BULLET: Full Pull

BULLET: Full Pull

BULLET, da denke ich zuerst mal an in harten Rock vertonter Lebensfreude, ausgelassene Partys im stilvollen Bandbus und den netten Plausch mit Papa Hjortsjö, der zu gern seinen Junior und den Rest des Packs als Busfahrer durch die Gegend fährt, während die Herren Musiker im Partyliner das Leben genießen und sich von dessen Folgen erholen. Zitat: Da weiß ich dann, dass sie gut nach Hause kommen! Ein neues Zuhause haben die Schweden nun als Band bei Nuclear Blast gefunden, was die sympathischen Knaben sicher ein ganzes Stück nach vorne bringen wird. Für das Labeldebüt ging man dann gleich Produktionstechnisch den richtigen Weg, das nunmehr vierte Album wurde in den Gutterview Recorders Studios in Solna/Stockholm aufgenommen, wo Nicke Andersson (ENTOMBED, HELLACOPTERS) und Fred Estby (DISMEMBER, CARNAGE) für einen erdigen, aber knackig-kraftvollen Sound sorgten. Genau so muss heute zeitloser Oldschool-Hard Rock klingen.

Am Grundsound der Band hat sich hingegen nichts geändert, vielleicht etwas mehr AC/DC und etwas weniger ACCEPT als bei den Vorgängern, aber die Mischung ist halt BULLET, große Änderungen wären da echt ´ne Frechheit. Ebenso wenig geändert hat sich die Tatsache, dass man beim Einlegen der Scheibe automatisch in den Spaßmodus übergeht. Obwohl, statt gleich Popo zu treten, geht es mit Midnight Oil erst mal recht zäh los. Man kennt das ja selbst, wenn man am Wochenende losziehen muss, weil ja halt Wochenende ist, und irgendwie kommt man nicht in Gang, würde fast lieber auf dem Sofa abhängen. Aber das geht ja nicht, ist ja Wochenende, man muss da raus, so klingt auch der Opener. Aber auch nur, um mit dem Titelsong klarzustellen, dass für trübe Stimmung kein Platz ist. Volle Pulle, es rockt, man zuckt mit, Spaßregler auf 11, da hat man auch schon vormittags beim Hausputz Lust auf Party. Die zieht sich durch die ganze Scheibe, es groovt, man tänzelt mit. Es gibt mal überraschend ein paar THIN LIZZY-Twinguitars, catchy, aber nie kitschige Refrains zum Mitsingen. Man hat mit jedem Song die Band vor Augen, wie sie gut gelaunt auf der Bühne steht und ihre ACCEPT-Tänzchen abzieht wie beim griffigen All Fired Up, das die Vorfreude auf die kommenden Liveshows hochtreibt. Allein der Gedanke, Herrn Hofer mit seinem hysterischen Krächzgesang über die Bühne stolpern zu sehen, schiebt schon ein breites Grinsen ins Gesicht. Hin und wieder hat man das Gefühl, die Jungs haben uns mehr Melodien untergejubelt, warum auch nicht. Wenn sie Gas geben wie bei In The Heat oder Gutterview, dann wartet man fast auf die Slideguitar, da steckt ordentlich ROSE TATTOO drin. Ansonsten sind doch zumeist sehr deutlich deren großen Nachbarn von AC/DC präsent. Sehr cool auch Rush Hour, der Song kommt irgendwie nicht recht in Gang, wirkt ausgebremst, wie ein nerviger Kampf durch den Feierabendverkehr, wo man beim Losfahren schon weiß, dass man den so wichtigen Termin oder das hoffnungsvolle Date niemals pünktlich erreichen kann. Auf dem ganzen Album hat man das Gefühl, dass BULLET ihre Qualitäten gebündelt haben und vieles mehr auf den Punkt kommt, ohne dass es durchgearbeitet klingt. Den Spaß, den die Jungs selbst an ihrer Musik haben, hört man durchgehend heraus, und das geht direkt über auf den Hörer. Natürlich sind BULLET keine Band, die man wirklich ernst nehmen kann, aber man muss sie halt einfach gern haben. So dürfen sie gern weiter wachsen, aber bitte ohne wirklich erwachsen zu werden.

Wer auf den typischen BULLET-Mix aus AC/DC-Rock`n´Roll und ACCEPT-Gitarren steht, der wird an Full Pull seine wahre Freude haben. Klar verkauft uns jede Band ihr neues Album als das beste, das sie je gemacht haben. Hier würde das hingegen passen. Der Wandel von den ersten beiden jugendlich wilden Alben über Highway Pirates nun zum dezent reiferen neuen Album wirkt nachvollziehbar, die Jungs werden wohl unvermeidbar immer besser. Jetzt mit dem großen Label im Rücken sollte es sicher kein Wunder mehr sein, wenn die Schweden die vielen überbewerteten AC/DC-Clones dieser Welt von der Bühne rocken.

Veröffentlichungstermin: 14.09.2012

Spielzeit: 38:21 Min.

Line-Up:
Hell Hofer – Vocals
Hampus Klang – Guitar
Erik Almström – Guitar
Adam Hector – Bass
Gustav Hjortsjö  – Drums

Produziert von Nicke Andersson und Fred Estby
Label: Nuclear Blast Records

Homepage: http://www.bullet.nu

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/bulletband

Tracklist:
1. Midnight Oil
2. Full Pull
3. Running Away
4. All Fired Up
5. Rolling Home
6. In The Heat
7. High On The Hog
8. Rush Hour
9. Freeriding
10. Gutterview
11. Warriors
12. Get On (Bonus Track Digipack)

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Frank Hellweg

Lebensmotto „stay slow“, Doomer halt….
Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!