Konfus wirkt. Um dies auszugleichen, geht es ruhig und melancholisch mit Das Amulet weiter, mit dem man in die Herzen der anderen sehen kann. Vermutlich haben Coppelius die eigenen Erfahrungen auch in Viel zu Viel einfließen lassen. Zumindest ist mir direkt beim ersten Hören ein Bekannter in den Sinn gekommen auf den die Beschreibung wunderbar passen würde. Mit eingängigem Beat wird nun versucht, jemanden zu überreden endlich zu springen und seinem Leid ein Ende zu setzen. Spring Doch kommt teilweise ziemlich jazzig rüber. Mit dem Gedicht ist der Ausflug durch die Jahrhunderte auch schon fast vorbei, hier drehen die alten Herren noch einmal richtig auf. Es folgt nun noch das Nachwort und dann ist Schluss mit der doch sehr ungewöhnlichen Musik. 

17 Titel finden sich auf der Platte, ziemlich abwechslungsreich aber doch eindeutig COPPELIUS. Es gibt ja auch nicht viele Bands die sich dem Kammer-Core verschrieben haben. Ich denke mit Tumult! konnten und können Max Coppella, Le Comte Caspar, Nobusama, Graf Lindorf, Sissy Voss und Bastille sehr zufrieden sein. Sie haben sich weiterentwickelt, ohne auf den falschen Weg des Mainstreams zu gelangen. Allerdings fehlen auch auf dieser CD, wie schon auf Time-Zeit das gewisse Etwas, welches man erlebt, wenn man die Herren Coppelius einmal Live erlebt. Denn erst da verspürt man den Charme und die Energie, welche die Jungs zu versprühen vermögen. Aber COPPELIUS ist eben anders, COPPELIUS hilft! 

Ein Gastartikel von fragmichdochnet

Tracklist: 
1. Vorwort 
2. Habgier 
3. Rightful King 
4. Zu Dir 
5. Komposition * 
6. Der Advokat 
7. Schöne Augen 
8. Die Glocke 
9. Mondeslicht 
10. Coppelia 
11. Lilienthal * 
12. Charlotte The Harlot 
13. Das Amulett 
14. Viel Zu Viel * 
15. Spring Doch 
16. Gedicht 
17. Nachwort 

* = Anspieltipp 

Veröffentlichungstermin: 30.01.2009

Line-Up:
Max Coppella – vocals, clarinet 
Graf Lindorf – vocals, cello 
Comte Caspar – clarinet, vocals 
Sissy Voss – contrabass 
Bastille – vocals, drums 
Nobusama – drums 
Label: F.A.M.E. Recordings

Homepage: http://www.coppelius.eu

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/coppeliushilft